Kniearthrose: Sechs Wochen Gangtraining bremsen Schmerzen und Knorpelverlust
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mediziner warnen vor den gesundheitlichen Folgen exzessiver Belastungen sowie anhaltenden Sitzens, da beide Faktoren das Risiko für Gelenkverschleiß und entzündliche Prozesse deutlich erhöhen. Gelenkerkrankungen wie Arthrose stellen weltweit eine erhebliche Belastung dar.
Laut einer Untersuchung von Ding et al. im Fachjournal Archives of Public Health aus dem Jahr 2025 sind global rund 595 Millionen Menschen von Arthrose betroffen; bis zum Jahr 2050 werden voraussichtlich 11 Prozent der Weltbevölkerung darunter leiden. In Deutschland liegt die Zahl der Betroffenen bei etwa 5 Millionen.
Biomechanisches Gangtraining verlangsamt Knorpelabbau
Besonders häufig tritt der Verschleiß am Knie auf: Im inneren Kniekompartiment ist eine Arthrose bei rund 22 Prozent der über 40-Jährigen verbreitet. Eine in The Lancet Rheumatology veröffentlichte Studie eines Forschungsteams um Scott Uhlrich von der University of Utah, der Stanford University und der New York University untersuchte biomechanische Anpassungen zur Entlastung dieses Gelenkbereichs.
In der Untersuchung trainierten 34 von insgesamt 68 Probanden über sechs Wochen hinweg mithilfe von Vibrationssensoren am Schienbein eine veränderte Fußhaltung, bei der die Zehen um 5 oder 10 Grad nach innen oder außen gedreht wurden. Die übrigen 34 Teilnehmer bildeten eine Kontrollgruppe. Die korrigierte Haltung wurde im Alltag auf etwa 1 Grad genau eingehalten.
Nach einem Jahr sank der Schmerzwert auf einer Zehnerskala in der Trainingsgruppe um 2,5 Punkte, während der Rückgang in der Kontrollgruppe 1,3 Punkte betrug. Insgesamt erreichten 91 Prozent der Interventionsgruppe eine klinisch relevante Schmerzlinderung. Magnetresonanztomografische Untersuchungen bestätigten zudem einen verlangsamten Knorpelverlust.
Stellenwert regenerativer Verfahren in Leitlinien
Neben konservativen Anpassungen der Bewegung gewinnen biologische Ansätze an Bedeutung. Die Therapie mit autologem conditioniertem Plasma (ACP), auch als plättchenreiches Plasma (PRP) bezeichnet, nutzt körpereigene Konzentrate mit über 1.100 nachgewiesenen Proteinen. Eine Meta-Analyse mit knapp 2.000 Datensätzen von Kniearthrose-Patienten zeigte unter dieser Behandlung signifikante Verbesserungen von Schmerz und Funktion gegenüber Placebo.
Prof. Dr. med. Gerald Zimmermann, Chefarzt für Unfallchirurgie und Sporttraumatologie am Theresienkrankenhaus Mannheim, wies darauf hin, dass inzwischen viele Studien zu diesem Verfahren vorlägen, von denen die meisten eine Erfolgsquote von 80 bis 90 Prozent auswiesen.
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Das Verfahren kommt vor allem bei früher bis mittelschwerer Arthrose der Grade I bis III zum Einsatz. PRP ist sowohl in der deutschen S3-Leitlinie zur Gonarthrose als Option verzeichnet als auch durch das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) bei Kniearthrose empfohlen.
Bewegungsmangel und Belastungen am Arbeitsplatz
Während Fehlbelastungen Gelenke schädigen können, birgt auch mangelnde Bewegung erhebliche Risiken. Laut einer Umfrage von Fellowes Deutschland unter mehr als 1.000 Büroangestellten leiden 68 Prozent im Arbeitsumfeld unter Schmerzen, wobei 56 Prozent über sitzbedingte Rückenbeschwerden klagen. Im vorangegangenen Jahr fehlten 45 Prozent der Befragten durchschnittlich an 15 Tagen aufgrund von Beschwerden.
Gleichzeitig gaben 26 Prozent an, an ihrem Arbeitsplatz noch nie eine Gefährdungsbeurteilung erhalten zu haben. Nur 22 Prozent glauben, dass der Arbeitgeber in geeignete ergonomische Arbeitsmittel investiert, während fast ein Drittel der Ansicht ist, dass die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden.
Eine zusätzliche Rückenstütze halten 42 Prozent für sinnvoll. Zudem nannten 54 Prozent die Arbeitsumgebung als Hauptursache ihrer Beschwerden. In hybriden Arbeitsmodellen arbeiten 18 Prozent an beliebigen freien Flächen und 13 Prozent auf dem Sofa; jüngere Beschäftigte im Alter von 18 bis 34 Jahren nehmen häufiger gesundheitliche Auszeiten.
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Auch im Zusammenhang mit Gefäßerkrankungen warnen Kliniken wie das Ortenau Klinikum Offenburg anlässlich des Welt-Thrombose-Tags am 13. Oktober vor den Folgen von Immobilität und langem Sitzen. Zur Vorbeugung wird geraten, die Position regelmäßig zu wechseln, die Füße zu bewegen und wiederholt aufzustehen.
Vorbereitung auf sportliche Spitzenbelastungen
Um Überlastungen zu vermeiden, raten Sportmediziner Personen mit Gelenkbeschwerden zu einer strukturierten Vorbereitung auf intensive Aktivitäten wie Wintersport, bei denen Knie- und Hüftgelenke besonders gefordert sind. Sinnvoll ist funktionelles Krafttraining für Beine und Rumpf in den letzten Wochen vor der Belastung, ergänzt durch Radfahren, Aquajogging, Nordic Walking oder Skigymnastik.
Während des Sports unterstützen Aufwärmübungen, Dehnen, das Anpassen der Geschwindigkeit sowie regelmäßige Pausen den Gelenkschutz. Zudem gelten Carving-Ski mit angepassten Bindungen oder gelenkschonendere Alternativen wie Skilanglauf und Schneewandern als empfehlenswert.
