Kräutermittel, Undeklarierte

Kräutermittel: Undeklarierte Kortikosteroide lösen Nebennierenausfall aus

18.06.2026 - 12:32:06 | boerse-global.de

Fallberichte belegen Gefahren durch undeklarierte Kortikosteroide in Kräutermitteln und Überdosierung von Nasensprays.

Gesundheitsrisiken bei Kräutern: Warnungen vor versteckten Wirkstoffen
Kräutermittel - Nahaufnahme von unbeschrifteten Behältern mit traditionellen Kräuterheilmitteln und losen Pulvern, die sich auf einer dunklen Oberfläche verteilen. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Aktuelle Fallberichte aus dem Juni 2026 zeigen: Nicht deklarierte synthetische Wirkstoffe und Überdosierungen können schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben.

Undeklarierte Kortikosteroide in Kräuterpulvern

Ein besonders heikles Risiko: Kräuterheilmittel, die als „Allheilmittel“ beworben werden, enthalten oft illegal beigemischte Kortikosteroide. Ein aktueller Fall sorgt für Aufsehen. Eine 70-jährige Patientin erlitt nach der Einnahme unbeschrifteter Kräuterpulver eine akute Nebennierenrindeninsuffizienz. Mediziner des Endokrinologischen Krankenhauses Nghe An bestätigten den Zusammenhang.

Dr. Le Thi Thuy warnt vor den Langzeitschäden. Bei einer Anwendung über drei bis sechs Monate drohe eine Atrophie der Nebennieren. Zudem steige das Risiko für Diabetes, Bluthochdruck und Osteoporose. Das Kernproblem: Viele Produkte werden ohne Inhaltsstoff-Deklaration vertrieben. Eine fundierte Risikoabwägung ist für Verbraucher unmöglich.

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Herzstillstand nach Nasenspray-Überdosis

Auch legale, apothekenpflichtige Mittel können bei falscher Anwendung gefährlich werden. Das European Heart Journal veröffentlichte im Juni 2026 einen alarmierenden Fall: Ein 27-jähriger Mann erlitt einen Koronarspasmus mit anschließendem Herzstillstand. Ursache war eine massive Überdosierung eines Oxymetazolin-haltigen Nasensprays. Innerhalb von zwei Stunden applizierte er rund 500 Mikrogramm des Wirkstoffs.

Die Autoren warnen vor systemischer Toxizität. Gefäßverengende Mittel dürften die empfohlene Dosierung nicht überschreiten. Ähnliche Warnungen betreffen Nahrungsergänzungsmittel. Hochdosierte Protein-Diäten mit bis zu 2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht können bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung zu Nierenversagen führen. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) rät zu moderaten 0,8 Gramm pro Kilogramm.

Pfefferminzöl senkt Blutdruck – kontrolliert angewendet

Trotz der Risiken zeigen wissenschaftliche Untersuchungen auch Potenziale. Eine Studie der University of Lancashire vom 16. Juni 2026 untersuchte Pfefferminzöl. Bei täglicher Einnahme von 100 Mikrolitern sank der systolische Blutdruck innerhalb von 20 Tagen von 130 auf knapp 122 mmHg. Als wirksamer Bestandteil gilt das enthaltene Menthol.

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Streit um Homöopathie und Kassenleistungen

Parallel dazu verschärft sich die politische Debatte. Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte (DZVhÄ) wandte sich am 17. Juni 2026 in einem offenen Brief gegen Pläne des Bundesministeriums für Gesundheit. Dieses will homöopathische Leistungen aus dem GKV-Katalog streichen. Das Ministerium führt fehlende wissenschaftliche Evidenz an. Die Mediziner warnen vor gesellschaftlichem und ökonomischem Schaden.

Die Diskussion findet vor dem Hintergrund steigender Kosten statt. Die Arzneimittelausgaben in Deutschland erreichten 2025 ein Volumen von 58,5 Milliarden Euro – ein Plus von fünf Prozent. Kritiker bemängeln, dass gesetzliche Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV-Beiträge die Pharmaindustrie zu wenig belasten.

Streit um Pestizidbelastung in Kräutern

Auch die Bewertung konventioneller Kräuterprodukte sorgt für Kontroversen. Der Fachverband der Gewürzindustrie wies Mitte Juni 2026 die Ergebnisse einer Untersuchung zu Kräutern der Provence zurück. Ein vom Verband beauftragtes Gutachten der RDA Scientific Consultants stellt klar: Die untersuchten Produkte hielten die EU-Rückstandshöchstmengen ein. Begriffe wie „Pestizidcocktail“ seien wissenschaftlich nicht fundiert. Der Verband fordert eine differenziertere Bewertung – zwischen theoretischer Gefahr und tatsächlichem Risiko.

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