Konservierungsstoffe: Sorbate erhöhen Bluthochdruck-Risiko um 39%
02.06.2026 - 07:01:15 | boerse-global.deDie im European Heart Journal veröffentlichte Untersuchung wertete Daten von über 112.000 Teilnehmern aus. Fast alle Probanden nahmen regelmäßig Konservierungsstoffe zu sich.
Die Wissenschaftler beobachteten die Probanden durchschnittlich acht Jahre lang. Ihr Ergebnis: Acht der 17 untersuchten Substanzen stehen im Verdacht, Bluthochdruck zu begünstigen.
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Zahlen, die aufhorchen lassen
Bei bestimmten Konservierungsmitteln (ohne Antioxidantien) stieg das Risiko um 29 Prozent. Für Antioxidantien lag der Wert bei 22 Prozent. Besonders krass: Sorbate erhöhten das Risiko um 39 Prozent.
Auch alltägliche Stoffe schnitten schlecht ab. Zitronensäure? Plus 25 Prozent. Ascorbinsäure – besser bekannt als Vitamin C – immerhin 14 Prozent. Und: Wer Ascorbinsäure als Zusatzstoff zu sich nahm, hatte ein um 15 Prozent höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Fachwelt bleibt skeptisch
Doch Vorsicht: Die Ergebnisse sind nicht unumstritten. Ernährungswissenschaftler Stefan Kabisch von der Charité zweifelt an der biologischen Plausibilität. „Dass Vitamin C als Zusatzstoff schädlich sein soll, ist schwer nachvollziehbar", gibt er zu bedenken.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist auf ein methodisches Problem hin: Lässt sich der Effekt einzelner Stoffe überhaupt isoliert betrachten? Oder steckt die allgemeine Zusammensetzung des Lebensmittels dahinter?
Kritiker betonen: Die NutriNet-Santé-Studie ist eine reine Beobachtungsstudie. Sie zeigt Korrelationen – aber keine Kausalität. Einzige Ausnahme: Nitrate in Fleischerzeugnissen. Hier gilt der Zusammenhang zu Krebs als wissenschaftlich belegt.
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Die UPF-Debatte: Mehr Schein als Sein?
Parallel zur Diskussion über einzelne Zusatzstoffe rückt der generelle Verarbeitungsgrad von Lebensmitteln in den Fokus. Die WHO warnt: Drei von fünf Erwachsenen in Europa sind übergewichtig.
Doch das Konzept der „Ultra-Processed Foods" (UPF) ist wissenschaftlich umstritten. Süßgetränke und stark verarbeitetes Fleisch? Gesundheitsbedenklich. Vollkornbrot oder Joghurt? Gelten als gesund – obwohl sie ebenfalls hochverarbeitet sind.
Experten fordern daher: Weg vom pauschalen Verarbeitungsgrad. Hin zur konkreten Nährstoffzusammensetzung. Zucker, Salz, gesättigte Fettsäuren – das sind die wahren Übeltäter.
Junge Menschen im Visier
Die Relevanz des Themas unterstreicht eine weitere Studie. Das Fachmagazin BMJ Oncology veröffentlichte im Juni eine Analyse der Jahre 2001 bis 2019. Ergebnis: Krebserkrankungen bei 20- bis 49-Jährigen in England nehmen zu. Klassische Risikofaktoren wie Rauchen oder Alkohol waren in dieser Gruppe jedoch rückläufig.
Die Vermutung der Forscher: Neue Einflussfaktoren wie Umweltgifte und der hohe Konsum hochverarbeiteter Produkte könnten eine Rolle spielen.
Politik gefordert
Der Sachverständigenrat der Wirtschaftsweisen zieht Konsequenzen. In seinem Frühjahrsgutachten Ende Mai empfahl das Gremium eine aktivere Ernährungspolitik. Konkret: Lenkungssteuern auf stark zuckerhaltige Lebensmittel und Alkohol sowie strengere Werbebeschränkungen.
Reine Informationsangebote? Reichen nicht aus, so die Experten. Um den steigenden Gesundheitskosten und dem demografischen Wandel zu begegnen, brauche es harte Maßnahmen.
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