Krankschreibungen per Video: Hausärzte sehen erhöhtes Missbrauchsrisiko
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Digitalisierung des Gesundheitswesens schreitet voran, doch mit der Zunahme technischer Möglichkeiten wächst auch die berufspolitische Kritik an bestimmten Umsetzungsformen. Im Zentrum der Debatte stehen derzeit anonyme Videosprechstunden, die über Drittanbieter abgewickelt werden.
Markus Blumenthal-Beier, der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, hat in diesem Zusammenhang deutliche Warnungen ausgesprochen. Laut Berichten vom 27. September 2026 sieht die Standesvertretung durch diese Form der Fernbehandlung grundlegende Prinzipien der medizinischen Versorgungsqualität bedroht.
Fehlende medizinische Gesamtverantwortung und Zersplitterung der Versorgung
Ein wesentlicher Kritikpunkt des Verbandsvorsitzenden betrifft die strukturelle Einbindung dieser digitalen Dienste. Blumenthal-Beier warnt insbesondere vor Angeboten, die in Apotheken oder speziellen Apotheken-Videokabinen zur Verfügung gestellt werden.
In Berichten vom späten September 2026 wird dargelegt, dass bei solchen anonymen Sprechstunden die medizinische Gesamtverantwortung nicht ausreichend geklärt sei. Wenn Patienten sich außerhalb gewachsener Versorgungsstrukturen an wechselnde Drittanbieter wenden, fehle eine koordinierende Instanz, die den gesamten Behandlungsverlauf überblickt.
Diese Entwicklung berge zudem die Gefahr einer zunehmenden Zersplitterung der medizinischen Versorgung. Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband gibt zu bedenken, dass zusätzliche Fernbehandlungsangebote die Anzahl der Behandlungsfälle stark erhöhen könnten.
Anstatt die bestehende Versorgung effizienter zu gestalten, könnten isolierte digitale Angebote dazu führen, dass Patientendaten und Behandlungsschritte über verschiedene, nicht miteinander vernetzte Anbieter verteilt werden. Dies erschwere nicht nur die Dokumentation, sondern könne auch die Behandlungsqualität durch mangelnden Informationsaustausch mindern.
Der Hausärzteverband warnt vor anonymen Videosprechstunden bei Drittanbietern — und sieht bei Krankschreibungen ein deutlich höheres Missbrauchsrisiko. Wer digitale Angebote in die eigene Praxisstruktur einbindet, behält die medizinische Gesamtverantwortung und die Dokumentation in einer Hand. Unser kostenloser Leitfaden zeigt in klaren Schritten, wie Sie Videosprechstunde rechtssicher aufsetzen und die AU-Ausstellung sauber dokumentieren. Jetzt kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Risiken bei Fernbehandlungen und Gefährdung der Patientenbindung
Neben den strukturellen Aspekten thematisiert Blumenthal-Beier auch konkrete Risiken im Praxisalltag der Fernbehandlung. Ein Schwerpunkt der Kritik liegt auf der Ausstellung von Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen. Der Verbandsvorsitzende sieht bei anonymen Videosprechstunden ein deutlich höheres Missbrauchsrisiko im Bereich der Krankschreibungen.
Ohne die persönliche Kenntnis des Patienten und dessen Krankheitsgeschichte sei es für Mediziner in anonymen digitalen Settings schwieriger, die medizinische Notwendigkeit einer Krankschreibung zweifelsfrei zu validieren.
Darüber hinaus wird die Erosion der klassischen Arzt-Patienten-Beziehung beklagt. Die feste Bindung zwischen einem Hausarzt und seinen Patienten gilt im deutschen Gesundheitssystem als wesentlicher Faktor für eine erfolgreiche Langzeitbetreuung und Prävention.
Jede anonyme Kurzberatung bei einem Drittanbieter kostet Sie ein Stück der Bindung zu Ihren Stammpatienten — und genau diese Kontinuität trägt Prävention und Langzeitbetreuung. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Patienten mit eigenen digitalen Angeboten halten, statt sie an externe Plattformen zu verlieren. Leitfaden Patientenbindung digital sichern
Blumenthal-Beier betonte laut den vorliegenden Berichten, dass genau diese Bindung durch anonymisierte Kurzberatungen bei Drittanbietern gefährdet werde. Die Vertrauensbasis, die normalerweise über Jahre hinweg aufgebaut wird, könne durch isolierte digitale Kontakte ohne Kontinuität nicht ersetzt werden.
Der Hausärztinnen- und Hausärzteverband plädiert daher indirekt für eine stärkere Einbindung digitaler Tools in die bestehenden Praxisstrukturen, statt den Markt für externe Plattformlösungen zu öffnen, die losgelöst von der primärärztlichen Versorgung agieren. Die Sorge der Mediziner gilt dabei primär einer Entwicklung, in der die Bequemlichkeit des digitalen Zugangs zulasten der medizinischen Sorgfalt und der Patientensicherheit gehen könnte.
