Knochenzement, Lunge

Knochenzement in der Lunge: CT findet Embolien bei 9,4 Prozent der Patienten

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bildgebende Nachkontrollen zeigen häufig unbemerkte Zementembolien; zugleich bleibt der Nutzen des Eingriffs unter Fachleuten umstritten.
Ein steriler, moderner medizinischer Untersuchungsraum mit bildgebender Medizintechnik in gedämpftem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Bei der minimalinvasiven Stabilisierung von Wirbelkörperbrüchen mittels Knochenzement treten Embolien in den Lungenarterien offenbar weitaus häufiger auf, als dies im klinischen Alltag unmittelbar bemerkt wird.

Eine Untersuchung der Mayo Clinic, die im American Journal of Neuroradiology veröffentlicht wurde, legte bereits 2011 offen, dass Zementübertritte in das venöse Gefäßsystem vielfach unentdeckt bleiben. Bei 9,4 Prozent von 244 Patienten, bei denen im Nachgang eine Computertomographie des Brustkorbs vorlag, stellte ein Radiologe mindestens einen Zementembolus in den Lungenarterien fest.

Hohe Dunkelziffer bei bildgebenden Nachkontrollen

Die retrospektive Auswertung der Mayo Clinic umfasste 23 betroffene Patienten, bei denen im Schnitt rund 3 Zementfragmente nachgewiesen wurden. Auffällig war dabei die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Befund und der zeitnahen Wahrnehmung durch das behandelnde Personal: Der jeweilige Operateur hatte die Leckage lediglich bei 2 dieser 23 Patienten erkannt.

Auch in den ursprünglichen Befundberichten der Thorax-CT-Untersuchungen war die Embolie nur bei 4 Personen dokumentiert worden. Eine klinische Symptomatik wies lediglich 1 der Betroffenen auf, was den oft stummen Charakter dieser Komplikation unterstreicht.

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Weitere Arbeiten bestätigen, dass das Risiko für Zementembolien stark von der gewählten Bildgebungsmethode abhängt. Eine Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift Clinical Orthopaedics and Related Research aus dem Jahr 2014 bezifferte die Häufigkeit je nach Diagnoseverfahren auf Raten zwischen 2,1 Prozent und 26 Prozent.

Zudem waren der Literatur bis zu jenem Jahr mindestens 6 gemeldete Todesfälle nach einer Vertebroplastie zu entnehmen. Am MD Anderson Cancer Center waren bereits 2004 auf einfachen Röntgenaufnahmen des Brustkorbs nach 3 von 65 Eingriffen Zementembolien festgestellt worden, was einem Anteil von 4,6 Prozent entsprach.

Seltene, aber schwerwiegende Wanderungen von Fragmenten

Dass ausgetretenes Zementmaterial in Einzelfällen zu gravierenden kardiologischen Eingriffen führen kann, belegt ein Fallbericht aus dem Jahr 2026 im Anatolian Journal of Cardiology.

Bei einer 77-jährigen Patientin im chinesischen Chongqing hatte sich nach einer Vertebroplastie am zwölften Brustwirbelkörper (T12) ein 7 Zentimeter langes Zementfragment gelöst. Dieses wanderte bis an die Trikuspidalklappe des Herzens und musste im Rahmen einer offenen Operation chirurgisch entfernt werden.

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Kontroverse Bewertung des klinischen Nutzens

Vor dem Hintergrund dieser potenziellen Risiken wird der therapeutische Stellenwert der Vertebroplastie in der Fachwelt seit Jahren kontrovers diskutiert.

Ein Cochrane Review aus dem Jahr 2018, das 21 Studien mit 541 Patienten und 5 Scheinvergleichen (Sham) berücksichtigte, fand keinen wichtigen Nutzen des Eingriffs hinsichtlich Schmerzreduktion, Behinderung oder Lebensqualität. Die Autoren wiesen zudem darauf hin, dass 8 der einbezogenen Studien teilweise durch Hersteller von Medizinprodukten finanziert worden waren.

Gleichzeitig verweisen Befürworter auf abweichende Studienergebnisse bei strenger Patientenselektion. In der VAPOUR-Studie aus dem Jahr 2016 mit 120 Teilnehmenden erzielten 44 Prozent in der Vertebroplastie-Gruppe nach 2 Wochen eine klinisch relevante Schmerzlinderung, verglichen mit 21 Prozent unter der Sham-Prozedur.

Vor diesem Hintergrund hält beispielsweise das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) an der Empfehlung fest, die Vertebroplastie oder Kyphoplastie bei Patientinnen und Patienten mit schweren Schmerzen infolge einer frischen Fraktur weiterhin einzusetzen.

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