Kratom-Tee, Innsbruck

Kratom-Tee: 22-Jähriger erleidet in Innsbruck zwei Herzstillstände

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein österreichischer Fallbericht dokumentiert schwere Herzkomplikationen nach Mitragynin-Konsum; US-Daten zeigen deutlich mehr gemeldete Vergiftungen.

Kratom-Tee führt zu zwei Herzstillständen bei 22-Jährigem in Innsbruck
Getrocknete, zerkleinerte tropische Blätter auf einer neutralen Steinoberfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Fachwelt befasst sich verstärkt mit den gesundheitlichen Gefahren der Substanz Kratom, nachdem klinische Beobachtungen auf schwerwiegende kardiologische Komplikationen hindeuten. Ein Fallbericht aus Innsbruck beleuchtet dabei erstmals für Österreich die Risiken einer isolierten Mitragyninvergiftung bei einem zuvor gesunden jungen Erwachsenen.

Klinische Beobachtungen nach isolierter Intoxikation

Innsbrucker Intensivmediziner dokumentierten in einem Bericht vom 28. September 2026 den Fall eines 22-jährigen Patienten, der nach dem Konsum von Kratom-Tee in seiner Wohnung zwei Herzstillstände erlitt.

Gezielte toxikologische Untersuchungen des Blutplasmas ergaben eine Konzentration von 500 µg Mitragynin pro Liter. Dieser Wert liegt signifikant über dem mittleren Wert von 398 µg/L, der im Rahmen einer weltweiten Analyse von 156 Todesfällen im Zusammenhang mit Kratom ermittelt wurde.

Aufgrund eines wiederholten Pulsabfalls auf 25 bis 30 Schläge pro Minute musste dem Patienten ein Herzschrittmacher eingesetzt werden. Während der Reanimation wurde laut einem Bericht vom 28. September 2026 Fentanyl verabreicht. Nach vorübergehenden leichten neurologischen Beeinträchtigungen konnte der Betroffene nach zwei Wochen Krankenhausaufenthalt ohne bleibende Folgeschäden entlassen werden.

Die behandelnden Mediziner stufen die Mitragyninvergiftung als wahrscheinlichste Ursache für den klinischen Verlauf ein und geben zu bedenken, dass solche Fälle aufgrund fehlender Routinetests auf Mitragynin in der klinischen Praxis unterschätzt werden könnten.

Pharmakologische Wirkungsweise und Wechselwirkungen

Die Steirische Apothekerkammer erläuterte im September 2026 die komplexen Wirkmechanismen der Pflanze. Kratom wirkt demnach auf die Opioid-Rezeptoren im menschlichen Körper. Während niedrige Dosierungen stimulierend wirken, führen höhere Mengen zu einer sedierenden Wirkung. Die Halbwertszeit der Wirkstoffe wird mit 7 bis 24 Stunden angegeben.

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Ein zuvor gesunder 22-Jähriger erlitt nach einem Kratom-Tee in seiner Wohnung zwei Herzstillstände — Innsbrucker Intensivmediziner halten eine Mitragyninvergiftung für die wahrscheinlichste Ursache. Weil in der klinischen Praxis nicht routinemäßig auf Mitragynin getestet wird, bleiben solche Fälle womöglich unbemerkt. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen als Angehörige, welche Warnsignale Sie kennen sollten und wie Sie im Verdachtsfall reagieren. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern

Ein besonderes Risiko stellt laut Experten die potenzielle Blockade von Kaliumkanälen im Herzen durch die enthaltenen Alkaloide dar. Dies kann die Reizleitung stören und schwerwiegende Herzrhythmusstörungen begünstigen.

Zudem wird vor Wechselwirkungen gewarnt: Die Einnahme von Antidepressiva kann den Abbau der Substanzen verlangsamen, was die Gefahr eines Herzstillstands weiter erhöht. Suchtexpertinnen weisen zudem auf ein erhebliches Abhängigkeitspotenzial sowie die Gefahren eines Entzugs hin. Besonders kritisch wird der Mischkonsum mit Alkohol, Opioiden oder Benzodiazepinen bewertet.

Statistische Entwicklung und Marktsituation

Daten des US National Poison Data System verdeutlichen eine Zunahme der Problematik über einen längeren Zeitraum. Zwischen 2015 und 2025 stieg die Zahl der gemeldeten Kratom-Vergiftungsfälle in den USA auf das Zwölffache an.

Für das Jahr 2025 wurden 3.434 Fälle registriert. Im gesamten Zeitraum von 2015 bis 2025 wurden 14.449 Expositionen und 233 damit verbundene Todesfälle gemeldet. Bei 184 dieser Sterbefälle waren zusätzlich weitere Substanzen beteiligt.

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Kratom ist in Wiener Growshops und an Verkaufsautomaten erhältlich — rund 20 Euro für 50 Gramm —, obwohl das Produkt weder als Lebensmittel noch als Arzneimittel zugelassen ist. Besonders riskant wird es in Kombination mit Antidepressiva: Der Abbau der Wirkstoffe kann sich verlangsamen und das Herzrisiko steigen. Unser Leitfaden ordnet die Rechtslage in Österreich ein und zeigt, worauf Sie im Umfeld junger Erwachsener achten können. Leitfaden zur Rechtslage und zu Risiken sichern

In Österreich stellt Kratom laut Berichten der Steirischen Apothekerkammer bislang eher ein Randphänomen dar. Dennoch ist die Substanz im öffentlichen Raum verfügbar. Wiener Growshops und Verkaufsautomaten führen das Produkt, wobei Preise von etwa 20 Euro für 50 Gramm aufgerufen werden.

Da Kratom in Österreich nicht im Suchtmittelgesetz verankert ist, sind der Besitz und der Konsum grundsätzlich nicht strafbar. Das Produkt verfügt jedoch über keine Zulassung als Lebensmittel oder Arzneimittel, was die regulatorische Kontrolle des Vertriebs erschwert.

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de | wissenschaft | 70201141 |