Knochendichte im Alter: Tee zeigt messbaren Vorteil für Frauen
Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 04:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie der Flinders University, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Nutrients, liefert neue Erkenntnisse darüber, wie sich Tee- und Kaffeekonsum langfristig auf die Knochendichte älterer Frauen auswirken. Die Forscher um Ryan Yan Liu und Enwu Liu werteten Daten von fast 10.000 postmenopausalen Frauen ab 65 Jahren über einen Beobachtungszeitraum von rund zehn Jahren aus.
Grundlage war die Study of Osteoporotic Fractures, eine Datenbank des US-amerikanischen National Institute on Aging und des National Institute of Arthritis and Musculoskeletal and Skin Diseases. Konkret analysierten die Autoren 9.704 Frauen und untersuchten die Knochenmineraldichte an Hüfte und Schenkelhals.
Tee mit messbarem Vorteil
Die Auswertung zeigte einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen regelmäßigem Teekonsum und einer höheren Knochendichte im gesamten Hüftbereich. Die gemessene Differenz lag bei 0,003 g/cm².
Als mögliche Erklärung nennen die Studienautoren die in Tee enthaltenen Polyphenole beziehungsweise Catechine, denen positive Effekte auf den Knochenstoffwechsel zugeschrieben werden. Interessanterweise zeigte sich der Tee-Vorteil laut der Analyse besonders ausgeprägt bei Frauen mit Adipositas.
Kaffee: Menge entscheidet
Beim Kaffeekonsum fiel das Bild differenzierter aus. Ein moderater Konsum von zwei bis drei Tassen pro Tag galt in der Hauptanalyse als unbedenklich, ein signifikanter Zusammenhang mit der Knochendichte ließ sich hier nicht feststellen.
Anders bei höherem Konsum: Mehr als fünf Tassen Kaffee pro Tag gingen laut der Flinders-Studie mit einer geringeren Knochendichte und einem erhöhten Osteoporose-Risiko einher.
Als mögliche Ursache verweisen die Forscher auf eine Störung der Calciumaufnahme durch Koffein, wobei der Zusatz von Milch diesen Effekt abmildern könne. Verstärkt wurde der negative Kaffee-Effekt zudem bei Frauen mit hohem Alkoholkonsum beobachtet.
Die Autoren betonen jedoch, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, aus der sich kein Kausalzusammenhang ableiten lässt.
Einordnung durch Fachleute
Melissa Prest von der Academy of Nutrition and Dietetics wies darauf hin, dass Tee kein Ersatz für Calcium, Vitamin D, Protein, Krafttraining und einen Verzicht auf das Rauchen sei. Den Befund zu hohem Kaffeekonsum bewertete sie als Signal für weitere Forschung, nicht als Beweis für tatsächlichen Knochenverlust. Daniel Wiznia von der Yale University schätzte die gefundene Assoziation als klinisch nicht zwingend relevant ein.
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Ähnlich äußerte sich Professor Ewa Stachowska, die betonte, dass letztlich die Gesamtmenge an Calcium, Vitamin D, Protein und Bewegung entscheidend sei.
Der Orthopäde und Traumatologe Hakan Özer verwies darauf, dass für gesunde Erwachsene eine tägliche Gesamtkoffeinaufnahme von maximal 400 Milligramm als Richtwert gilt und dass Kaffeesorte, Zubereitungsart und Portionsgröße wichtiger seien als die reine Tassenzahl. Moderater Kaffeekonsum erodiere die Knochen demnach nicht.
Weitere Studien stützen den Trend
Auch andere Untersuchungen deuten auf einen komplexen Zusammenhang zwischen Koffein und Knochengesundheit hin. Eine Analyse des Seoul University Hospital, die auf der südkoreanischen National Health and Nutrition Survey aus den Jahren 2008 bis 2011 mit 4.066 postmenopausalen Frauen basiert, fand sogar ein reduziertes Osteoporose-Risiko bei moderatem Kaffeekonsum: minus 21 Prozent bei weniger als einer Tasse täglich, minus 33 Prozent bei einer Tasse und minus 36 Prozent bei zwei Tassen.
Ein erhöhtes Osteoporose-Risiko zeigte sich in dieser Untersuchung erst ab einer Koffeinaufnahme von mehr als 330 Milligramm, entsprechend mehr als drei Tassen à 200 Milliliter.
Eine Übersichtsarbeit der ?l?ski Uniwersytet Medyczny, die 53 Studien zum Einfluss von Koffein auf das Skelett auswertete, kommt zu einem vergleichbaren Schluss: Niedrige Koffeinaufnahme schadet den Knochen demnach nicht und kann teils sogar schützend wirken, während hohe Dosen die Mineralisierung verschlechtern, die Gewebedichte senken und den Knochenmasseverlust beschleunigen können.
Besonders kritisch sei dies in Wachstumsphasen, bei Östrogenmangel sowie während der Heilung von Knochen- und Zahngewebe. Für gesunde Erwachsene gilt moderater Konsum den Autoren zufolge jedoch meist als sicher.
Relevanz für die Praxis
Die Ergebnisse gewinnen vor dem Hintergrund an Bedeutung, dass Osteoporose laut der Flinders-Studie etwa eine von drei Frauen nach dem 50. Lebensjahr betrifft.
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Angesichts der Beobachtungsnatur der Daten raten die beteiligten Fachleute übereinstimmend dazu, Ernährungsgewohnheiten wie Tee- und Kaffeekonsum nicht isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenhang mit ausreichender Calcium- und Vitamin-D-Zufuhr, ausreichend Protein und regelmäßiger körperlicher Aktivität zu bewerten.
