Krankenhaus-Notfälle: 54,5 Prozent der Einsätze treffen Normalstationen
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAkute Notfälle im Krankenhaus treten überwiegend dort auf, wo die apparative Überwachung am geringsten ist. Der Jahresbericht „Innerklinisches Notfallmanagement 2025“ des Deutschen Reanimationsregisters und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) gibt detaillierte Einblicke in die Versorgung kritisch erkrankter Patienten.
Wie aus einem Bericht vom 26.10.2026 hervorgeht, stützt sich die Analyse auf 11.103 Einsätze innerklinischer Notfallteams aus 158 Kliniken. Dabei zeigt sich ein deutlicher Schwerpunkt: 54,5 % aller Notfalleinsätze entfielen auf reguläre Normalstationen.
Differenzierte Erfassung von Reanimationen und Akutfällen
Die ausgewerteten Daten verdeutlichen das breite Aufgabenspektrum der spezialisierten Krankenhausteams. Von den insgesamt 11.103 dokumentierten Einsätzen betrafen 6.135 Fälle Reanimationen. In 4.837 Fällen handelte es sich um akute Notfallsituationen, bei denen keine Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich waren. Diese Einsätze ohne Reanimation wurden im Rahmen der Auswertung erstmals systematisch erfasst.
Die Gesamtdimension innerklinischer Notlagen in Deutschland geht weit über die unmittelbar erfassten Zahlen des Registers hinaus. Nach einer Hochrechnung von Fischer, die im Frühjahr bei den Bad Boller Reanimations- und Notfallgesprächen vorgestellt wurde, ist bundesweit jährlich von etwa 28.000 bis 38.000 unerwarteten innerklinischen Herz-Kreislauf-Stillständen mit Reanimation auszugehen.
Forderung nach standardisierten Frühwarnsystemen
Angesichts der hohen Einsatzdichte auf Normalstationen betonen das Deutsche Reanimationsregister und die DGAI die Notwendigkeit präventiver Strukturen. Viele Notfälle kündigen sich durch eine schleichende Verschlechterung der Vitalparameter an, die ohne engmaschiges Monitoring jedoch zu spät bemerkt werden kann.
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Fachleute fordern daher die Einführung verbindlicher, standardisierter Frühwarnsysteme. Als Beispiel werden sogenannte Early Warning Scores wie NEWS2 genannt. Mit solchen Instrumenten können Pflegekräfte und medizinisches Personal kritische Trends anhand routinemäßig erhobener Werte frühzeitig erkennen.
Neben den Bewertungsskalen verlangen das Reanimationsregister und die Fachgesellschaft zudem vereinfachte Alarmierungswege im Klinikalltag sowie den flächendeckenden Einsatz qualifizierter Notfallteams, um Schwellen für das Hinzuziehen von Unterstützung zu senken.
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Implementierung und praktische Umsetzung
Zur strukturellen Verbesserung der innerklinischen Notfallversorgung laufen bereits konkrete Initiativen. So hat die Resuscitation Academy Deutschland im Jahr 2026 ein entsprechendes Programm begonnen, an dem zwölf Krankenhäuser teilnehmen.
Im Fokus stehen Maßnahmen zur Schulung des Personals sowie zur Optimierung organisatorischer Abläufe, um Patientinnen und Patienten bei einer klinischen Zustandsverschlechterung rechtzeitig zu stabilisieren, bevor es zum Kreislaufstillstand kommt.
