Koffeinhaltiger Kaffee: Studie verbindet moderaten Konsum mit 18 % weniger Demenzrisiko
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 22:46 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine im Februar 2026 im Fachjournal JAMA veröffentlichte prospektive Kohortenstudie liefert neue Erkenntnisse über den Zusammenhang zwischen Heißgetränkekonsum und dem Erhalt kognitiver Fähigkeiten.
Die Untersuchung mit dem Titel „Coffee and Tea Intake, Dementia Risk, and Cognitive Function“ entstand unter der Leitung von Dong D. Wang in Zusammenarbeit der Harvard T.H. Chan School of Public Health, Mass General Brigham und dem Broad Institute of MIT und Harvard.
Umfangreiche Datenbasis über vier Jahrzehnte
Die Auswertung stützt sich auf eine Kohorte von insgesamt 131.821 Teilnehmenden, darunter 86.606 Frauen aus der Nurses' Health Study sowie 45.215 Männer aus der Health Professionals Follow-Up Study.
Die Ernährungsgewohnheiten wurden bei den Frauen im Zeitraum von 1980 bis 2023 und bei den Männern zwischen 1986 und 2023 erfasst. Bei einer Nachbeobachtungszeit von bis zu 43 Jahren und einem Median von 36,8 Jahren traten 11.033 Demenzfälle auf.
Zu Beginn der Erhebungen lag das Durchschnittsalter der Frauen bei 46 Jahren, das der Männer bei 54 Jahren. Zudem nahmen 17.139 Teilnehmerinnen an kognitiven Telefontests teil. Gefördert wurde das großangelegte Forschungsprojekt von den National Institutes of Health.
Signifikante Unterschiede bei moderatem Konsum
Im Vergleich des höchsten mit dem niedrigsten Quartil beim Konsum von koffeinhaltigem Kaffee verzeichneten die Forschenden 141 gegenüber 330 Demenzfällen pro 100.000 Personenjahre. Dies entspricht einer Hazard Ratio von 0,82 (95%-Konfidenzintervall 0,76–0,89) und damit einem um 18 % geringeren relativen Demenzrisiko.
Eine subjektive kognitive Abnahme trat bei 7,8 % der Personen mit höherem Kaffeekonsum auf, verglichen mit 9,5 % bei seltenerem Konsum (Prävalenzverhältnis 0,85; 95%-Konfidenzintervall 0,78–0,93).
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Der Effekt erwies sich als unabhängig vom genetischen Risiko. Allerdings verlief die Assoziation nicht linear: Der stärkste Zusammenhang zeigte sich bei 2 bis 3 Tassen koffeinhaltigem Kaffee beziehungsweise 1 bis 2 Tassen Tee pro Tag.
Höhere Mengen brachten keinen zusätzlichen messbaren Nutzen. Während koffeinhaltiger Tee mit einem um 14 % geringeren Demenzrisiko assoziiert war, ergab sich für entkoffeinierten Kaffee kein statistisch signifikanter Zusammenhang.
Wissenschaftliche Einordnung und physiologische Faktoren
Studienleiter Wang wies darauf hin, dass die beobachtete Effektgröße gering ausfalle. Da es sich um eine reine Beobachtungsstudie handele, könne daraus keine direkte Kausalität abgeleitet werden. Die Ergebnisse seien zudem kein Grund, eigens mit dem Kaffeetrinken zu beginnen. Als methodische Einschränkung gilt zudem, dass die Definition der höchsten Konsumkategorie je nach Gruppe zwischen 2,5 und 4,5 Tassen variierte.
Mögliche Erklärungsansätze für die Zusammenhänge thematisierte die Neuroradiologin Eimer Mac Sweeney: Kaffee enthalte neben Koffein auch Chlorogensäure und Polyphenole, denen antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden.
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Erste Untersuchungen deuteten zudem darauf hin, dass Koffein Ablagerungen von Amyloid-Beta und Tau beeinflussen könnte, was jedoch wissenschaftlich nicht belegt ist. Aus fachlicher Sicht wird empfohlen, Kaffee vorzugsweise morgens oder vor dem Mittag zu konsumieren und etwa acht Stunden vor dem Schlafengehen darauf zu verzichten.
Ergänzende historische Vergleichsdaten
Frühere Untersuchungen deuten in eine ähnliche Richtung. Eine in den 1970er Jahren initiierte Langzeitstudie der finnischen Universität Kuopio und des schwedischen Karolinska-Instituts an über 1.400 finnischen Erwachsenen stellte fest, dass der Konsum von 3 bis 5 Tassen täglich im mittleren Lebensalter mit einem um 65 % geringeren Alzheimer-Risiko im späteren Leben einherging – verglichen mit Gruppen, die weniger als zwei oder mehr als fünf Tassen tranken.
Die damalige Projektleiterin Mia Kivipelto verwies auf bioaktive Verbindungen im Kaffee, betonte jedoch den vorläufigen Charakter der reinen Assoziation. Auch in dieser früheren Erhebung war die konkrete Kaffeeart nicht weiter spezifiziert worden.
