Kniearthrose, Individueller

Kniearthrose: Individueller Fußwinkel senkt Schmerzen nach einem Jahr deutlich

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 11:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine personalisierte Gangschulung verringerte Knieschmerzen stärker als das Kontrollprogramm; der Knorpelwert T1rho verschlechterte sich langsamer.
Ein heller, minimalistischer Bewegungsraum mit einem hölzernen Ballett- oder Trainingshandlauf an einer weißen Wand. Illustration mit AI erstellt.

Gezielte Anpassung des Fußwinkels entlastet das Gelenk

In einer US-Studie der Universitäten Utah, NYU und Stanford, die im Jahr 2025 im Fachjournal Lancet Rheumatology publiziert wurde, untersuchten Wissenschaftler den Effekt einer personalisierten Gangschulung bei leichter bis mittelschwerer medialer Kniearthrose.

Die Untersuchung an 68 Patienten zeigte, dass ein individuell veränderter Fußwinkel den Knieschmerz maßgeblich verringern kann. Auf einem mit Sensoren ausgestatteten Laufband ermittelten die Forscher für jeden Probanden eine spezifische Fußstellung von entweder 5° oder 10° nach innen oder nach außen.

Das anschließende Trainingsprogramm erstreckte sich über sechs Wochen mit einer wöchentlichen Einheit sowie täglich mindestens 20 Minuten Training. Nach einem Jahr verbesserte sich der Wert auf der Schmerzskala von 0 bis 10 in der personalisierten Gruppe um durchschnittlich 2,5 Punkte, während die Kontrollgruppe einen Rückgang um 1,3 Punkte verzeichnete.

Bei der MRT-Auswertung zeigte sich zudem, dass sich der T1rho-Wert für die Knorpelgesundheit in der Interventionsgruppe langsamer verschlechterte. Beim T2-Wert gab es hingegen keinen signifikanten Gruppenunterschied.

Co-Autor Scott Uhlrich von der Universität Utah ordnete die beobachtete Effektstärke zwischen jener rezeptfreier und opioider Schmerzmittel ein, wies jedoch darauf hin, dass ein direkter Vergleich fehle. Das Verfahren eignet sich zudem nicht für alle Betroffenen: Bei einigen Probanden ließ sich die Kniebelastung über keinen der getesteten Winkel senken.

Stellenwert von Bewegungstherapie und Muskelaufbau

Die Ergebnisse ergänzen die bestehende wissenschaftliche Basis zur konservativen Behandlung von Kniegelenksbeschwerden. Ein Cochrane-Review von Fransen aus dem Jahr 2015, der 44 Studien mit 3.537 Personen umfasste, belegte, dass Bewegung bei Kniearthrose den Schmerz um rund 12 und die Funktion um etwa 10 von 100 Punkten verbessert. Laut einem Konsens aus dem Jahr 2016 gilt die Bewegungstherapie als erste Wahl bei vorderem Knieschmerz.

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Eine randomisierte Untersuchung im Journal of Physical Therapy Science aus dem Jahr 2014 mit 42 Teilnehmern im Alter von 40 bis 65 Jahren zeigte zudem, dass ein fünfwöchiges Programm mit gestreckter Beinhebung und isometrischen Übungen Kraft, Schmerz und Kniefunktion steigerte, wenngleich eine Übertragbarkeit auf alle älteren Personen nicht gegeben ist.

Über die reine Kniebewegung hinaus beeinflussen angrenzende Muskelgruppen die Gelenkbelastung erheblich. Eine Auswertung von Nascimento aus dem Jahr 2018 ergab, dass eine kombinierte Hüft- und Kniekräftigung Schmerz und Alltagsfunktion stärker verbessert als ein Knietraining allein.

Beim Treppensteigen wird das Gelenk aufwärts mit etwa dem Dreifachen und abwärts mit etwa dem Fünffachen des Körpergewichts belastet. Eine schwache Hüftaußenmuskulatur, insbesondere des Musculus gluteus medius, sowie ein steifes Sprunggelenk führen dazu, dass das Knie nach innen einspringt. Wie Khamis 2007 darlegte, beeinflusst zudem eine Fußüberpronation die Ausrichtung des Beckens.

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Gelenkschonende Belastung im Behandlungsalltag

Das therapeutische Ziel bei degenerativer Kniearthrose besteht im Erhalt der Gelenkfunktion und der Schmerzlinderung, nicht in der Knorpelwiederherstellung. Nach erfolgter Schmerzreduktion rücken das Kräftigen des vorderen Oberschenkels und der Hüftmuskulatur sowie gelenkschonende Aktivitäten wie flaches Gehen und das Training auf dem Heimtrainer in den Mittelpunkt.

Der Sportwissenschaftler Felipe Isidro betonte, dass ein Knie nur durch eine ausreichende, erholbare und wiederholte Belastung stark werde. Viele Kniebeschwerden entstünden nicht durch die Nutzung an sich, sondern durch Überlastung, weshalb ein Gleichgewicht zwischen Erholung und progressiver Bewegung sowie Kräftigung, Mobilität und Flexibilität nötig sei.

Als schonende Bewegungsformen gelten Schwimmen, Radfahren, Nordic Walking und Tai Chi, da deren rhythmische Kompression und Entlastung die Synovialflüssigkeit anregt. Entsprechende Leitfäden empfehlen Ausdauertraining an drei bis vier Tagen pro Woche für 30 bis 45 Minuten, ergänzt durch Kräftigungseinheiten an zwei bis drei Tagen und ein vorangehendes Aufwärmen von mindestens zehn Minuten.

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