Kommunen-Krise, Rekorddefizit

Kommunen-Krise: Rekorddefizit von 29,7 Milliarden Euro 2026

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 11:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Deutsche Städte und Gemeinden steuern auf ein Rekorddefizit zu. Einzelne Kommunen trotzen dem Trend, während die Mehrheit zu drastischen Sparmaßnahmen greift.

Kommunale Finanzkrise: Rekorddefizit von 29,7 Milliarden Euro erwartet
Eine Hand legt Münzen auf ein Finanzbuch, im Hintergrund verschwommene deutsche Stadtgebäude. Symbolisiert kommunale Finanzen und Gewerbesteuer. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während einzelne Kommunen von unerwartet hohen Gewerbesteuereinnahmen profitieren, rechnen die Spitzenverbände für 2026 mit einem Rekorddefizit von 29,7 Milliarden Euro.

Regionale Lichtblicke im Krisensommer

Einige Städte trotzen dem Negativtrend. In Radevormwald übertrafen die Gewerbesteuereinnahmen bereits im zweiten Quartal die Prognose von 17,5 Millionen Euro – bis Juli verbuchte die Stadt 19,3 Millionen Euro. Auch bei der Einkommensteuer zeichnen sich dort positive Überraschungen ab.

Ähnlich stabil präsentiert sich Bad Rippoldsau-Schapbach. Die Gemeinde meldete im Juli massive Gewerbesteuerzuflüsse, die den Haushalt spürbar stärken.

Doch das sind Ausnahmen. Die breite Masse der Kommunen kämpft mit massiven Problemen. In Baden-Württemberg verzeichneten zahlreiche Städte 2025 Rekordschulden. Rund 90 Prozent der Kommunen im Südwesten haben keinen ausgeglichenen Haushalt mehr.

Düstere Prognosen für die nächsten Jahre

Die kommunalen Spitzenverbände schlagen Alarm. Für 2026 erwarten sie bundesweit ein Defizit von 29,7 Milliarden Euro. Und die Aussichten für die Folgejahre sind kaum besser: 29,6 Milliarden für 2027, 28,9 Milliarden für 2028.

Besonders das Jahr 2027 gilt als potenzielles Krisenjahr. Die Krankenhausreform und steigende Ausgaben für Schulen und Sozialhilfe treiben die Kosten in die Höhe. Viele Rücklagen sind bereits aufgebraucht.

In Baden-Württemberg scheiterten Finanzverhandlungen zwischen Land und Kommunen im Juli. Die Forderung der Städte nach einer hälftigen Deckung des erwarteten Defizits lehnte die Landesregierung ab.

Kommunen greifen zu drastischen Maßnahmen

Um handlungsfähig zu bleiben, ziehen viele Städte die Notbremse. Bietigheim-Bissingen kalkuliert für 2026 mit einem Defizit von 14,9 Millionen Euro bei einem Finanzbedarf von über 34 Millionen Euro. Die Konsequenz: Kürzungen im Kulturprogramm, Veranstaltungen werden gestrichen.

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Besonders beliebt ist die Anpassung der Grundsteuerhebesätze. Die Entwicklung zeigt, wie massiv die Belastung für Bürger und Unternehmen steigt:

  • Groß-Gerau: Die Stadt führt 2026 eine Grundsteuer C für baureife, unbebaute Grundstücke ein. Die Grundsteuer B soll bis 2028 von 850 auf 1.375 Punkte klettern.
  • Riedstadt: Mit 1.600 Punkten hat die Stadt bereits einen der höchsten Hebesätze in Hessen. Bis 2028 sind 1.850 Punkte geplant – notwendig, um die jährlichen Zins- und Tilgungslasten in Millionenhöhe zu stemmen.

Hinzu kommen steigende Personal- und Energiekosten. Die Folge: Stellenabbau, Schließung von Museen und Schwimmbädern, verschobene Sanierungen.

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Lichtblick oder nächste Baustelle?

Eine geplante Reform der Körperschaftsteuer könnte ab 2028 die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessern. Vorgesehen ist eine Senkung des Steuersatzes von 15 auf 10 Prozent. Für GmbHs würde die Gesamtbelastung inklusive Gewerbesteuer von rund 30 auf etwa 25 Prozent fallen.

Finanzexperten weisen darauf hin, dass besonders vermögensverwaltende Familienstiftungen profitieren – sie sind von der Gewerbesteuer befreit. Die Entlastung soll den Wirtschaftsstandort stärken. Doch die Frage bleibt: Was bedeutet das für die Gewerbesteuerhebesätze der Kommunen? Die Diskussion darüber wird die Finanzpolitik der nächsten Jahre prägen.

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