Kniearthrose: Personalisierte Gangkorrektur lindert Schmerzen und bremst Knorpelabbau
Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine im August 2025 im Fachjournal The Lancet Rheumatology publizierte Untersuchung der University of Utah, der New York University und der Stanford University rückt eine biomechanische Intervention in den Mittelpunkt der konservativen Arthrosetherapie: Die gezielte, personalisierte Gangkorrektur durch eine individuelle Anpassung des Fußwinkels kann Schmerzen bei Kniegelenkarthrose ähnlich wirksam lindern wie medikamentöse Therapien.
Zudem verlangsamt die Methode den weiteren Abbau von Knorpelgewebe. Die randomisierte und placebokontrollierte Studie zeigt damit neue Wege auf, um die Gelenkbelastung im Alltag ohne pharmazeutische Nebenwirkungen zu verringern.
Mechanische Entlastung als Ansatzpunkt bei Gonarthrose
Das Kniegelenk ist im Alltag erheblichen physikalischen Kräften ausgesetzt. Beim normalen Gehen muss das Gelenk bereits das 2,5-Fache des eigenen Körpergewichts abfedern, während beim Treppenabsteigen sogar das 3,5-Fache auf die Strukturen einwirkt. Die Erkrankung beginnt häufig schleichend mit sogenannten Anlaufschmerzen.
Medizinisch wird der Verschleiß in vier Schweregrade unterteilt:
- Bei Grad 1 ist das Knorpelgewebe erweicht oder aufgequollen.
- Grad 2 beschreibt oberflächliche Einrisse von weniger als 50 Prozent der Knorpeldicke.
- Bei Grad 3 reichen tiefe Risse über mehr als 50 Prozent der Dicke hinaus.
- Grad 4 markiert den vollständigen Verlust, bei dem der Knochen freiliegt; betrifft dies größere Flächen, liegt eine ausgeprägte Arthrose vor.
Indem der Fußwinkel beim Gehen individuell modifiziert wird, lassen sich die Belastungsachsen verändern. Die Ergebnisse der US-Forschergruppen verdeutlichen, dass diese mechanische Druckumverteilung den Verschleißprozess messbar bremsen kann.
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Hohe Krankheitslast treibt Suche nach Alternativen
Die Relevanz nicht-invasiver Behandlungsmethoden wächst vor dem Hintergrund steigender Fallzahlen. Weltweit sind rund 595 Millionen Menschen von Arthrose betroffen, und Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2050 etwa 11 Prozent der Weltbevölkerung erkrankt sein werden.
In Deutschland schwanken die Schätzungen je nach Erhebung: Während anlässlich des Welt-Arthrose-Tags von rund 5 Millionen Betroffenen berichtet wurde, gehen andere Erhebungen von bis zu 8 Millionen leidenden Personen aus.
Bislang stützt sich die konservative Behandlung auf verschiedene Säulen. Bei bestehenden Knorpelschäden wird ein Krafttraining von zwei- bis dreimal pro Woche empfohlen, um die stabilisierende Muskulatur zu stärken. Eine multimodale Schmerztherapie führt laut Erhebungen bei 70 bis 80 Prozent der Teilnehmenden zu einer anhaltenden Linderung.
Ergänzend untersuchen Wissenschaftler auch das allgemeine Aktivitätsverhalten. Eine im British Journal of Sports Medicine erschienene dänische Beobachtungsstudie mit 17.661 Teilnehmenden – darunter 11.750 Personen mit Kniearthrose und einem Durchschnittsalter von 66,5 Jahren bei einem Frauenanteil von 72,7 Prozent – zeigte, dass bei Kniearthrose kein Zusammenhang zwischen hoher Stoßbelastung und dem späteren Einsatz einer Endoprothese bestand. Allerdings erreichten in dieser Kohorte lediglich 5,2 Prozent ein hohes Aktivitätsniveau auf der UCLA-Skala.
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Stellenwert im therapeutischen Spektrum
Vor dem Hintergrund, dass medikamentöse Schmerztherapien oft mit Risiken für Magen oder Herz-Kreislauf-System einhergehen, bieten gezielte biomechanische Modifikationen wie die Anpassung des Gangbildes eine risikoarme Ergänzung.
Da die personalisierte Gangkorrektur direkt an der Ursache der mechanischen Überlastung ansetzt, könnte sie künftig dazu beitragen, den Übergang zu fortgeschrittenen Stadien zu verzögern und operative Eingriffe hinauszuschieben.
