Kommunale IT-Ausfälle: 194 Verwaltungen in Rheinland-Pfalz offline
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 21:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wegen neu bekannt gewordener IT-Sicherheitslücken und Software-Störungen haben zahlreiche rheinland-pfälzische Kommunen sowie die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam den Zugriff auf ihre Online-Dienste und Fachverfahren vorsorglich einschränken oder komplett abschalten müssen.
In Rheinland-Pfalz betraf der Ausfall flächendeckend alle 194 hauptamtlich geführten Städte, Gemeinden und Landkreise, nachdem kommunale Rechenzentren ihre Systeme kontrolliert vom Netz genommen hatten.
Nachdem am Wochenende eine Sicherheitslücke bekannt und bestätigt worden war, fuhren die ZIDKOR-Rechenzentren KDZ Mainz und KGRZ Koblenz am 27. September 2026 ihre IT-Systeme vorsorglich herunter. Nach Angaben der Betreiber handelte es sich um keinen erfolgreichen Cyberangriff, zudem seien personenbezogene Daten nicht gefährdet worden.
Vor Ort wurden Sicherheitsupdates eingespielt, sogenannte Patches. Sämtliche Termine für den 28. September 2026 mussten abgesagt werden. Die Rechenzentren sowie der Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz stellten die Rückkehr zum Normalbetrieb für den 29. September 2026 in Aussicht.
Landesweites Verwaltungsnetz in Rheinland-Pfalz gekappt
Ebenfalls am 27. September 2026 schaltete das Land Rheinland-Pfalz Dienste des landesweiten Verwaltungsnetzes ab, die über Citrix erreichbar sind. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier informierte die Kommunen am späten Sonntagabend über eine Schwachstelle in einem Rechenzentrum. Zudem warnten die Stadt Wörth und die Verbandsgemeinde Kandel am selben Abend über soziale Medien vor den Problemen.
Die vorsorgliche Trennung vom Netz legte zahlreiche Behörden lahm. Betroffen waren unter anderem Einwohnermeldeämter, Kfz-Zulassungsstellen, Standesämter, Waffenbehörden und Schulverwaltungsprogramme. In Pirmasens fielen sämtliche VOIS-Fachverfahren für das Meldewesen und die Zulassung sowie das System AutiSta im Standesamt aus.
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Die Stadtverwaltung Kaiserslautern konnte Bürgeranliegen im Bürgercenter, Standesamt und der Zulassungsstelle ganztägig nicht bearbeiten. Die Kreisverwaltung Kaiserslautern verwies auf zwei mögliche Schwachstellen, während die Verbandsgemeinde Jockgrim mitteilte, Netscaler-Umgebungen wegen zweier aktiv ausgenutzter Sicherheitslücken heruntergefahren zu haben.
Ähnliche Ausfälle meldeten Mainz, Koblenz, Speyer, Trier, Zweibrücken und Neustadt an der Weinstraße sowie zahlreiche Landkreise wie Germersheim, Bad Ems, Bernkastel-Wittlich, Südliche Weinstraße, Mainz-Bingen, Alzey-Worms, Bad Kreuznach, Ahrweiler, Mayen-Koblenz, Neuwied und Cochem-Zell.
In Speyer stand für dringende Notfälle die Einsatzzentrale der Feuerwehr zur Verfügung. Im Landkreis Germersheim blieben Kfz-Zulassungsstellen geschlossen, während der reguläre Schulunterricht trotz gestörter Schulsekretariatsprogramme stattfand. Trauungen mussten nach Angaben des Kreises nicht abgesagt werden.
Potsdam nimmt Online-Dienste nach Hersteller-Update wieder in Betrieb
Unabhängig von Rheinland-Pfalz reagierte auch die brandenburgische Landeshauptstadt Potsdam auf eine weltweite Sicherheitslücke in einem IT-Programm. Die Stadtverwaltung nahm Online-Dienste wie die Terminverwaltung, Einwohner-Meldeabfragen, Gewerbeanmeldungen, das Kita-Portal, das Ratsinformationssystem sowie einzelne Webseiten vorsorglich offline.
Bürger mussten sich für Termine vorerst an die Behördennummer 115 wenden. Nach einer erfolgreichen Schließung der Schwachstelle durch den Hersteller konnten die Dienste wieder erreichbar gemacht werden; Prüfungen ergaben laut der Stadtverwaltung keine Hinweise auf einen Datenabfluss.
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Die vorsorglichen Abschaltungen verdeutlichen die anhaltende Verwundbarkeit öffentlicher IT-Infrastrukturen. Welche Folgen ein tatsächlicher Datendiebstahl haben kann, zeigte sich im August 2026 im Berliner Verwaltungsnetz: Nach einem Cyberangriff forderten Erpresser dort 30 Bitcoins im Gegenwert von rund 2 Millionen Euro. Weil der Berliner Senat Lösegeldzahlungen verweigerte, veröffentlichten die Täter mindestens 1,2 Millionen Datensätze im Darknet.
