Krankheitskosten: Über 528 Milliarden Euro – Ältere tragen den Großteil
Veröffentlicht am: 10.10.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Krankheitskosten in Deutschland haben im Jahr 2024 einen neuen Höchststand erreicht und überschritten zum ersten Mal die Marke von einer halben Billion Euro. Wie aus einem Bericht des Statistischen Bundesamtes vom 8.10.2026 hervorgeht, kletterten die Ausgaben im Jahr 2024 auf 528,5 Mrd. Euro. Dies entspricht einem Zuwachs von 7,6 % beziehungsweise 37,5 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr.
In dieser Summe sind die Aufwendungen für medizinische Behandlungen, Pflege, Prävention sowie Rehabilitation erfasst; indirekte Folgekosten wie Arbeitsausfälle zählen hingegen nicht dazu. Die gesamten Gesundheitsausgaben beliefen sich im Jahr 2024 auf 538,2 Mrd. Euro, wobei Schätzungen für 2025 von einem weiteren Anstieg um 7,7 % auf rund 579,5 Mrd. Euro ausgehen.
Ältere Jahrgänge tragen den Großteil der Aufwendungen
Umgerechnet auf die Bevölkerung beliefen sich die Pro-Kopf-Krankheitskosten im Jahr 2024 auf 6.330 Euro, was einem Anstieg um 7,3 % beziehungsweise 430 Euro im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Ein wesentlicher Teil dieser Summen entfällt auf höhere Altersgruppen. Destatis beziffert die Ausgaben für Personen ab 65 Jahren auf 284,3 Mrd. Euro. Dieser Betrag macht 53,8 % der gesamten Krankheitskosten aus und entspricht Pro-Kopf-Kosten von 15.080 Euro.
Die Pro-Kopf-Werte steigen über die Lebensspanne hinweg deutlich an:
- 15 bis 29 Jahre: 2.390 Euro
- 30 bis unter 45 Jahre: 3.130 Euro
- 45 bis unter 65 Jahre: 5.590 Euro
- 65 bis unter 85 Jahre: 12.300 Euro
- Über 85 Jahre: 30.150 Euro
Unterschiede zwischen den Geschlechtern und Krankheitsarten
Bei der Verteilung zeigen sich zudem signifikante Differenzen zwischen den Geschlechtern. Frauen verursachten im Jahr 2024 durchschnittlich 6.960 Euro pro Kopf, während der Wert bei Männern bei 5.680 Euro lag. Der Unterschied beträgt 22,5 % beziehungsweise 1.280 Euro. Begründet liegt diese Abweichung unter anderem in einer höheren Lebenserwartung sowie in Faktoren wie Schwangerschaft und Geburt.
Die Krankheitskosten in Deutschland haben 2024 mit 528,5 Mrd. Euro erstmals die halbe-Billion-Marke überschritten, und Personen ab 65 Jahren tragen mit 284,3 Mrd. Euro mehr als die Hälfte davon. Wer die Versorgung älterer Angehöriger mitplant, findet in diesem kostenlosen Ratgeber eine Checkliste, mit der sich Gesundheits- und Pflegekosten frühzeitig einordnen lassen. Kostenlosen Ratgeber zur Kostenplanung anfordern
Bei Frauen machten psychische und Verhaltensstörungen inklusive Demenz mit 990 Euro den höchsten Pro-Kopf-Betrag aus, was dem 1,5-Fachen des Wertes bei Männern entspricht, der bei 650 Euro lag. Bei Männern entfiel der höchste Pro-Kopf-Aufwand mit 860 Euro auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Betrachtet man das Gesamtsystem, verteilten sich die höchsten Kosten auf fünf Diagnosebereiche:
- Kreislaufsystem: 69,4 Mrd. Euro (13,1 %)
- Psychische und Verhaltensstörungen: 68,7 Mrd. Euro (13,0 %)
- Muskel-Skelett-System: 54,3 Mrd. Euro (10,3 %)
- Verdauungssystem: 53,7 Mrd. Euro (10,2 %)
- Neubildungen und Krebs: 52,1 Mrd. Euro (9,9 %)
Destatis weist darauf hin, dass diese fünf Krankheitskapitel zusammen 26,1 % der Gesamtkosten ausmachen und ihr Anteil seit 2015 konstant bei 55 bis 56 % liegt.
Ursachen für das kontinuierliche Ausgabenwachstum
Hinsichtlich der treibenden Kräfte hinter der Entwicklung heben Ökonomen unterschiedliche Faktoren hervor. Nicolas Ziebarth vom ZEW Mannheim sieht den medizinisch-technologischen Fortschritt als den primären Treiber der überproportionalen Zuwächse, während die Alterung der Gesellschaft einen geringeren Teil beitrage. Zudem gebe es keine Nachweise dafür, dass die Bevölkerung systematisch kränker werde.
Ab 85 Jahren liegen die Pro-Kopf-Krankheitskosten laut Statistischem Bundesamt bei 30.150 Euro — mehr als das Vierfache der 65- bis 85-Jährigen. Für Familien, die diese Phase vorbereiten, bündelt dieser kostenlose Leitfaden fünf Ansatzpunkte für gesunde Alterung und eine frühzeitige Pflegekosten-Planung. Leitfaden zur Pflegekosten-Planung sichern
Christian Hagist von der WHU verweist wiederum darauf, dass steigende Löhne im personalintensiven Gesundheitsbereich, erweiterte Behandlungsmöglichkeiten und die alternde Gesellschaft die Kosten gemeinsam antreiben. Die Ausgaben für Gesundheit und Pflege dürften demnach künftig weiter anziehen.

