Kohlenstoffpunkte, Pflanzen

Kohlenstoffpunkte aus Pflanzen: Aksaray-Projekt prüft Wirkung gegen Krebs

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 19:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Studien prüfen Nanomaterialien, Proteinabbau und Naturstoffe; viele Ansätze sind präklinisch, ihre klinische Bedeutung bleibt offen.

Krebs- und Entzündungsforschung: Nanomaterialien und Naturstoffe im Fokus
Ein modernes Forschungslabor mit einem Lichtmikroskop und gläsernen Laborgefäßen auf einer sauberen Edelstahlarbeitsfläche. Illustration mit AI erstellt.

Die Suche nach Wirkstoffen gegen Krebs und Entzündungen erhält derzeit von mehreren Seiten neue Impulse: An der Aksaray-Universität arbeitet die Chemikerin Melek Pamuk Alg? an pflanzenbasierten Kohlenstoffpunkt-Nanomaterialien, deren Erforschung nun im Rahmen des TÜB?TAK-1002-A-Programms gefördert wird.

Das Projekt reiht sich in eine Reihe internationaler Arbeiten ein, die zeigen, wie unterschiedlich Nanotechnologie und Naturstoffe derzeit in der Krebs- und Entzündungsforschung eingesetzt werden.

Pflanzenbasierte Kohlenstoffpunkte gegen Krebs

Im Zentrum des geförderten Projekts steht laut Alg? ein Nanomaterial, das durch Lichtaktivierung antikanzerös wirken soll. Untersucht werden Eigenschaften, biologische Verträglichkeit und therapeutisches Potenzial des Materials.

Neben der Krebswirkung erwarten die Forschenden auch einen Effekt bei antimikrobiellen Anwendungen. Sollten die Ergebnisse überzeugen, ist eine Publikation vorgesehen, zudem könnte das Material als Multitherapie-Wirkstoff patentiert werden.

Metall-organische Gerüste gegen Prostatakrebs

Parallel dazu haben Forschende der Biruni-Universität und der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in einer in ACS Omega veröffentlichten Kooperationsstudie drei eisenbasierte Metall-organische Gerüst-Nanomaterialien an PC-3-Prostatakrebszellen getestet.

Besonders die Variante Fe-BDC-2 senkte die Zelllebensfähigkeit bei bestimmten Dosis-Zeit-Kombinationen deutlich, während normale Prostatazellen in einzelnen Anwendungen weniger betroffen waren.

Zusätzlich untersuchten die Forschenden Magnetfeld- und Doxorubicin-Effekte. Da es sich um präklinische Zellversuche handelt, sind weitere Untersuchungen, einschließlich In-vivo-Studien, notwendig, bevor eine klinische Relevanz abzuschätzen ist.

Gezielter Proteinabbau als neuer Ansatz

Einen anderen Weg verfolgt das Projekt TaNGo an der Universität Duisburg-Essen, das von der Deutschen Krebshilfe mit rund 290.000 Euro gefördert wird. Die Forschenden entwickeln sogenannte Nanobody-PROTACs, die das Protein Taspase1 in Brustkrebszellen für den Abbau durch das Proteasom markieren sollen. Getestet werden verschiedene Linker und E3-Ligasen, wobei fluoreszierende Linker den Proteinabbau sichtbar machen sollen.

Auf molekularer Ebene setzt eine internationale Forschungsgruppe an einem verwandten Prinzip an: Sie identifizierte die E3-Ubiquitin-Ligase HERC4, die das Protein RIPK1 ubiquitiniert und damit einen Zelltod-Komplex auslöst, der je nach Proteinexpression zu Apoptose oder Nekroptose führt.

In Mausmodellen schützte der Verlust von HERC4 vor TNF-induzierter systemischer Entzündung und akuter Leberschädigung. Die Forschenden planen orale HERC4-Hemmer, wobei eine mögliche Überlegenheit gegenüber bestehenden TNF-Inhibitoren noch untersucht wird. Die Ergebnisse erschienen in Nature Structural and Molecular Biology.

Neue Werkzeuge für Diagnostik und Antibiotikaforschung

Nicht nur Wirkstoffe, auch Analysemethoden entwickeln sich weiter. Ein von der UMG geführtes internationales Team stellte mit NanoFLex eine Methode vor, die die simultane Visualisierung von acht Zielproteinen in einer einzelnen Zelle und einem Präparationsschritt mit konventionellen Mikroskopen ermöglicht.

Die Fluoreszenzlebensdauer trennt dabei die Signale, vier Proteintaschen-Varianten erlauben vier Zielproteine mit nur einem roten Fluorophor; insgesamt wurden 26 Farbstoffe charakterisiert. Die Studie erschien 2026 in ACS Nano.

Im Bereich der Infektionsforschung entwickelte ein Team des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) den taxonomischen Profiler Metax, der die Verteilung genetischer Übereinstimmungen über Referenzgenome berücksichtigt und so echte mikrobielle Signale besser von falsch-positiven Treffern unterscheidet.

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Das Tool soll Arten und Häufigkeiten genauer schätzen und lässt sich auf Bakterien, Archaeen, Pilze, andere eukaryotische Mikroorganismen und Viren anwenden – mit möglichen Einsatzgebieten von klinischen Proben über Mikrobiomforschung bis zur Abwasserüberwachung. Metax ist frei für Forschungszwecke verfügbar, die Studie erschien 2026 in Cell.

Ebenfalls am HZI entstand laut einem Bericht vom 27.09.2026 der Wirkstoffkandidat Corramycin, der im Labor auch fluorchinolonresistente und multiresistente Tuberkulose-Stämme hemmte. Durchsucht wurden 2.552 Myxobakterien-Rohextrakte, von denen 102 eine reproduzierbare Wirkung zeigten; nach Ausschluss bekannter Wirkstoffe blieben 56 Treffer.

Corramycin blockiert die DNA-Gyrase nach dem DNA-Schnitt und verhindert so das Schließen der Bruchstellen, wie eine Kryo-EM-Analyse mit einer Auflösung von rund 0,28 Nanometern zeigte.

In infizierten Zellen begrenzte der Wirkstoff das Bakterienwachstum erst bei der 16-fachen minimalen Hemmkonzentration um bis zu 75 bis 80 Prozent, während Rifampicin die Bakterienmenge nahe seiner minimalen Hemmkonzentration um mehr als 90 Prozent senkte.

Corramycin ist damit noch kein Medikament; Herstellung, Aktivität im Körper und Pharmakokinetik müssen weiter optimiert werden. Nach WHO-Angaben für 2024 gab es rund 1,23 Millionen Tuberkulose-Todesfälle und etwa 10,7 Millionen Erkrankungen weltweit. Die Studie erschien in Advanced Science.

Naturstoffe: Hoffnung und Grenzen der Evidenz

Neben synthetischen Nanomaterialien stehen weiterhin pflanzliche Wirkstoffe im Fokus. Eine im August 2026 in Phytotherapy Research veröffentlichte Übersichtsarbeit chinesischer Forschender bewertete pflanzliche TCM-Präparate bei rheumatoider Arthritis, darunter Wilfords Dreiflügelfrucht, Baikal-Helmkraut und Milchweiße Pfingstrose.

Präklinische und klinische Studien bringen diese Präparate mit geringerer Krankheitsaktivität und besserer Gelenkfunktion in Verbindung, wobei Entzündungshemmung, antioxidative Effekte und Veränderungen der Darmflora als mögliche Mechanismen genannt werden. Weitere Forschung zu Zielstrukturen, Rezepturen und Langzeitergebnissen sei jedoch notwendig.

Auch zu Curcumin liegt differenzierte Evidenz vor: Eine randomisierte Studie von 2021 berichtete bei übergewichtigen Erwachsenen mit 1.000 mg Curcumin täglich einen um 25 Prozent gesunkenen CRP-Wert, eine Analyse von 21 Kniearthrose-Studien aus dem Jahr 2025 fand niedrigere CRP- und TNF-?-Werte.

Eine Vergleichsstudie von 2021 zeigte bei 1.500 mg/Tag keinen signifikanten Unterschied zu Ibuprofen bei Schmerzen, jedoch weniger Magen-Darm-Nebenwirkungen.

Krebswirkungen von Curcumin sind bislang klinisch nicht belegt; eine Phase-II-Studie von 2020 mit 8 g/Tag in Kombination mit Gemcitabin verlängerte das Überleben bei Bauchspeicheldrüsenkrebs um 2,3 Monate, ohne statistische Signifikanz zu erreichen.

Eine Evidenzübersicht von 2022 stufte die entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung als moderat ein, die onkologische Evidenz dagegen als niedrig bis sehr niedrig.

Ein Faktencheck vom 27.09.2026 relativierte zudem populäre Behauptungen zu Weihrauch: Für die alleinige Behandlung von Krebstumoren mit Weihrauch oder Weihrauchöl gebe es keine klinischen Studien, und in der EU sei kein Medikament mit Boswelliasäuren zugelassen.

Eine oft zitierte Behauptung, wonach bei 60 Prozent der Patienten Schwellungen um 75 Prozent zurückgegangen seien, verdrehe demnach eine Studie von 2011, die sich tatsächlich auf therapiebedingte Gehirnödeme und nicht auf Tumore bezog.

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Die Bandbreite dieser Forschungsansätze – von geförderten Grundlagenprojekten wie dem der Aksaray-Universität bis zu international vernetzten Studien – verdeutlicht, dass Nanotechnologie und Naturstoffe parallel, aber mit unterschiedlichem Reifegrad an der Schnittstelle von Krebs- und Entzündungsforschung untersucht werden.

Während einige Ansätze bereits molekulare Wirkmechanismen aufklären, bleibt bei anderen, insbesondere bei traditionellen Pflanzenpräparaten, weiterhin klinische Evidenz Mangelware.

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