Koronarkalk: Ereignisrisiko steigt bei CAC-Werten ab 300 auf 14,3 Prozent
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der kardiologischen Vorsorge fordern Mediziner neue Standards für die frühzeitige Erfassung der stillen Atherosklerose. Da Gefäßveränderungen über Jahre hinweg ohne spürbare Symptome fortschreiten können, gewinnt die gezielte Diagnostik an Bedeutung.
Als ein zentrales Instrument zur präziseren Risikobewertung gilt der Kalzium-Score der Koronararterien (CAC), der insbesondere bei Personen mit einem sogenannten Grenzrisiko zum Einsatz kommen soll.
MESA-Studie belegt Nutzen bei intermediärem Risiko
Wissenschaftliche Grundlagen für diesen Ansatz liefert unter anderem die MESA-Studie, die 6.098 Erwachsene im Alter von 45 bis 79 Jahren untersuchte. Die Erhebung belegt, dass der CAC-Score die Risikoprognose für kardiovaskuläre Ereignisse über einen Zeitraum von 10 Jahren signifikant verbessert. Dies gilt speziell für Patientengruppen, deren Zehnjahresrisiko nach gängigen Modellen wie dem PREVENT-Rechner in einem Grenzbereich zwischen 3 und 10 % liegt.
Die Daten der MESA-Studie zeigen eine deutliche Abstufung der 10-Jahres-Ereignisraten in Abhängigkeit von den gemessenen Werten:
- Bei einem CAC-Score von 0 lag die Ereignisrate bei 1,9 %.
- Ein Score von 1 bis 99 ging mit einer Rate von 3,9 % einher.
- Bei Werten von 100 bis 299 stieg die Rate auf 7,4 %.
- Werte von mindestens 300 führten zu einer Ereignisrate von 14,3 %.
Aufgrund dieser Verteilung befürworten Experten ein selektives Screening für Personen im intermediären Risikobereich, sprechen sich jedoch gegen ein ungerichtetes Massenscreening in der breiten Bevölkerung aus.
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Aussagekraft und methodische Grenzen der Agatston-Skala
Der CAC-Score erfasst verkalkte Plaques in den Herzkranzgefäßen mittels Computertomographie und wird über die Agatston-Skala abgebildet. Fachleute weisen jedoch auf die Grenzen des Verfahrens hin: Die Untersuchung quantifiziert zwar das Vorhandensein von Kalk, gibt jedoch keinen Aufschluss über den tatsächlichen Grad einer Gefäßverengung des Lumens oder über die Stabilität der vorliegenden Plaques.
Zudem bedeutet ein CAC-Score von 0 nicht, dass keine kardiovaskuläre Gefährdung vorliegt. Kardiologische Einschätzungen unterstreichen, dass ein unauffälliger Score andere relevante Faktoren wie Bluthochdruck, Rauchen oder Diabetes nicht ausschließt.
Mediziner betonen daher, dass das Verfahren stets als Baustein eines umfassenden Risikoprofils verstanden werden muss, das ergänzend auch Lipidwerte, Entzündungsmarker sowie funktionelle Tests berücksichtigt.
Epidemiologische Befunde und neue Untersuchungsansätze
Dass Gefäßveränderungen bereits in jungen Jahren einsetzen können, unterstreicht eine Untersuchung an 16.808 Personen im Alter von 18 bis 70 Jahren. In der jüngsten Kohorte der 18- bis 29-Jährigen lag die Prävalenz der stillen Atherosklerose bereits bei 8,7 % bei Männern und bei 6,7 % bei Frauen.
Die Häufigkeit korreliert stark mit dem Lebensalter und erreicht in der Gruppe der 60- bis 70-Jährigen einen Anteil von 90 %. Zudem zeigen die Auswertungen geschlechtsspezifische Unterschiede: Männer entwickeln vaskuläre Kalzifikationen im Durchschnitt 5 bis 10 Jahre früher als Frauen.
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Vor diesem Hintergrund suchen Mediziner nach weiteren praxisnahen Diagnosemethoden. Dr. Henning Bundgaard und Dr. Borja Ibáñez schlagen vor, künftig tragbare Ultraschallgeräte als neuen Standard für die Früherkennung einzusetzen, um eine breitere und zugleich unkomplizierte Gefäßbeurteilung zu ermöglichen.
