Krankenversicherung, Zuzahlungen

Krankenversicherung: Zuzahlungen steigen bis 50 Prozent ab 2027

18.06.2026 - 18:54:29 | boerse-global.de

Bis 2030 droht der gesetzlichen Krankenversicherung eine Finanzierungslücke von 40 Milliarden Euro. Die Koalition plant drastische Einschnitte für Versicherte und Leistungserbringer.

GKV-Defizit: Schwarz-Rot plant schmerzhafte Reform für Patienten
Krankenversicherung - Eine Hand legt Euro-Münzen auf Medikamentenpackungen und einen Rezeptschein, symbolisiert steigende Zuzahlungen und Gesundheitskosten. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis 2030 droht eine Finanzierungslücke von rund 40 Milliarden Euro. Schwarz-Rot will gegensteuern – mit schmerzhaften Maßnahmen für Versicherte, Pharmaindustrie und Kliniken.

Allein für 2027 prognostizieren Schätzungen ein Minus von 18,8 Milliarden Euro. Der vorliegende Gesetzentwurf sieht bisher Einsparungen von 16,3 Milliarden Euro vor. Die Lücke bleibt also riesig.

Patienten zahlen deutlich mehr

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Die Eigenanteile steigen drastisch. Für Medikamente, Physiotherapie-Rezepte oder Krankenhausaufenthalte sollen Versicherte künftig bis zu 50 Prozent mehr zuzahlen. Die Mindestzuzahlung klettert von 5,00 auf 7,50 Euro, der Höchstbetrag von 10,00 auf 15,00 Euro pro Verordnung.

Auch beim Krankengeld wird gekürzt. Statt 70 Prozent des Bruttoeinkommens soll es künftig nur noch 65 Prozent geben. Homöopathie fliegt als Kassenleistung komplett raus, die Festzuschüsse beim Zahnersatz werden reduziert.

Neue Einnahmen sollen aus höheren Tabak- und Alkoholsteuern kommen. Eine Zuckersteuer ist ebenfalls im Gespräch – bringt sie bereits 2027, wären das rund 450 Millionen Euro Mehreinnahmen.

Familienversicherung wird teuer

Bisher konnten Ehepartner kostenlos mitversichert werden. Damit ist bald Schluss. Künftig fällt ein Zuschlag von 2,5 Prozent auf das Bruttoeinkommen des Hauptverdieners an. Bei 3.000 Euro Monatsbrutto bedeutet das 75 Euro Mehrbelastung pro Monat.

Ausnahmen gibt es für Partner, die Kinder unter sieben Jahren erziehen, behinderte Kinder betreuen oder Angehörige pflegen. Auch Rentner sind von der Regelung ausgenommen. Der Bundesrat fordert weitere Ausnahmen – etwa für Landwirtsfamilien oder Partner ab 55 Jahren.

Pharma muss tiefer in die Tasche greifen

Die Pharmaindustrie steht ebenfalls in der Pflicht. Der Herstellerabschlag für Arzneimittel soll von 7 auf bis zu 15,5 Prozent steigen. Die Kassen verweisen auf massiv gestiegene Ausgaben für patentgeschützte Medikamente. Pharmaverbände kontern mit Milliarden-Sparbeiträgen, die bereits geleistet wurden.

Apotheken trifft es ab 2027 ebenfalls: Der Kassenabschlag pro Medikament steigt von 1,77 auf 2,07 Euro. Dabei wurde erst im Mai 2026 das Fixum pro Packung auf 9,50 Euro angehoben.

Auch Kliniken und Arztpraxen müssen mit begrenzten Vergütungssteigerungen rechnen. Die Ärzteschaft warnt: Das könnte zu weniger Terminen und längeren Wartezeiten führen.

Koalition uneins über den richtigen Weg

Innerhalb der schwarz-roten Regierung brodelt es. Die Unionsfraktion bringt Karenztage bei der Lohnfortzahlung oder eine Wiedereinführung der Praxisgebühr ins Spiel. Die SPD kontert: Sie fordert eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Rentenversicherung.

Konkret: Einkommen bis 101.400 Euro pro Jahr wären dann beitragspflichtig. Für Gutverdiener bedeutet das eine jährliche Mehrbelastung von bis zu 2.800 Euro.

Ein weiterer Zankapfel: die Finanzierung der Beiträge für Bürgergeldempfänger. Der GKV-Spitzenverband fordert vom Bund eine stärkere Beteiligung – das würde das System jährlich um rund 12 Milliarden Euro entlasten.

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Bevölkerung skeptisch – Zeitplan steht

Eine YouGov-Umfrage Mitte Juni zeigt: Die Deutschen trauen dem Sparpaket nicht. 61 Prozent lehnen das Ziel der Ausgabenbremsung ab. 72 Prozent empfinden die Lastenverteilung zwischen Versicherten und Leistungsanbietern als ungerecht. Besonders die höheren Zuzahlungen stoßen auf Ablehnung.

Der Zeitplan ist ambitioniert. Nach der Verbändeanhörung am 17. Juni steht für den 22. Juni die nächste Anhörung im Bundestag an. Die Koalition will den Beschluss noch vor der Sommerpause durchdrücken – die dauert bis zum 10. Juli. Bundeskanzler Merz spricht von einer der umfassendsten Sozialstaatsreformen der letzten Jahre.

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