Krankenhäuser in Deutschland: 80 Prozent der 1.800 Häuser schreiben Verluste
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die finanzielle Lage der Kreiskliniken im Landkreis Donau-Ries (gKU) hat sich entgegen ursprünglicher Planungen massiv verschlechtert. Wie aus Berichten von Ende September 2026 hervorgeht, machen gesetzliche Regelungen auf Bundesebene, insbesondere das Beitragsstabilisierungsgesetz der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), dem kommunalen Unternehmen zu schaffen.
Der Vorstand des gKU, Kathrin Woratsch, erläuterte die Situation im Kreisausschuss Donauwörth und verwies auf eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem Wirtschaftsplan und der aktuellen Prognose.
Finanzielle Verschlechterung bei den Kreiskliniken Donau-Ries
Ursprünglich sah der Wirtschaftsplan der Kreiskliniken für das Jahr 2026 ein Plus von rund 850.000 Euro vor. Infolge der Kürzungen bei den Kassenzahlungen wird nun jedoch ein Defizit von gut 1,3 Millionen Euro erwartet. Laut der gKU-Vorstandsvorsitzenden wäre ohne diese bundesgesetzlichen Eingriffe ein Überschuss von über 1 Million Euro möglich gewesen.
Ein wesentlicher Faktor für diese Entwicklung sei die Halbierung der Zuwendungen für Tarifsteigerungen. Zudem verzeichnet das gKU strukturelle Veränderungen in der Patientenversorgung: Während die Zahl der stationären Fälle um 400 sank, stieg die Zahl der Hybridbehandlungen auf 800 an. Trotz der angespannten Finanzlage sieht Woratsch die Kliniken durch die geplante Krankenhausreform derzeit nicht in ihrer Existenz gefährdet.
Überregionaler Kostendruck und gegensätzliche Finanzprognosen
Die Situation im Landkreis Donau-Ries spiegelt einen bundesweiten Trend wider. Schätzungen zufolge schreiben derzeit rund 80 Prozent der etwa 1.800 deutschen Krankenhäuser Verluste. In einigen Regionen führt dieser Druck bereits zu Standortschließungen, wie etwa in Oelde, wo das einzige Klinikum zum Jahresende den Betrieb einstellt.
Die Krankenhausgesellschaft Bremen rechnet für die 13 Kliniken im Land Bremen durch das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz mit einer zusätzlichen Belastung von mindestens 263,1 Millionen Euro im Zeitraum von 2027 bis 2030. Die Geschäftsführerin Judith Borsch verwies darauf, dass Tariferhöhungen künftig nur noch zur Hälfte von den Kassen übernommen würden.
Demgegenüber steht die Einschätzung des AOK-Bundesverbandes. Die Vorsitzende Carola Reimann kritisierte Forderungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) nach weniger Regulierung.
Rund 80 Prozent der etwa 1.800 deutschen Krankenhäuser schreiben Verluste, und halbierte Tarifzuschüsse lassen selbst geplante Überschüsse zu Defiziten werden. Wer seinen Wirtschaftsplan belastbar aufstellen will, braucht eine klare Finanzsteuerung statt Prognose-Hoffnung. Kostenlosen Klinik-Finanzreport anfordern
Laut Berechnungen des Verbandes könne der Kliniksektor im kommenden Jahr mit einem Finanzplus von mehr als acht Milliarden Euro gegenüber dem laufenden Jahr rechnen. Zudem erhielten die Kliniken durch Nachbesserungen am GKV-Spargesetz bereits zusätzliche 550 Millionen Euro.
Strukturelle Neuausrichtungen und juristische Auseinandersetzungen
Um den wirtschaftlichen und regulatorischen Anforderungen zu begegnen, nehmen erste Häuser umfassende Umstrukturierungen vor. Das Evangelische Krankenhaus Luckau richtet laut Planungen zum 1. Januar 2027 seine Intensivversorgung neu aus. Dabei entfallen die längerfristige invasive Beatmung und das Weaning am Standort, während die Plätze für die Intermediate-Care-Station (IMC) von vier auf sieben aufgestockt werden. Grund für diesen Schritt seien die Strukturvorgaben der Krankenhausreform, die eine Zentralisierung komplexer Behandlungen vorsehen.
Parallel dazu beschäftigen die neuen Planungsvorgaben die Justiz. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf entschied in Urteilen vom 10. September 2026 über die Zuweisung sogenannter Leistungsgruppen.
Während das Gericht die Nichtzuweisung einer Stroke Unit in Krefeld als rechtmäßig bestätigte, wurde im Fall des Marienhospitals Wesel die Nichtzuweisung für Knieendoprothetik-Revisionen als rechtswidrig eingestuft. Das Land Nordrhein-Westfalen muss hier aufgrund von Ermessensfehlern neu entscheiden.
Forderungen nach einer stabilen Investitionsfinanzierung
Angesichts der Transformation des Sektors fordern Industrieverbände wie der BVMed und der ZVEI eine verlässliche Investitionsfinanzierung. In einem gemeinsamen Positionspapier weisen sie darauf hin, dass im Jahr 2023 rund 41 Prozent des notwendigen Investitionsbedarfs der Kliniken ungedeckt blieben, was einer Lücke von 2,64 Milliarden Euro entspreche.
Die Zuweisung von Leistungsgruppen wird zunehmend gerichtlich geprüft — mit unterschiedlichem Ausgang für die betroffenen Häuser. Ein strukturiertes Reform-Audit zeigt, wo Ihr Standort Versorgungsauftrag und Investitionsbedarf belegen kann, bevor die Planung Fakten schafft. Reform-Audit-Leitfaden jetzt sichern
Die Verbände mahnen an, dass die Vorhaltevergütung der aktuellen Krankenhausreform bislang nur die Betriebskosten abdecke, nicht aber notwendige Investitionen in Medizintechnik und digitale Infrastruktur. Sie fordern daher eine Kopplung der Finanzierung an den tatsächlichen Bedarf über die gesamte Nutzungsdauer der Geräte und Anlagen.
