Koronare, Herzkrankheit

Koronare Herzkrankheit: RKI belegt höchste Krankheitslast in Deutschland

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 02:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

RKI-Auswertungen zeigen die KHK als führende Ursache verlorener Lebensjahre; zugleich nehmen Belastungen durch Angststörungen und Stürze zu.

RKI-Daten: KHK verursacht Deutschlands größte Krankheitslast
Eine herbstliche Parklandschaft mit kahlen Bäumen und weichem Tageslicht, die die Vergänglichkeit symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Die koronare Herzkrankheit (KHK) bleibt in Deutschland die führende Ursache für vorzeitige Sterblichkeit. Wie aus Erhebungen des Robert Koch-Instituts (RKI) zur Krankheitslast hervorgeht, verursacht die KHK hierzulande die meisten verlorenen Lebensjahre. Erst dahinter folgen Lungenkrebs, Schlaganfall, die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) sowie Alzheimer und andere Demenzerkrankungen.

Verlorene und beeinträchtigte Lebensjahre im Vergleich

Das RKI differenziert in seinen Auswertungen zwischen vorzeitigem Tod und gesundheitlichen Einschränkungen im Alltag. Während bei den verlorenen Lebensjahren (Years of Life Lost, YLL) kardiovaskuläre und onkologische Leiden dominieren, ergibt sich bei den durch Krankheit eingeschränkten Lebensjahren (Years Lived with Disability, YLD) ein anderes Bild: Hier führen Rückenschmerzen das Ranking an, gefolgt von Kopfschmerzen, Angststörungen, Diabetes und Depressionen.

Zudem zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Bei Männern führt die KHK die Gesamtrangliste der Krankheitslast vor Rückenschmerzen und Lungenkrebs an. Bei Frauen stehen dagegen Rückenschmerzen an erster Stelle, gefolgt von der KHK und Kopfschmerzen.

In der zeitlichen Entwicklung für den erfassten Zeitraum von 2017 bis 2022 verzeichnete das RKI bei der KHK insgesamt einen Rückgang der Krankheitslast. Demgegenüber nahmen Belastungen durch Angststörungen sowie durch Stürze in diesem Fünfjahreszeitraum zu.

Methodik und Differenzierung der Daten

Die Berechnungen des RKI basieren auf der international etablierten Methodik des Global Burden of Disease. Als zentrale Kennzahlen fungieren dabei YLL für verlorene Lebensjahre durch vorzeitigen Tod, YLD für eingeschränkte Lebensjahre sowie DALY (Disability-Adjusted Life Years), welche die Summe aus beiden Werten abbildet.

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Die Ergebnisse stehen über ein Recherchetool auf der Plattform daly.rki.de zur Verfügung und sind nach Alter, Geschlecht, Bundesländern und teilweise Regionen aufgeschlüsselt.

Neben den erstmals ausgewiesenen Trends für die Jahre 2017 bis 2022 wurden auch Krankheitslasten für Asthma, Arthrose und Parkinson neu berechnet. RKI-Präsident Lars Schaade bezeichnete das Datenmaterial als wesentliche Grundlage für gezielte Prävention, Versorgungsplanung und gesundheitspolitische Weichenstellungen.

Risikofaktor Hypertonie und betriebliche Prävention

Als wesentlicher Treiber für kardiovaskuläre Erkrankungen wie die KHK gilt Bluthochdruck. Laut dem Gesundheitsatlas Deutschland sind 20 bis 40 Prozent der 20- bis 64-Jährigen davon betroffen.

Mit zunehmendem Alter steigt der Anteil deutlich an: Nach Angaben aus dem Stiftungskrankenhaus Nördlingen liegt die Quote bei den 40- bis 49-Jährigen bei 20 bis 25 Prozent, erreicht bei den 60- bis 70-Jährigen bereits 60 bis 61 Prozent und liegt bei den über 70-Jährigen bei 75 Prozent.

Die AOK Donau-Ries stuft Hypertonie daher als stille Volkskrankheit ein. Regelmäßige Messungen werden ab dem 35. Lebensjahr empfohlen; als optimal gelten Werte von 120 bis 129 zu 70 bis 79 mmHg.

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Nach Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie gelten systolische Werte über 129 mmHg und diastolische Werte über 75 mmHg als behandlungsbedürftig. Ein manifester Bluthochdruck liegt ab 140 zu 90 mmHg vor, während Praxiswerte an zwei Tagen oder Heimmessungen an sieben Tagen ab 135 zu 85 mmHg herangezogen werden.

Um der Unterdiagnostizierung entgegenzuwirken, verstärken Fachgesellschaften ihre Initiativen. Die Deutsche Hochdruckliga baute ihr Informationsangebot auf Blutdruckmanager.de um Schulungsmaterialien für Betriebsärzte und das Betriebliche Gesundheitsmanagement aus.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden über 55.000 Materialien von mehr als 150 Betrieben abgerufen, was einem Anstieg von 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Zudem setzen Initiativen wie die Kampagne Herzenssache Lebenszeit mit mobilen Einheiten wie dem Herzbus von Boehringer auf Vor-Ort-Screenings, bei denen unter anderem am Klinikum Hochrhein Blutdruck- und Blutzuckermessungen für Bürger angeboten wurden.

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de | wissenschaft | 70101896 |