Krankenhausbehandlung, Millionen

Krankenhausbehandlung: 3,5 Millionen Fälle wären ambulant möglich

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 04:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Barmer-Bericht zeigt weniger stationäre Fälle mit ambulantem Potenzial, während Hybrid-DRGs und vermeidbare Behandlungen weiter zunehmen.

Krankenhausversorgung: Millionen Fälle könnten ambulant erfolgen
Ein heller, leerer Krankenhausflur mit natürlichem Tageslicht und minimalistischer Architektur. Illustration mit AI erstellt.

Der Barmer-Versorgungskompass 2025 zeigt: Jeder fünfte vollstationäre Krankenhausfall in Deutschland – knapp 3,5 Millionen Behandlungen – wäre grundsätzlich auch ambulant behandelbar gewesen. Zum Vergleich: 2019 lag dieser Anteil noch bei 24 Prozent beziehungsweise gut 4,5 Millionen Fällen.

Der Rückgang deutet darauf hin, dass sich die Versorgungsstrukturen bereits leicht in Richtung ambulanter Behandlung verschoben haben, das Potenzial für weitere Verlagerungen aber unverändert groß bleibt.

Regionale Unterschiede fallen deutlich aus

Das Ambulantisierungspotenzial variiert laut dem Versorgungskompass stark zwischen den Bundesländern. Während Bremen mit 17,8 Prozent den niedrigsten Wert aufweist, liegen Bayern bei 19,2 Prozent und Berlin bei 19,8 Prozent. Am oberen Ende der Skala stehen Nordrhein-Westfalen mit 21,4 Prozent sowie Rheinland-Pfalz mit 21,5 Prozent.

Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt verzeichnen mit jeweils 21,9 Prozent die höchsten Werte. Eine frühere Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hatte das Ambulantisierungspotenzial sogar auf bis zu 60 Prozent beziffert – ein Hinweis darauf, dass Methodik und Definition des Potenzials je nach Studie erheblich voneinander abweichen können.

Vermeidbare Fälle bei chronischen Erkrankungen

Neben den grundsätzlich ambulant behandelbaren Fällen weist der Versorgungskompass für 2025 zusätzlich 4,67 Millionen sogenannte ambulant-sensitive Krankenhausfälle aus, die als vermeidbar eingestuft werden – 2019 waren es rund 5 Millionen.

Zu diesen Fällen zählen unter anderem Diabetes, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Asthma, Zahnentzündungen und Harnwegsinfekte. Die Barmer kritisiert auf Basis dieser Zahlen unnötige Krankenhausbehandlungen, die bei besserer ambulanter Versorgung – etwa durch konsequentere hausärztliche Betreuung chronisch Kranker – vermeidbar wären.

Hybrid-DRG-Fälle steigen deutlich an

Ein Instrument zur Verlagerung stationärer Leistungen in den ambulanten Bereich sind sogenannte Hybrid-DRGs. Eine WIdO-Analyse zeigt, dass die Fallzahlen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent gestiegen sind, während die inflationsbereinigten GKV-Ausgaben um 14 Prozent zunahmen – das entspricht rund 360 Millionen Euro Mehrausgaben im Jahr 2025. Besonders stark wuchsen die Fallzahlen bei Vertragsärzten: Sie verzeichneten rund 363.000 Hybrid-DRG-Fälle gegenüber rund 219.000 im Jahr 2024, ein Plus von 65 Prozent.

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Der Barmer-Versorgungskompass 2025 weist knapp 3,5 Millionen vollstationäre Fälle aus, die grundsätzlich ambulant behandelbar gewesen wären — Tendenz rückläufig, das Verlagerungspotenzial aber weiterhin groß. Wer als Klinikmanager oder Kassen-Entscheider die eigenen vermeidbaren Fälle senken will, braucht belastbare Zahlen statt Schätzungen. Kostenlosen Report zur Ambulantisierung anfordern

Krankenhäuser kamen im gleichen Zeitraum auf rund 986.000 Fälle nach rund 932.000 im Vorjahr, ein Anstieg von 6 Prozent. Für das erste Quartal 2026 registrierte das WIdO ein Mengenwachstum von 5 Prozent und einen Ausgabenanstieg von 7 Prozent, was 160 Millionen Euro entspricht. Für das Gesamtjahr 2026 werden demnach rund 640 Millionen Euro erwartet. Das WIdO schätzt das gesamte Ambulantisierungspotenzial auf 60 Prozent, was rund 8 Millionen GKV-Fällen entspräche.

Notaufnahmen als weiteres Handlungsfeld

Auch bei der Entlastung von Notaufnahmen zeigt sich Potenzial für ambulante Versorgung. Eine Analyse des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi) untersuchte sieben regionale Modellprojekte mit über 2.000 Patienten.

Demnach konnten zwischen 85,7 und 96,2 Prozent der aus Notaufnahmen weitergeleiteten Patienten in Kooperationspraxen abschließend behandelt werden, ohne dass die Patientensicherheit gefährdet wurde.

Als Voraussetzungen für eine erfolgreiche Entlastung der Notaufnahmen nennt die Zi-Analyse verbindliche Zuständigkeiten, feste Dispositionskorridore, eine bestätigte Übernahme der Patienten sowie eine digitale Fallübergabe. Zudem wird eine extrabudgetäre Vergütung für diese Leistungen gefordert.

Einordnung

Die verschiedenen Datenquellen zeichnen ein konsistentes Bild: Ein erheblicher Teil stationärer Krankenhausbehandlungen ließe sich unter geeigneten Rahmenbedingungen ambulant erbringen.

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Die WIdO-Analyse zeigt: Hybrid-DRG-Fallzahlen stiegen 2025 um 17 Prozent, die inflationsbereinigten GKV-Ausgaben um 14 Prozent — rund 360 Millionen Euro Mehrausgaben. Für 2026 werden bereits rund 640 Millionen Euro erwartet. Wer die Abrechnung beherrscht, steuert Kosten und Erlöse zugleich. Leitfaden Hybrid-DRG jetzt sichern

Die Bandbreite der Schätzungen – von rund 20 Prozent im Barmer-Versorgungskompass bis zu 60 Prozent in der WIdO-Analyse – verdeutlicht jedoch, wie unterschiedlich das Potenzial je nach Berechnungsgrundlage ausfällt.

Die steigenden Fallzahlen bei Hybrid-DRGs zeigen zumindest, dass sich die Verlagerung in Richtung ambulanter Versorgung in der Praxis bereits vollzieht – wenn auch mit spürbaren Mehrausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung.

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