Kognitive Störungen: Online-Training senkt schwere Beeinträchtigungen um 18 Prozent
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 12:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Experten betonen verstärkt die Notwendigkeit, kognitive Störungen frühzeitig zu diagnostizieren und ihnen mit aktiven Interventionen zu begegnen. Hintergrund dieser Einschätzung ist unter anderem die Beobachtung, dass neurologische Ereignisse und neurodegenerative Prozesse nicht ausschließlich im hohen Alter auftreten, sondern zunehmend auch jüngere Menschen betreffen.
Risikofaktoren und Gefäßgesundheit im Blick
Neurologische Beeinträchtigungen stehen häufig in engem Zusammenhang mit vaskulären Faktoren. Eine im Fachjournal Neurology veröffentlichte US-Studie aus der Region Greater Cincinnati und Northern Kentucky dokumentierte bei Personen im Alter von 20 bis 54 Jahren einen Anstieg der Schlaganfallrate von 33,9 auf 62,2 Fälle pro 100.000 Personenjahre über sechs Erhebungszeiträume zwischen 1993/94 und 2020. Bei älteren Erwachsenen ging die Rate im gleichen Zeitraum hingegen von 618,8 auf 453,0 zurück. Bei den jüngeren Betroffenen wurden Bluthochdruck, Diabetes und Substanzkonsum zunehmend häufiger erfasst.
Gleichzeitig weisen Mediziner darauf hin, dass ein unzureichend behandelter Bluthochdruck das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und Demenzerkrankungen deutlich erhöht.
Daten eines Messprogramms der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie zeigten beispielsweise, dass 40 Prozent der Betroffenen nichts von ihrem Bluthochdruck wussten und 60 Prozent der diagnostizierten Patienten nicht im Zielbereich lagen. Fachleute empfehlen daher eine regelmäßige Kontrolle des Blutdrucks spätestens ab dem 40. Lebensjahr.
Neue Ansätze in der Frühdiagnostik
Um neurodegenerative und entzündliche Veränderungen früher zu erkennen, setzt die Forschung vermehrt auf innovative Biomarker. Am Universitätsklinikum Bonn erforscht eine Nachwuchsforschungsgruppe im Projekt RE-DEFINE unter der Leitung von Dr. Christina Mayer den Einsatz optischer Kohärenztomographie (OCT) der Netzhaut.
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Das Vorhaben, das von der Corona-Stiftung über fünf Jahre mit einer Million Euro gefördert wird, soll Gefäß- und Entzündungsmuster differenzieren, um Erkrankungen wie Multiple Sklerose präziser zu identifizieren.
Auch bildgebende Verfahren des Gehirns und verhaltensbasierte Tests liefern neue Anhaltspunkte. Für den Wilhelm Woort-Förderpreis für Alternsforschung 2025 wurden Arbeiten von Stella Wernicke zu VR- und computergestützten Studien des räumlichen Arbeitsgedächtnisses sowie Untersuchungen von PD Dr. Alexa Häger im Projekt MINDMAPS gewürdigt.
Häger analysiert im Rahmen der langjährigen SENIOR-Studie regionale Natriumkonzentrationen mittels hochauflösender Magnetresonanztomographie als Marker, die bei gesundem Altern stabil bleiben, bei Alzheimer jedoch ansteigen.
Für die klinische Praxis spielen zudem einfache Screening-Verfahren eine Rolle: Dr. Johannes Trabert untersuchte am AGAPLESION Markus Krankenhaus Frankfurt den Whooley-Zwei-Fragen-Test bei geriatrischen Patienten. Bei mittelgradigen depressiven Symptomen erzielte das Verfahren eine Sensitivität von 95 Prozent und floss in die S1-Leitlinie zum geriatrischen Assessment ein.
Da Vergesslichkeit und kognitive Veränderungen oft schleichend beginnen, ist eine rechtzeitige Einschätzung für die weitere Vorsorge entscheidend. Ein anonymer Selbsttest mit sieben gezielten Fragen liefert Ihnen in wenigen Minuten Klarheit über mögliche frühe Anzeichen. Gewissheit in 2 Minuten: Check auf frühe Demenz?Anzeichen
Wirksamkeit aktiver Interventionen
Dass gezieltes Gegensteuern kognitive Einbußen bremsen kann, belegt eine Studie der University of Southampton, die in The Lancet Primary Care veröffentlicht wurde. Untersucht wurden 11.563 Personen im Alter von 60 bis 85 Jahren mit niedrigen kognitiven Werten.
Während nach einem Jahr bei 28,4 Prozent der Gruppe mit reinen Lebensstil-Ratschlägen der kognitive Abbau nicht mehr vorlag, erreichten die Gruppen mit Nutzung der Online-Plattform „Active Brains“ Werte von 32,8 Prozent beziehungsweise 31,6 Prozent bei zusätzlicher Begleitung. Gegenüber reinen Ratschlägen verringerte die Website-Nutzung leichte kognitive Beeinträchtigungen um 8 Prozent und schwerere um 18 Prozent.
Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland leben nach Angaben von Fachgesellschaften mit einer Demenz. Neben medikamentösen Ansätzen und Grundlagenforschung zur Zellmembranstruktur oder zum Mikrobiom gewinnen niedrigschwellige Hilfen und strukturierte Präventionsangebote an Bedeutung, um kognitive Funktionen möglichst lange zu stabilisieren.
