Kratom-Vergiftung: 22-Jähriger erleidet in Österreich einen Herzstillstand
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die medizinische Fachwelt richtet den Fokus verstärkt auf die Risiken der psychoaktiven Substanz Kratom. Hintergrund ist ein klinischer Fall an der Innsbrucker Universitätsklinik für Anästhesie und Intensivmedizin, der in der „Wiener klinischen Wochenschrift“ (doi: 10.1007/s00508-026-02826-5) dokumentiert wurde. Es handelt sich um den ersten in Österreich wissenschaftlich erfassten Herzstillstand infolge einer isolierten Kratomvergiftung bei einem zuvor gesunden 22-jährigen Mann.
Klinischer Verlauf und notfallmedizinische Intervention
Der Fallbericht schildert den Zusammenbruch eines 22-jährigen Patienten in Innsbruck. Ein Mitbewohner habe den jungen Mann bewusstlos, krampfend und ohne Puls aufgefunden. Der herbeigerufene Notarzt bestätigte einen Herzstillstand. Erst nach einer vierminütigen Herzdruckmassage und der Verabreichung von Adrenalin habe der Kreislauf des Patienten wieder eingesetzt, wobei es im weiteren Verlauf zu einem zweiten Herzstillstand gekommen sei.
Aufgrund einer extremen Bradykardie, bei der die Pulsfrequenz auf 25 bis 30 Schläge pro Minute sank, sahen sich die Mediziner gezwungen, dem Patienten einen permanenten Herzschrittmacher zu implantieren. Nach einem zweiwöchigen Klinikaufenthalt konnte der Mann ohne neurologische Ausfälle oder weitere Folgeschäden entlassen werden.
Toxikologische Befunde und statistische Einordnung
Die toxikologische Untersuchung des Patienten ergab einen Mitragynin-Wert von 500 Mikrogramm pro Liter Blutplasma. Zum Vergleich: Eine weltweite Analyse von 156 Todesfällen im Zusammenhang mit Kratom wies einen mittleren Wert von 398 Mikrogramm pro Liter auf.
Kratom wird aus den getrockneten Blättern des südostasiatischen Kratom-Baums gewonnen und meist als Pulver oder Tee konsumiert. In Österreich ist die Substanz zwar nicht als Lebensmittel zugelassen, wird jedoch häufig mit dem Hinweis „nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt“ vertrieben. In anderen europäischen Ländern, wie etwa Tschechien, regelt die sogenannte „Lex Kratom“ den Verkauf restriktiver über lizenzierte Fachgeschäfte.
Ein zuvor gesunder 22-Jähriger erlitt in Innsbruck nach Kratom-Tee zwei Herzstillstände — der erste wissenschaftlich dokumentierte Fall dieser Art in Österreich. Sein Mitragynin-Wert lag mit 500 Mikrogramm pro Liter über dem Mittelwert einer weltweiten Analyse von 156 Kratom-Todesfällen. Unser kostenloser Report zeigt Ihnen die wichtigsten Warnsignale, einen Notfallplan bei opioidartiger Überdosis und die aktuelle Rechtslage in Europa. Jetzt kostenlosen Kratom-Report anfordern
Massive Zunahme der Vergiftungsfälle in den USA
Daten des US National Poison Data System belegen einen drastischen Anstieg der Problematik über das letzte Jahrzehnt. Zwischen 2015 und 2025 haben sich die Kratom-Vergiftungsfälle in den USA verzwölffacht.
Während im Jahr 2015 noch 258 Fälle registriert wurden, stieg die Zahl bis zum Jahr 2025 auf einen Höchststand von 3.434 Fällen an, was einem Zuwachs von rund 1.200 Prozent entspricht.
Insgesamt verzeichneten die US-Behörden in diesem Zeitraum 14.449 Kratom-Expositionen. Von den 233 dokumentierten Todesfällen waren in 184 Fällen zusätzlich andere Substanzen involviert. Schätzungen zufolge konsumieren in den Vereinigten Staaten jährlich rund zwei Millionen Erwachsene Kratom.
Medizinische Warnungen vor dem Opioid-Charakter
Fachleute und Gesundheitsbehörden warnen eindringlich vor dem Image von Kratom als risikoarme, natürliche Substanz. Ein ärztlicher Direktor eines US-Behandlungszentrums wies darauf hin, dass insbesondere hochkonzentrierte Extrakte der Substanz 7-OH-H oft in ansprechenden Verpackungen als Naturprodukt vermarktet würden. De facto handele es sich jedoch um ein Opioid.
In den USA haben sich die Kratom-Vergiftungsfälle zwischen 2015 und 2025 verzwölffacht — 2025 mit über 3.400 Expositionen ein Rekordhoch. Fachleute warnen, dass hochkonzentrierte Extrakte wie 7-OH-H trotz ansprechender Naturprodukt-Verpackung de facto wie ein Opioid wirken. Unser kostenloser Report ordnet die Risiken ein und gibt Ihnen eine klare Checkliste an die Hand. Kratom-Risiken jetzt einordnen
Die Einnahme könne zu extremer Schläfrigkeit und einer gefährlich verlangsamten Atmung führen. Bei einer opioidartigen Überdosis könne das Notfallmedikament Narcan als Gegenmittel eingesetzt werden. Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC meldete für das vergangene Jahr mit mehr als 3.400 Expositionen ein Rekordhoch und unterstreicht damit die wachsende klinische Relevanz schwerer Vergiftungserscheinungen durch Kratom.
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