Krankenversicherung, Merz

Krankenversicherung: Merz sieht Gerechtigkeitsproblem bei Wartezeiten

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Friedrich Merz sieht bei Wartezeiten ein Gerechtigkeitsdefizit. Eine Kommission soll im Dezember Reformoptionen für die GKV vorlegen.

Merz stellt GKV und PKV auf den Prüfstand
Ein leerer, modern eingerichteter Behandlungsraum in einer Arztpraxis mit einer Untersuchungsliege und hellem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Diskussion über die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Deutschland gewinnt an Dynamik. Nach Beratungen der CDU-Parteigremien im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin, die auch vor dem Hintergrund der Wahlergebnisse in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern stattfanden, rückte Friedrich Merz das Verhältnis von gesetzlicher und privater Krankenversicherung in den Fokus.

Merz bezeichnete das Nebeneinander der beiden Systeme als Gerechtigkeitsproblem und signalisierte Bereitschaft zu Veränderungen, ohne dabei konkrete Details zu nennen. In der Koalition sei verabredet gewesen, Beschlüsse der gesetzlichen Krankenversicherung wirkungsgleich auf die private Krankenversicherung zu übertragen, was bislang jedoch nicht umgesetzt worden sei.

Kritik an ungleichen Wartezeiten und Versorgungslücken

Im Zentrum der Debatte stehen spürbare Unterschiede für Patienten. Gesetzlich Versicherte warten auf Facharzttermine im Durchschnitt deutlich länger als privat Krankenversicherte. Merz betonte, dass der Eindruck, Privatpatienten erhielten unverzüglich jede Leistung, während Kassenpatienten wochen- oder monatelang warten müssten, ein Gerechtigkeitsproblem darstelle.

Aus diesem Grund müssten die Nachteile für gesetzlich Versicherte, insbesondere bei den Wartezeiten, gezielt angegangen werden. Ein Regierungssprecher stellte klar, dass Merz damit das duale System als solches nicht grundsätzlich infrage gestellt habe.

Rückendeckung für den Vorstoß kommt aus den Bundesländern. Karl-Josef Laumann, Fachminister in Nordrhein-Westfalen, verwies auf ein erhebliches Problem im Gerechtigkeitsempfinden, das durch das Nebeneinander von privater und gesetzlicher Kranken- sowie Pflegeversicherung entstehe.

Geteilte Reaktionen in der Gesundheitspolitik

Die Äußerungen stoßen im politischen Raum auf unterschiedliche Reaktionen. Der SPD-Gesundheitsexperte Christos Pantazis zeigte sich gesprächsbereit, sieht derzeit jedoch keine parlamentarische Mehrheit für einen grundlegenden Systemwechsel. Als konkrete Maßnahme schlug Pantazis einen finanziellen Ausgleich zwischen den Systemen im Zuge einer Pflegereform vor und nannte die Bürgerversicherung als langfristige Antwort.

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Gesetzlich Versicherte warten auf Facharzttermine im Durchschnitt deutlich länger als privat Versicherte — Friedrich Merz nennt das ein Gerechtigkeitsproblem. Eine Kommission soll im Dezember Vorschläge für grundlegende Strukturveränderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung vorlegen. Wer die Debatte einordnen will, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Reformvorschläge und eine Checkliste für schnellere Termine. Kostenlosen Leitfaden zur GKV-Debatte anfordern

Dagegen plädiert Stephan Pilsinger, stellvertretender Vorsitzender des Gesundheitsausschusses seitens der CSU, für die Beibehaltung des bewährten dualen Modells. Janosch Dahmen von den Grünen forderte wiederum, dass Arzttermine primär nach medizinischer Dringlichkeit und nicht nach dem Versicherungsstatus vergeben werden müssten. Zudem verlangte Dahmen einen fairen Lasten- und Risikoausgleich sowie eine solidarisch ausgestaltete Finanzierung.

Vertreter von Verbänden mahnen Klarheit an. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz begrüßte eine mögliche Abkehr vom dualen System, hob jedoch hervor, dass die Versicherten auf konkrete Vorschläge warten. Seitens des GKV-Spitzenverbandes hieß es, eine Abkehr vom bisherigen System sei eine Richtungsentscheidung, die allein auf politischer Ebene getroffen werden müsse.

Vorherige Beschlüsse und anstehende Reformschritte

Der Handlungsdruck auf das System ist hoch. Bereits vor der Sommerpause 2026 beschlossen Bundestag und Bundesrat Reformen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Dieses Sparpaket verfolgt das Ziel, die GKV-Beiträge, die von Arbeitnehmern und Arbeitgebern je zur Hälfte getragen werden, im kommenden Jahr stabil zu halten.

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Die Koalition hatte verabredet, Beschlüsse zur gesetzlichen Krankenversicherung wirkungsgleich auf die private zu übertragen — umgesetzt wurde das bislang nicht. Solange Versicherte auf konkrete Vorschläge warten, hilft ein nüchterner Vergleich: Was leistet die GKV, was die PKV, und wo entstehen Nachteile? Dieser kostenlose Leitfaden stellt die Systeme kompakt gegenüber. GKV-PKV-Vergleich jetzt herunterladen

Für weitergehende Weichenstellungen ist Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann zuständig, der neue strukturelle Reformen vorantreiben soll. Eine eingesetzte Kommission soll im Dezember Vorschläge für grundlegende Strukturveränderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung präsentieren.

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