Kollagenosen: ERS und EULAR veröffentlichen Leitlinien zu Lungen-ILD
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die interdisziplinäre Betreuung von Erwachsenen, die an Bindegewebserkrankungen leiden und eine Lungenbeteiligung aufweisen, wird durch neue fachgesellschaftliche Vorgaben präzisiert.
Eine gemeinsame Taskforce der European Respiratory Society (ERS) und der European Alliance of Associations for Rheumatology (EULAR) veröffentlichte evidenzbasierte Empfehlungen, die sich mit dem Screening, der Diagnostik, dem Monitoring und der Therapie von interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD) bei Betroffenen mit Kollagenosen befassen.
Wie das Fachportal medonline.at in einem Bericht vom 07.10.2026 darlegte, adressieren die Leitlinien zentrale Schnittstellen zwischen Pneumologie und Rheumatologie.
Methodischer Rahmen und Einbindung von Betroffenen
Um den Empfehlungen eine fundierte wissenschaftliche Tragfähigkeit zu verleihen, wählte die ERS-EULAR-Taskforce eine systematische methodische Struktur. Die Basis der Leitlinie bildeten insgesamt 25 PICO-Fragen, die nach dem GRADE-System einer strukturierten Evidenzbewertung unterzogen wurden. Ergänzend dazu formulierte das Gremium 28 narrative Fragen, um klinische Aspekte aufzugreifen und zu bewerten.
Die gemeinsame ERS-EULAR-Taskforce hat evidenzbasierte Empfehlungen zu Screening, Diagnostik, Monitoring und Therapie der Lungen-ILD bei Kollagenosen vorgelegt — bewertet für systemische Sklerose, idiopathische inflammatorische Myopathien, Sjögren-Syndrom, SLE und Mischkollagenose. In drei Schritten zur strukturierten Früherkennung: Screening auslösen, Diagnostik einordnen, Verlauf kontrollieren. Kostenlosen Praxis-Leitfaden jetzt anfordern
Ein wesentlicher Aspekt des Prozesses war die Partizipation der Zielgruppe: Zwei Patientenvertreterinnen waren aktiv an sämtlichen Phasen und Entwicklungsschritten des Projekts beteiligt. Dies stellte sicher, dass neben rein medizinisch-therapeutischen Parametern auch die Perspektiven und Belange der Betroffenen direkt in den Ausarbeitungsprozess einflossen.
Breites Krankheitsspektrum im Fokus
Die Taskforce evaluierte die Datenlage für eine Reihe unterschiedlicher Grunderkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis. Die Bewertungen und Empfehlungen wurden spezifisch für die systemische Sklerose und idiopathische inflammatorische Myopathien erarbeitet.
Zu oft wird die Lungenbeteiligung bei Kollagenosen erst erkannt, wenn der Verlauf bereits fortgeschritten ist — und die Zuständigkeit zwischen Pneumologie und Rheumatologie bleibt unklar. Der Leitfaden fasst die 25 PICO-Fragen mit GRADE-Bewertung und die 28 narrativen Fragen so zusammen, dass Sie Screening-Intervalle und Monitoring-Schritte für Ihre Patienten festlegen können. Leitfaden zur Früherkennung sichern
Zudem erstreckt sich die Betrachtung auf weitere Kollagenosen, zu denen das Sjögren-Syndrom, der systemische Lupus erythematodes (SLE) sowie die Mischkollagenose gehören. Bei diesen Krankheitsbildern erfordert die interstitielle Lungenbeteiligung eine gezielte Früherkennung und eine kontinuierliche Verlaufskontrolle.
Die Ergebnisse der internationalen Kooperation sind parallel in zwei Fachorganen erschienen. Dokumentiert wurden die Leitlinien im European Respiratory Journal (ERJ 2026;67(1):2402533, doi:10.1183/13993003.02533-2024) sowie in den Annals of the Rheumatic Diseases (Ann Rheum Dis 2026, doi:10.1016/j.ard.2025.08.021). Die Publikationen bieten behandelnden Fachärzten einen harmonisierten Orientierungsrahmen für das interdisziplinäre Krankheitsmanagement.
