Kognitive, Beeinträchtigung

Kognitive Beeinträchtigung: Hörintervention erzielt 15,34 statt 2,36 Prozent

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 07:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nach zwei Jahren erreichten mehr Teilnehmende mit Hörintervention normale kognitive Werte; ein Rückgang der Demenzrate war nicht signifikant.

CHOICE-Studie: Hörgeräte verbessern kognitive Werte bei Senioren
Ein minimalistischer, lichtdurchfluteter Raum in einer modernen medizinischen Einrichtung mit neutralen Farben. Illustration mit AI erstellt.

Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen zunehmend die Korrelation zwischen auditorischer Gesundheit und der kognitiven Leistungsfähigkeit im Alter.

In diesem Kontext liefert die CHOICE-Studie (China Outcomes in Hearing Care and Cognitive Health), die zwischen 2020 und 2024 unter der Leitung von Prof. Wu Hao vom Shanghai Ninth People's Hospital durchgeführt wurde, neue Daten zur Wirksamkeit von Hörinterventionen.

Die im Fachmagazin JAMA Neurology veröffentlichten Ergebnisse untersuchen, inwieweit die Versorgung mit Hörgeräten kognitive Beeinträchtigungen bei Senioren beeinflussen kann.

Signifikante kognitive Normalisierung durch Hörintervention

An der CHOICE-Studie nahmen 703 Probanden im Alter von über 60 Jahren teil, die unter einer mittel-schweren Hörminderung sowie leichten kognitiven Beeinträchtigungen litten. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei 74,5 Jahren. Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung betrifft die kognitive Normalisierung innerhalb des zweijährigen Beobachtungszeitraums.

In der Gruppe, die eine Hörintervention erhielt, erreichte bei 15,34 Prozent der Teilnehmer der kognitive Status wieder einen Normalwert. In der Kontrollgruppe betrug dieser Wert lediglich 2,36 Prozent. Dies entspricht einer relativen Wahrscheinlichkeit (RR) von 5,94 für eine kognitive Verbesserung in der Interventionsgruppe.

Hinsichtlich des Primärendpunkts der Studie, der Inzidenz von Demenzerkrankungen nach 24 Monaten, zeigten sich hingegen weniger eindeutige Resultate. Die Demenzrate lag in der Interventionsgruppe bei 3,09 Prozent gegenüber 4,74 Prozent in der Kontrollgruppe.

Dieser Unterschied wurde als statistisch nicht signifikant bewertet, wobei Forscher darauf hinweisen, dass die Studie für diesen spezifischen Endpunkt möglicherweise nicht über eine ausreichende statistische Power verfügte.

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Einordnung im Vergleich zur ACHIEVE-Studie

Die Ergebnisse der CHOICE-Studie ergänzen vorangegangene Erkenntnisse, wie etwa jene der US-amerikanischen ACHIEVE-Studie aus dem Jahr 2023. Während die ACHIEVE-Studie in der Gesamtpopulation gesunder älterer Menschen keine signifikante Verlangsamung des kognitiven Abbaus durch Hörinterventionen feststellen konnte, wurde dort in einer Hochrisiko-Untergruppe dennoch ein positiver Effekt beobachtet.

Dr. Justin Golub von der Columbia University kommentierte die aktuellen Ergebnisse der CHOICE-Studie in einem Editorial für JAMA Otolaryngology. Er bezeichnete die beobachtete Effektgröße als überraschend groß, mahnte jedoch zur Vorsicht.

Als Limitationen nannte er unter anderem die Verwendung subjektiver Messmethoden und den Umstand, dass bestimmte klinische Parameter nicht von Beginn an präspezifiziert gewesen seien. Eine Replikation der Ergebnisse durch weitere Studien sei daher erforderlich, um die Validität der Daten zu bestätigen.

Technologische Fortschritte und Defizite in der Versorgung

Trotz der potenziellen Vorteile von Hörinterventionen belegen Screenings erhebliche Defizite in der praktischen Versorgung. Eine Untersuchung von mehr als 35.000 älteren Menschen ergab, dass zwar 77 Prozent der Probanden eine Hörminderung aufwiesen, jedoch nur 3,5 Prozent Hörgeräte nutzten. Die Versorgungsrate mit Cochlea-Implantaten lag sogar nur bei 0,47 Prozent.

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Parallel zur klinischen Forschung treibt die Industrie technologische Innovationen voran, um die Akzeptanz und Effektivität von Hörlösungen zu erhöhen. Das Unternehmen MED-EL aus Innsbruck entwickelte über einen Zeitraum von 15 Jahren mit dem Modell „TICI UNICO“ das weltweit erste Cochlea-Implantat, das vollständig unter der Haut platziert wird.

Bisher wurden rund 40 Patienten weltweit mit diesem System versorgt, unter anderem im Rahmen klinischer Studien am AKH Wien. Solche technologischen Ansätze könnten künftig dazu beitragen, die Hürden für eine frühzeitige Behandlung von Hörverlust zu senken und damit potenziell auch die kognitive Gesundheit im Alter breiter zu stützen.

Zudem werden ergänzende Ansätze wie die Photobiomodulation (PBM) untersucht. Tierstudien deuteten hierbei bereits auf neuroprotektive Effekte hin, während Humanstudien bisher keine signifikanten Unterschiede in der Audiometrie belegen konnten. Die Forschung in diesem Bereich sieht sich weiterhin mit Herausforderungen bei der Standardisierung der Behandlungsprotokolle konfrontiert.

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de | wissenschaft | 70201520 |