Know-Your-Agent-Framework: Visa, Mastercard, Ant setzen Standards
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Zahlungsdienstleister Ant International, Mastercard und Visa haben eine gemeinsame Initiative ins Leben gerufen, um globale Standards für die Identifizierung und Verifizierung von KI-Agenten zu etablieren. Das neue „Know-Your-Agent“-Interoperabilitätsframework (KYA) soll sicherstellen, dass autonome Software-Agenten, die Einkäufe im Auftrag von Nutzern tätigen, über verschiedene Netzwerke hinweg als vertrauenswürdig erkannt werden können.
Einheitliches Framework für den autonomen Handel
Das am 9. September 2026 gestartete KYA-Framework zielt darauf ab, Karten-Netzwerke, digitale Wallets, Agenten-Plattformen und Online-Marktplätze in ein gemeinsames Sicherheitssystem zu integrieren.
Die Zusammenarbeit erfolgt über BuildFin.ai unter der Schirmherrschaft der Monetary Authority of Singapore (MAS). Technisch baut die Initiative auf bestehenden Protokollen der beteiligten Partner auf, darunter das Visa Trusted Agent Protocol, Mastercard Verifiable Intent und das Ant Agentic Mobile Protocol.
Hintergrund der Initiative ist das erwartete Marktwachstum: Branchenprognosen zufolge könnten KI-Agenten bis zum Jahr 2030 ein Volumen von 3-5 Billionen USD im globalen Konsumhandel orchestrieren. Das Framework soll die notwendige Infrastruktur für das Onboarding und die Identifikation dieser digitalen Akteure bereitstellen.
Individuelle Implementierungen der Netzwerkbetreiber
Zusätzlich zur gemeinsamen Standardisierung treiben die Unternehmen eigene Lösungen voran. Ant International hat bereits im April sein Agentic Mobile Protocol vorgestellt, das über die Plattform Alipay+ ausgerollt wird. Unterstützt wird dies laut Berichten von 10 digitalen Wallets, darunter Alipay, GCash und KakaoPay, sowie von 7 Acquirern wie Adyen, Checkout.com und Fiserv.
Mastercard hat unterdessen „Agent Connect“ eingeführt, um Händlern eine einheitliche Integration für KI-gestützte Shopping-Prozesse zu ermöglichen. Das System deckt den Ablauf von der Produktsuche bis zur vom Kunden genehmigten Zahlung ab.
Für die Abwicklung nutzt „Agent Pay“ tokenisierte Berechtigungen und bietet optional ein Settlement über Stablecoins an. Zu den über 30 Partnern zählen Unternehmen wie Stripe, Coinbase, Adyen, Ripple sowie die Solana Foundation.
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Visa plant parallel dazu ein eigenes Trust-Framework für den Zahlungsverkehr durch KI-Agenten. Laut einer Umfrage von Forbes schenken derzeit etwa 23 % der Nutzer KI-Agenten das Vertrauen, finanzielle Transaktionen in ihrem Namen durchzuführen.
Automatisierung in Beschaffung und Finanzwesen
Über den reinen Zahlungsverkehr hinaus findet die Integration agentischer KI verstärkt in betrieblichen Finanzprozessen statt. Automation Anywhere veröffentlichte eine Lösung für den Procure-to-Pay-Prozess, die unter anderem das Onboarding von Lieferanten, Bestellungen und die Rechnungsverarbeitung abdeckt. Die zugrundeliegende Technologie soll in der Kreditorenbuchhaltung eine Dunkelverarbeitung von bis zu 90 % ermöglichen.
Der Anbieter Paystand hat eine Finance-Suite mit sogenannten digitalen Mitarbeitern vorgestellt. Diese spezialisierten Agenten übernehmen Aufgaben im Berichtswesen, im Ausgabenmanagement und im Forderungseinzug.
Zielgrößen des Unternehmens sind eine Verkürzung des Monatsabschlusses um 78 % und eine Reduzierung der Außenstandsdauer (DSO) um 62 %. Bis Ende 2026 plant Paystand, neben 500 menschlichen Mitarbeitern rund 5.000 digitale Agenten einzusetzen.
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Weitere Akteure wie Globality mit der Plattform „Glo 2.0“ setzen auf autonomes Sourcing, bei dem KI-Agenten selbstständig über Preise, Qualität und Lieferbedingungen verhandeln. Auch Docusign öffnet seine Plattform: Ab dem 30. September 2026 soll der MCP Server für verschiedene KI-Agenten zugänglich sein, damit diese Verträge durchsuchen und Richtlinien prüfen können.
Marktentwicklung und Sicherheitsaspekte
Die Bedeutung dieser Technologien spiegelt sich in den Investitionserwartungen wider. Laut Analysten von Gartner könnten die Ausgaben für SCM-Software im Bereich agentischer KI von unter 2 Mrd. USD im Jahr 2025 auf 53 Mrd. USD im Jahr 2030 steigen. Bis dahin wird eine Adoptionsrate von 60 % erwartet.
Ein wesentlicher Treiber für die Standardisierung ist die Sicherheit. Eine Partnerschaft zwischen Zone & Co und Eftsure zielt darauf ab, Bankkonten vor der Zahlungsfreigabe zu verifizieren. Hintergrund sind Daten der Association for Financial Professionals, wonach 76 % der US-Organisationen im Jahr 2025 mit versuchtem oder tatsächlichem Zahlungsbetrug konfrontiert waren.
Agentische Frameworks wie SAFE von Sidetrade oder die Lösungen von Esker setzen daher auf eine Kombination aus umfangreichen Transaktionsdaten und strengen Governance-Richtlinien, um die Integrität automatisierter Finanzprozesse zu gewährleisten.
