Kratom-Notrufe, Giftinformationszentren

Kratom-Notrufe: Giftinformationszentren registrieren 6.500% Anstieg

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 11:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studie belegt massiven Anstieg schwerer Kratom-Vergiftungen in den USA. Behörden planen strengere Kontrollen der opioidähnlichen Pflanzensubstanz.

Kratom-Krise: US-Giftnotrufe melden 6.500 Prozent mehr Fälle
Getrocknete Kratom-Blätter in einer Laborschale auf einem medizinischen Schreibtisch. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

In den vergangenen Jahren hat die Nutzung von Kratom, einer Pflanzensubstanz mit opioidähnlicher Wirkung, deutlich zugenommen. Eine wissenschaftliche Untersuchung dokumentiert nun das Ausmaß der gesundheitlichen Folgen, die mit dem Konsum dieses pflanzlichen Stoffes einhergehen. Die Daten verdeutlichen eine signifikante Zunahme der Notrufe bei Giftinformationszentren und werfen Fragen zur regulatorischen Handhabung der Substanz auf.

Statistische Auswertung der Expositionsfälle

Eine in der Fachzeitschrift „Addiction“ veröffentlichte Studie des Forschers Feldman vom Medical College of Wisconsin zeigt eine drastische Entwicklung der Fallzahlen in den USA auf. Demnach stieg die Anzahl der gemeldeten Kratom-Fälle bei den US-Giftnotrufzentralen von 19 im Jahr 2010 auf 1.242 im Jahr 2023. Dies entspricht einem Anstieg um 6.500 % beziehungsweise einer Verfünfundsechzigfachung innerhalb des Untersuchungszeitraums.

Besonders besorgniserregend stellt sich die Entwicklung schwerer Krankheitsverläufe dar. Während im Jahr 2010 noch keine schweren Fälle registriert wurden, dokumentierten die Stellen im Jahr 2023 insgesamt 158 schwere Vergiftungsfolgen. Über den gesamten Untersuchungszeitraum wurden 8.919 Kratom-Expositionen erfasst, von denen 13 % als schwer eingestuft wurden.

Die statistische Auswertung ergab zudem, dass 61 % der Vorfälle ausschließlich auf den Konsum von Kratom zurückzuführen waren. In 91 % der Fälle handelte es sich um erwachsene Personen, wobei der Anteil männlicher Betroffener bei 69 % lag.

Klinische Risiken und medizinische Auswirkungen

Die gesundheitlichen Folgen einer Kratom-Exposition können weitreichend sein. Den Berichten der Giftnotrufzentralen zufolge kann der Konsum Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und Leberschäden verursachen.

Die klinische Relevanz wird durch die hohe Rate an erforderlichen Behandlungen im Gesundheitswesen unterstrichen: Bei alleinigem Konsum der Substanz musste fast jeder siebte Patient stationär aufgenommen werden. Jeder sechzehnte Betroffene war so schwer erkrankt, dass eine Behandlung auf der Intensivstation notwendig wurde.

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Auch nationale Behörden beobachten die Situation mit wachsender Sorge. Die US-Gesundheitsbehörde CDC verzeichnete in einem Zeitraum von 2015 bis 2025 einen Anstieg der Fälle um 1.200 % sowie insgesamt 233 Todesfälle im Zusammenhang mit der Substanz. In Deutschland warnt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ebenfalls vor den Risiken, die von Kratom ausgehen.

Regulatorische Reaktionen und regionale Unterschiede

Die Analyse verdeutlicht zudem einen Zusammenhang zwischen der Gesetzgebung und der Anzahl der medizinischen Notfälle. In US-Bundesstaaten ohne ein explizites Kratom-Verbot lag die Expositionsrate 2,49-mal höher als in Staaten mit entsprechenden Verboten.

Noch deutlicher ist der Unterschied bei schweren Folgen, die in Regionen ohne Verbot 3,19-mal häufiger auftraten. Auch die Inanspruchnahme der Gesundheitsversorgung (2,44-mal höher) und die Rate der Krankenhauseinweisungen (2,45-mal höher) spiegeln diese Diskrepanz wider.

Aktuell planen US-Behörden eine Verschärfung der Kontrollen. Die Drogenbehörde DEA beabsichtigt, das konzentrierte Kratom-Alkaloid 7-OH als „Schedule I“-Substanz einzustufen, was einer strengen staatlichen Kontrolle gleichkommt. Eine solche Einstufung könnte bereits ab dem 24. August wirksam werden. Die US-Arzneimittelbehörde FDA stuft diese Substanzen als potente Opioide ein.

Regional führt die Problematik bereits zu politischen Initiativen. In Utah strebt Senator Mike McKell ein vollständiges Verbot an, nachdem ein Todesfall mit einem falsch etikettierten Produkt in Verbindung gebracht wurde. Zuvor hatte der Bundesstaat bereits alle Varianten außer dem reinen Blatt verboten.

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Lokal warnte zudem die Polizei in Steamboat Springs vor hochkonzentrierten Formen in Verkaufsstellen, nachdem in der Region Yampa Valley Todesfälle durch Kratom-Toxizität gemeldet wurden, darunter ein Todesfall eines 29-Jährigen am 10. Mai.

Kritiker der DEA-Daten weisen jedoch darauf hin, dass einige für die Bewertung herangezogene Datenquellen lückenhaft seien. So stamme ein für die Einstufung von 7-OH genutzter Todesfall aus Norwegen aus dem Jahr 2014 und nicht aus den USA. Dennoch bleibt die Warnung der Fachbehörden vor den potenziell tödlichen Risiken der Substanz bestehen.

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