Krankenhaussektor: 49% aller Kliniken bis 2030 insolvenzgefährdet
23.06.2026 - 18:13:41 | boerse-global.de
Personalmangel und veraltete IT-Systeme verschärfen die Krise.
Patientenandrang als Hauptgrund für Erschöpfung
Ein aktueller Bericht des Softwareunternehmens LeanTaaS zeigt: Für 29 Prozent der Krebszentren ist das hohe Patientenaufkommen der Haupttreiber für Burnout beim Personal. Der allgemeine Personalmangel folgt mit 19 Prozent erst an zweiter Stelle. Dennoch planen rund 65 Prozent der Zentren, ihre Kapazitäten zu erweitern.
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Der Bedarf an technologischen Lösungen ist enorm. 40 Prozent der Befragten sehen Werkzeuge zur Terminplanung und Kapazitätssteuerung als wichtigsten Faktor für künftiges Wachstum. Nur 18 Prozent setzen dagegen auf die Einstellung von zusätzlichem Personal.
Veraltete IT bremst die Behandlung
Ein zentrales Problem: die bestehende IT-Infrastruktur. Rund 92 Prozent der Krebszentren berichten von Einschränkungen durch ihre elektronischen Patientenakten. Die Folge: 44 Prozent der Einrichtungen wünschen sich den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, um die Terminplanung zu optimieren.
Existenzielle Sorgen in deutschen Kliniken
In Deutschland verschärfen politische Rahmenbedingungen die Lage. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) warnte am Montag im Bundestag vor den Folgen geplanter Sparmaßnahmen. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz könnte bis zu 140.000 Arbeitsplätze gefährden – das wäre etwa jeder zehnte Job im Krankenhaussektor.
DKG-Vorstandschef Gerald Gaß rechnet ab 2027 mit Erlösverlusten von acht Prozent für die Kliniken. Eine Studie der Beratungsgesellschaft hcb kommt zu dem Ergebnis: 49 Prozent der Krankenhäuser sind bis 2030 insolvenzgefährdet. Bereits zwischen Juli 2022 und Oktober 2024 gab es bundesweit 61 Klinikinsolvenzen.
Neue Wege: Bündelung von Kompetenzen
Einige Einrichtungen reagieren auf den Druck mit neuen Versorgungsmodellen. Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) eröffnete im Juni eine Onkologische Interdisziplinäre Ambulanz (OIA). Dort werden täglich bis zu 80 Patienten versorgt.
Das Konzept: Therapie, Pflege, psychologische Beratung und Sozialdienste unter einem Dach. Der ärztliche Leiter Philipp Ivanyi betont: Steigende Erkrankungsraten bei gleichzeitigem Fachkräftemangel machen neue Modelle zwingend erforderlich. Nur so lasse sich die Behandlungsqualität halten und das Personal entlasten.
KI und Robotik halten Einzug
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Neben organisatorischen Änderungen gewinnt Technologie an Bedeutung. Forscher der TU Dresden und des EKFZ Dresden beobachten einen zunehmenden Einsatz von Robotik und KI in der Krebsmedizin. Erst im Juni wurde die Forschung zur KI-gestützten Krebschirurgie mit einem Förderpreis ausgezeichnet.
Gleichzeitig fordern Fachgesellschaften mehr Spezialisierung in Randbereichen der Onkologie. Auf einem Kongress der European Society of Cardiology in Wien Mitte Juni stand die Kardio-Onkologie im Fokus. Das Problem: Nur zehn Prozent der Kardiologen erhielten während ihres Studiums eine entsprechende Ausbildung.
Krebstherapien belasten oft das Herz-Kreislauf-System. Aktuelle Meta-Analysen zeigen, dass Herzschutz-Medikamente bei Onkologie-Patienten die Herzfunktion signifikant verbessern können. Der Bedarf an interdisziplinärer Zusammenarbeit wächst – in einem Behandlungsumfeld, das zunehmend komplexer wird.
