Kopfballbelastung, Blut-Biomarker

Kopfballbelastung: Blut-Biomarker steigen bei 299 Amateurspielern an

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 23:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bildgebende Befunde und häufigere psychische Symptome stehen unauffälligen Gedächtnistests gegenüber; ein ursächlicher Zusammenhang ist nicht belegt.

Ehemalige Profifußballer: Studie zeigt Hirnveränderungen und psychische Beschwerden
Ein leeres Fußballfeld in einem Stadion in der Dämmerung, das die Stille und Atmosphäre des leeren Spielfelds unterstreicht. Illustration mit AI erstellt.

Wiederholte Erschütterungen des Kopfes im Fußballsport stehen seit Jahren im Fokus der neurologischen Forschung. Eine im Juli 2026 auf der Alzheimer’s Association International Conference (AAIC) in London vorgestellte Untersuchung des Imperial College London und des UK Dementia Research Institute liefert differenzierte Einblicke in den Zustand ehemaliger Profisportler. Die Ergebnisse verdeutlichen sowohl strukturelle und emotionale Auffälligkeiten als auch die methodischen Grenzen aktueller Beobachtungen.

Strukturelle Auffälligkeiten und psychische Belastungen

Die von Caleigh Grace Lynch am 12. Juli 2026 präsentierte Studie untersuchte 142 ehemalige Spitzenfußballer aus dem Vereinigten Königreich im Alter zwischen 30 und 60 Jahren mit einem Medianalter von 44 Jahren. Die Kohorte umfasste 126 Männer mit mindestens dreijähriger Vollzeit-Profierfahrung in England sowie 16 Frauen aus den beiden höchsten britischen Spielklassen.

Als Vergleichsgruppe dienten 56 gesunde Kontrollpersonen, die weder Kontaktsport betrieben noch Militärdienst geleistet hatten und frei von Gehirnerschütterungen, wiederholten Kopfstößen oder neurologischen Vorerkrankungen waren.

In bildgebenden Verfahren wiesen die ehemaligen Profis geringere Volumina an grauer Substanz in Hirnregionen auf, die für Gedächtnis, Entscheidungsfindung, Aufmerksamkeit und Emotionsregulation zuständig sind. Zudem berichteten die früheren Profis deutlich häufiger über psychische Symptome: 31 Prozent gaben Depressionsbeschwerden an, verglichen mit 9 Prozent in der Kontrollgruppe.

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Laut einer Erhebung von Reuters litten rund 32 Prozent an klinisch signifikanter Depression. Angstsymptome wurden von 42 Prozent der Ex-Profis genannt, während es in der Kontrollgruppe 25 Prozent waren. Darüber hinaus schilderten die ehemaligen Aktiven subjektive Probleme beim Denken und Entscheiden sowie Beeinträchtigungen bei Planungs- und Alltagsfunktionen.

Diskrepanz zu objektiven Leistungstests

Trotz der subjektiv wahrgenommenen Einschränkungen und der sichtbaren Unterschiede im Gehirnvolumen erbrachten objektive standardisierte Gedächtnis- und Aufmerksamkeitstests keine signifikanten Unterschiede zwischen den früheren Profis und der Kontrollgruppe. Im Rahmen der Untersuchung wurden zudem keine Demenzdiagnosen gestellt.

Die Forscher betonten, dass das Studiendesign einen ursächlichen Zusammenhang zwischen dem Fußballspiel und dem späteren Auftreten von Demenzerkrankungen nicht belegen kann. Um langfristige Verläufe zu dokumentieren, ist für die Teilnehmer der Erhebung eine regelmäßige Nachsorge im Abstand von zwei Jahren vorgesehen.

Die Alzheimer's Association hatte die Resultate begleitend zur Konferenz veröffentlicht, die vom 12. bis zum 15. Juli 2026 in London sowie online stattfand.

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Akute Biomarker-Reaktionen bei Amateuren

Ergänzende Befunde lieferte eine Untersuchung des Amsterdam UMC, die in JAMA Neurology erschien und ebenfalls im Kontext der Fachkonferenz thematisiert wurde. Bei rund 299 Amateurspielern zeigte sich, dass die Werte der Biomarker S100B und p-tau217 im Blut unmittelbar nach Kopfbällen anstiegen.

Dieser Anstieg verstärkte sich mit jedem weiteren Kopfstoß. Eine höhere Kopfballbelastung über die gesamte Lebenszeit sowie längere aktive Karrieren waren mit einer verstärkten Anreicherung von Tau-Proteinen und einem höheren Risiko für die chronisch-traumatische Enzephalopathie (CTE) verbunden.

Auch bei diesen Erhebungen handelt es sich um Beobachtungsdaten, die keinen kausalen Nachweis liefern. Typische ältere Erwachsene, pflegende Angehörige sowie Kinder wurden in dieser Erhebung nicht untersucht. Die Ergebnisse unterstreichen damit den Bedarf an fortlaufender, differenzierter Verlaufsbeobachtung im Spitzen- wie im Breitensport.

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