Koronararterien: Neuer Katheter erfasst 80 Millimeter in nur 2 Sekunden
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 14:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie präzise Beurteilung von Gefäßablagerungen in den Herzkranzgefäßen steht im Fokus kardiologischer Forschung. An der University of California, Davis (NCIBT) wurde die erste Erprobung eines neuartigen Dual-Imaging-Katheters am Menschen abgeschlossen.
Das System führt zwei bildgebende Verfahren zusammen: die Fluoreszenz-Lebenszeit-Bildgebung (Fluorescence Lifetime Imaging, FLIm) und die polarisationssensitive optische Kohärenztomografie (PS-OCT). Durch diese Kombination lassen sich die biochemische Zusammensetzung und die Mikrostruktur von Plaques zeitgleich in Echtzeit erfassen.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte die Untersuchung im Rahmen einer Genehmigung als Prüfgerät für zehn Patienten zugelassen. Laut einem Bericht vom 20. Oktober 2026 wurde die Untersuchung des zehnten Patienten im August 2026 abgeschlossen.
Gleichzeitige Analyse von Gewebestruktur und Biochemie
Bisherige Katheterverfahren im Gefäßinneren erfassen in der Regel entweder morphologische Strukturen oder biochemische Signaturen separat. Der an der UC Davis entwickelte Ansatz kombiniert beide Dimensionen in einem einzigen Arbeitsgang: Ein einzelner Rückzug des Katheters reicht aus, um Strukturdaten und biochemische Merkmale zu erfassen. Wie am 21. Oktober 2026 berichtet wurde, kann das System ein 80 Millimeter langes Segment einer Koronararterie in rund 2 Sekunden aufnehmen.
Das Instrument zielt darauf ab, Gefäßveränderungen bereits vor dem Auftreten einer relevanten Stenose nachzuweisen. Ein zentrales Einsatzgebiet ist die Identifikation instabiler Plaques, die ein hohes Risiko für akute kardiovaskuläre Ereignisse bergen, sowie die Unterstützung bei der Platzierung und Dimensionierung von Stents. Nach dem Abschluss der ersten Testreihe an zehn Personen planen die Forscher der UC Davis als nächsten Schritt eine größere Folgestudie.
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Stellenwert der intravaskulären Bildgebung bei Interventionen
Die Weiterentwicklung intravaskulärer Katheter trifft auf einen wachsenden klinischen Bedarf. Auf dem GISE-Kongress im Oktober 2026 in Mailand hob GISE-Präsident Alfredo Marchese hervor, dass kalzifizierte Koronarläsionen rund 20 bis 30 Prozent der Patienten betreffen, die sich einer perkutanen Koronarintervention (PCI) unterziehen.
Trotz des Nutzens wird intravaskuläre Bildgebung im klinischen Alltag bislang selektiv genutzt: In Italien kam sie im vergangenen Jahr bei 14 Prozent der Angioplastien zum Einsatz, was 22.592 von insgesamt 160.400 Eingriffen entspricht.
Den Hauptanteil machte der intravaskuläre Ultraschall (IVUS) mit 18.205 Eingriffen aus (ein Zuwachs von 14,1 Prozent), während auf die optische Kohärenztomografie (OCT) 4.387 Anwendungen entfielen (plus 9,5 Prozent).
Laut einer Veröffentlichung in der Fachzeitschrift The Lancet senkt eine durch intravaskuläre Bildgebung gesteuerte PCI das Risiko für Prozedurversagen oder Langzeitkomplikationen im Vergleich zu einer rein angiographiegestützten Behandlung um etwa 29 Prozent.
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Nicht-invasive Verfahren und Gewebecharakterisierung
Ergänzend zu intrakoronaren Kathetern entwickeln sich Methoden zur differenzierten Plaque-Analyse auch im Bereich der nicht-invasiven Diagnostik weiter.
Jonathon Leipsic von der University of British Columbia wies darauf hin, dass moderne KI-Modelle in der Lage sind, die gesamte Plaque-Last reproduzierbar zu quantifizieren und zwischen kalzifizierten sowie nicht-kalzifizierten Läsionen zu unterscheiden.
Neue Daten zu diesem Ansatz werden auf der Konferenz TCT 2026 erwartet, die vom 31. Oktober bis zum 3. November 2026 in San Diego stattfindet. Parallel soll der Einsatz der Photon-Counting-Computertomografie dazu beitragen, die räumliche Auflösung und die Gewebecharakterisierung an den Gefäßwänden weiter zu verbessern.
