Koalas, Lone Pine Koala Sanctuary

Koalas in Australien: Warum die flauschigen Beuteltiere ums Überleben kämpfen

Veröffentlicht am: 04.10.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Koalas wirken wie lebende Plüschtiere, sind aber hoch spezialisierte Wildtiere. Im Lone Pine Koala Sanctuary in Brisbane zeigt sich, wie Lebensraumverlust, Buschfeuer und Chlamydien die australischen Beuteltiere bedrohen.

  • Koalas sind sehr niedlich - und haben erstaunliche Eigenschaften. - Bild: Carola Frentzen/dpa
    Koalas sind sehr niedlich - und haben erstaunliche Eigenschaften. - Bild: Carola Frentzen/dpa
  • Die meiste Zeit des Tages ruhen Koalas, um Energie zu sparen.  - Bild: Carola Frentzen/dpa
    Die meiste Zeit des Tages ruhen Koalas, um Energie zu sparen. - Bild: Carola Frentzen/dpa
  • Chefveterinärin Galit Tzipori kennt ihre Schützlinge in- und auswendig. - Bild: Carola Frentzen/dpa
    Chefveterinärin Galit Tzipori kennt ihre Schützlinge in- und auswendig. - Bild: Carola Frentzen/dpa
  • Das Lone Pine Koala Sanctuary lockt Besucher aus aller Welt. - Bild: Carola Frentzen/dpa
    Das Lone Pine Koala Sanctuary lockt Besucher aus aller Welt. - Bild: Carola Frentzen/dpa
  • Die australischen Beuteltiere ernähren sich fast ausschließlich von Eukalyptusblättern. - Bild: Carola Frentzen/dpa
    Die australischen Beuteltiere ernähren sich fast ausschließlich von Eukalyptusblättern. - Bild: Carola Frentzen/dpa
  • Koalas verlieren immer mehr ihres natürlichen Lebensraums. - Bild: Carola Frentzen/dpa
    Koalas verlieren immer mehr ihres natürlichen Lebensraums. - Bild: Carola Frentzen/dpa
  • Besucher können im Lone Pine Koala Sanctuary einen «Koala Moment» buchen. - Bild: Carola Frentzen/dpa
    Besucher können im Lone Pine Koala Sanctuary einen «Koala Moment» buchen. - Bild: Carola Frentzen/dpa
Koalas sind sehr niedlich - und haben erstaunliche Eigenschaften. - Bild: Carola Frentzen/dpa Die meiste Zeit des Tages ruhen Koalas, um Energie zu sparen.  - Bild: Carola Frentzen/dpa Chefveterinärin Galit Tzipori kennt ihre Schützlinge in- und auswendig. - Bild: Carola Frentzen/dpa Das Lone Pine Koala Sanctuary lockt Besucher aus aller Welt. - Bild: Carola Frentzen/dpa Die australischen Beuteltiere ernähren sich fast ausschließlich von Eukalyptusblättern. - Bild: Carola Frentzen/dpa Koalas verlieren immer mehr ihres natürlichen Lebensraums. - Bild: Carola Frentzen/dpa Besucher können im Lone Pine Koala Sanctuary einen «Koala Moment» buchen. - Bild: Carola Frentzen/dpa

Koalas sind eigenwillige Spezialisten und zugleich zunehmend bedrohte Wildtiere. Im Lone Pine Koala Sanctuary in Brisbane leben rund 100 Tiere – darunter der 18 Jahre alte und zehn Kilogramm schwere Maximus.

Ein Schutzgebiet mit langer Geschichte

Das 1927 gegründete Lone Pine Koala Sanctuary gilt als ältestes Koala-Schutzgebiet der Welt und steht im Guinness-Buch der Rekorde. Im kommenden Jahr soll die Anlage ihr 100-jähriges Bestehen feiern.

Am Welttierschutztag richtet sich der Blick dort nicht nur auf die Tiere in menschlicher Obhut. Das Zentrum beschäftigt sich auch mit der Frage, wie Koalas in freier Natur geschützt werden können.

Persönlichkeiten mit besonderen Fähigkeiten

Chefveterinärin Galit Tzipori arbeitet seit 28 Jahren als Tierärztin in dem Schutzgebiet, zuvor war sie sechs Jahre lang Koala-Pflegerin. Sie beschreibt die Tiere als sehr unterschiedlich: Manche seien frech, andere sanftmütig. Tabby «rede» besonders viel, Akane sei eine ausgezeichnete Mutter und Esmeralda vorlaut.

Maximus leidet an einer Sehschwäche und grauem Star auf einem Auge. Trotz seines hohen Alters muss auch er regelmäßig zur Zahnkontrolle. Koalas ruhen bis zu 20 Stunden am Tag, weil Eukalyptusblätter wenig Energie liefern und schwer verdaulich sind. Bei Gefahr können sie jedoch bis zu 30 Kilometer pro Stunde schnell werden.

Ungewöhnlicher Start ins Koalaleben

Koala-Babys kommen winzig und unterentwickelt zur Welt. Nach etwa sechs Monaten im Beutel beginnen sie, ihre Umgebung zu erkunden. Für die Umstellung auf Eukalyptus benötigen sie zunächst den Kot ihrer Mutter, das sogenannte «Pap». Er enthält Mikroorganismen, die der Nachwuchs für die Verdauung der Blätter braucht.

Von den mehr als 700 Eukalyptusarten fressen Koalas in ihrem jeweiligen Gebiet meist nur eine begrenzte Auswahl. Nach einem Buschbrand können sie deshalb nicht ohne Weiteres in einer anderen Region ausgesetzt werden.

Lebensraumverlust und Krankheit

Rodungen, zerschnittene Wälder, Straßen, Hunde, Hitze und Buschfeuer setzen den Tieren zu. Die Populationen in Queensland, New South Wales und dem Australian Capital Territory gelten seit 2022 als stark gefährdet. Die Australian Koala Foundation schätzt die Zahl wildlebender Koalas auf höchstens 63.600, möglicherweise liege sie deutlich niedriger.

Eine weitere Gefahr sind Chlamydien. Die Bakterien können Augen und Harnwege befallen, zur Erblindung führen und Weibchen unfruchtbar machen. Seit rund 25 Jahren arbeitet Lone Pine mit Universitäten an Impfstoffen; inzwischen laufen erste Schutz- und Impfprogramme für wildlebende Koalas.

Kein Kuscheln mehr

Besucher dürfen Koalas im Sanctuary seit 2024 nicht mehr im Arm halten. Stattdessen können sie einen «Koala Moment» mit einem Pfleger buchen, Fragen stellen und ein Tier aus nächster Nähe beobachten. Zeigt der Koala, dass ihm die Begegnung zu viel wird, endet sie.

Das Ziel sei, Wissen und Wertschätzung zu vermitteln und nicht lediglich einen Instagram-Moment zu ermöglichen. Koalas seien keine Kuscheltiere, sondern auf geschützte Eukalyptuswälder angewiesene Wildtiere.

Lebensraum ist der zentrale Hebel

Die Bedrohung der Koalas entsteht nicht durch einen einzelnen Faktor. Wenn Eukalyptuswälder für Siedlungen, Straßen oder Landwirtschaft gerodet und voneinander getrennt werden, verlieren die Tiere Nahrung, Rückzugsorte und sichere Wanderwege. Für lokal angepasste Koalas ist ein anderer Wald deshalb nicht ohne Weiteres ein gleichwertiger Ersatz.

Hinzu kommen Extremereignisse. Buschfeuer, Hitze und Trockenheit können große Bestände unmittelbar treffen und zugleich die Regeneration der Wälder erschweren. Straßen und freilaufende Hunde erhöhen das Risiko für Tiere, die zwischen verbliebenen Lebensräumen wechseln müssen. Die Gefährdung der Populationen in Queensland, New South Wales und dem Australian Capital Territory macht damit deutlich, dass Schutz nicht nur in Auffangstationen stattfinden kann.

Krankheit und Forschung

Chlamydien verschärfen die Lage, weil die Infektion Augen und Harnwege schädigen und die Fortpflanzung beeinträchtigen kann. Impfprogramme für wilde Koalas sollen einen Ansatz gegen diese zusätzliche Belastung liefern. Schutzstationen verbinden dabei Pflege, veterinärmedizinische Forschung und Aufklärung.

Warum das Thema über Australien hinausreicht

Der Fall zeigt exemplarisch, wie eng Artenschutz, Flächennutzung und Klimafolgen miteinander verbunden sind. Für Besucher bedeutet der Wandel im Lone Pine Koala Sanctuary zugleich eine veränderte Vorstellung von Tierbegegnungen: Beobachtung und Wissensvermittlung treten an die Stelle des direkten Kuschelns. Ob die Art langfristig überlebt, hängt jedoch vor allem davon ab, ob zusammenhängende Eukalyptuswälder erhalten, geschädigte Gebiete wiederhergestellt und Krankheiten eingedämmt werden.

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