Kommunale Haushaltskrise: Dortmund will bis 2031 insgesamt 500 Stellen streichen
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 02:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Wachsende Haushaltslöcher zwingen Städte und Landkreise quer durch die Bundesrepublik zu tiefgreifenden Konsolidierungsmaßnahmen. Angesichts steigender Personal- und Sachaufwendungen greifen Kommunalverwaltungen zu Sperren im laufenden Betrieb, streichen geplante Investitionen und verhängen Einstellungsstopps. Eine Bestandsaufnahme aktueller Haushaltsdaten zeigt, wie Kommunen versuchen, ihre finanzielle Handlungsfähigkeit zu sichern.
Personalabbau und Einstellungsstopps in Groß- und Mittelstädten
Ein zentraler Hebel der Haushaltskonsolidierung liegt bei den Personalausgaben. In Dortmund kündigte Stadtdirektor Christian Uhr bei der Diskussionsreihe Port+Puls an, dass die Verwaltung bis 2031 insgesamt 500 Stellen streichen will. Dadurch peilt die Ruhrgebietsmetropole Einsparungen von 7 Millionen Euro pro Jahr an.
Einen ähnlichen Weg schlägt Schwerin ein: Die mecklenburgische Landeshauptstadt plant, bis 2030 in der Verwaltung 50 Stellen abzubauen. Dies soll ohne Kündigungen geschehen, vor allem über die Nichtwiederbesetzung frei werdender Positionen bei Altersabgängen. Einem Fachdienstleiter zufolge beläuft sich das angestrebte Einsparvolumen auf durchschnittlich 3 Millionen Euro jährlich.
Schwerins Personalaufwand liegt 2026 bei 85,2 Millionen Euro und steigt nach aktuellen Planungen auf 89,8 Millionen Euro im Jahr 2027 sowie 91,5 Millionen Euro im Jahr 2028. Der Stellenplan der Stadt umfasst derzeit 1.135 Positionen und soll bis 2028 auf 1.158 Positionen anwachsen, während die Finanzplanung Defizite von 44,9 Millionen Euro für 2027 und 66,6 Millionen Euro für 2028 ausweist.
In Regensburg fasste der Stadtrat Ende September 2026 einen Grundsatzbeschluss, um den Haushalt jährlich um 80 bis 100 Millionen Euro zu entlasten; konkrete Vorschläge sollen bis zum Ende des ersten Quartals 2027 erarbeitet werden.
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Der Verwaltungsaufwand für Personal erreichte in Regensburg rund 330 Millionen Euro, was einem Anstieg von 66 Prozent über die vergangenen zehn Jahre entspricht. Gegenüber aktuellen Planungen strebt Regensburg bis 2030 eine Reduzierung der Personalausgaben um 4 bis 5 Prozent an, wobei auslaufende Stellen ab 2027 unbesetzt bleiben sollen.
Während die Gewerbesteuer für 2026 mit 270 Millionen Euro höher erwartet wird als die zuvor veranschlagten 245 Millionen Euro, belaufen sich die Rücklagen auf 180 Millionen Euro und die Schulden auf 310 Millionen Euro. Der Kämmerer warnte, dass ohne Gegenmaßnahmen ab 2030 die Reserven aufgezehrt sein könnten und die Schuldenobergrenze von 600 Millionen Euro überschritten werden dürfte.
Haushaltsstopps und Kürzungen bei laufenden Sachausgaben
Neben den Personalkosten geraten Sach- und Transferausgaben unter Druck. Potsdam verhängte mit Wirkung ab Anfang Oktober 2026 eine Haushaltssperre bis zum Jahresende.
Die Maßnahme friert 5 Prozent der zahlungswirksamen Sach- und Dienstleistungsaufwendungen sowie 5 Prozent der sonstigen ordentlichen Aufwendungen ein, spart jedoch Transferaufwendungen von rund 502 Millionen Euro im Haushalt 2026 aus. Potsdams Jahresabschluss 2024 wies ein Defizit von 45,55 Millionen Euro aus, nachdem der Fehlbetrag 2023 bei rund 6,7 Millionen Euro gelegen hatte.
Gleichzeitig schrumpften die liquiden Mittel drastisch: von 351 Millionen Euro Ende 2021 auf 123,4 Millionen Euro Ende 2025 und 32,7 Millionen Euro Mitte September 2026, während der Rahmen für Kassenkredite zuvor von 60 auf 150 Millionen Euro erweitert werden musste.
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In Nürnberg betonte Finanzreferent Thorsten Brehm bei der Vorstellung des Haushaltsentwurfs, dass kleine Sparrunden und kurzfristige Verschiebungen angesichts der ernsten Lage nicht mehr genügen.
Auch in Baden-Württemberg verschärft sich die Situation: Der Gemeinderat von Weil der Stadt beschloss 31 Konsolidierungsmaßnahmen, darunter Leistungskürzungen, Stellenstreichungen sowie Gebührenerhöhungen, nachdem im Ergebnishaushalt Defizite von rund 20 Millionen Euro für 2027 und 25 Millionen Euro für 2028 prognostiziert wurden.
Bei einem Schuldenstand von rund 15 Millionen Euro Mitte 2026 plant Weil der Stadt für 2026 Kredite von 13,6 Millionen Euro ein, womit die Gesamtverschuldung auf etwa 50 Millionen Euro ansteigen soll.
Investitionskürzungen und Debatten um Landesunterstützung
In Friedrichshafen sieht der Entwurf für den Doppelhaushalt 2027/2028 von Stadt und Zeppelin-Stiftung Einsparungen von rund 3,2 Millionen Euro pro Jahr vor, unter anderem durch Kürzungen bei Zuschüssen an Dritte. Die Stadt plant ab 2029 neue Kredite über 50 Millionen Euro; die Verschuldung soll zum Jahresende 2031 auf geschätzte 67 Millionen Euro klettern.
Für Investitionen stehen unter anderem 35 Millionen Euro Bundesmittel aus dem LuKIFG bis 2032 für drei Schulbauprojekte bereit, neue Investitionsbauten jenseits laufender Kita-Projekte sind vorerst nicht vorgesehen.
Auf Landesebene warnte Landkreistagspräsident Achim Brötel in Tuttlingen, dass den Kommunen 2027 ein Defizit von bis zu 5 Milliarden Euro drohe, und kritisierte die finanzielle Unterstützung der Landesregierung als unzureichend.
Das Land Baden-Württemberg stellte in seinem Haushaltsentwurf 2027 ein Unterstützungspaket von knapp 1,2 Milliarden Euro bereit, das unter anderem 504 Millionen Euro für eine Konjunkturkomponente sowie 200 Millionen Euro für energetische Modernisierung vorsieht.
In Coesfeld stellte ein Prüfbericht der gpaNRW fest, dass sich die Haushaltslage trübt und die Stadt ab 2025 mit hohen negativen Jahresergebnissen plant. Ein anderes Bild zeigt der Donnersbergkreis: Dort fällt das veranschlagte Defizit von 15,6 Millionen Euro für 2026 laut einer Zwischenbilanz um knapp 297.000 Euro geringer aus als erwartet, weshalb die Verwaltung aktuell keinen Bedarf für einen Nachtragshaushalt sieht.
