Kniearthrose in der TCM: Zehn Sitzungen kombinieren Akupunktur und Wärme
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) werden degenerative Gelenkerkrankungen wie die Kniegelenksarthrose sowie chronisch-rheumatische Beschwerden primär als sogenannte Bi-Syndrome eingestuft.
Innerhalb dieses Konzepts differenziert die Lehre unter anderem zwischen Formen wie Xingbi, Zhuobi und Tongbi, die durch das Einwirken von pathogenen Faktoren wie Wind, Kälte oder Feuchtigkeit sowie durch lokale Blockaden in den Leitbahnen entstehen.
Für die Behandlung steht ein mehrgleisiger therapeutischer Ansatz zur Verfügung, der Nadelung, Moxibustion, manuelle Techniken und pflanzliche Rezepturen kombiniert. Bei schweren Verläufen wird zudem eine begleitende schulmedizinische Arzneimitteltherapie empfohlen.
Gezielte Reizung von Akupunkturpunkten und Wärmeanwendungen
Zur Schmerzlinderung und Wiederherstellung des funktionellen Flusses werden in der Praxis standardisierte Behandlungsprotokolle eingesetzt. Dazu gehört die Punktinjektion mit Chuanxiong-Lösungen an ausgewählten Punkten wie Zusanli, Yanglingquan, Yinlingquan, Xuehai oder Liangqiu. Pro Sitzung werden üblicherweise zwei bis drei Punkte behandelt; die Anwendungen erfolgen alle zwei Tage im Rahmen eines Behandlungszyklus von zehn Sitzungen.
Ergänzend kommt die Ohrakupunktur zum Einsatz, insbesondere an den Zonen Shenmen und am Sympathikus-Punkt. Hier verbleiben die feinen Nadeln für rund 20 Minuten bei täglicher Behandlung über einen Zeitraum von zehn Sitzungen.
Für die kontinuierliche Stimulation zwischen den Terminen eignen sich Ohrakupressur-Pflaster, die vier- bis fünfmal täglich für jeweils zwei bis drei Minuten stimuliert und alle fünf bis sieben Tage gewechselt werden.
Um Kälte und Feuchtigkeitsstauungen aufzulösen, wird die Wärmetherapie mittels Moxibustion an Punkten wie Zusanli, dem inneren Xiyan, Yanglingquan und Yinlingquan durchgeführt. Die Behandlungsdauer liegt bei 20 bis 30 Minuten täglich über zehn Sitzungen.
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Arzneipflanzen zur Linderung von Blockaden und Gelenkschwäche
Die chinesische Phytotherapie stützt sich bei rheumatischen Beschwerden auf spezifische Einzelmittel und klassische Rezepturen.
- Großblättriger Enzian (Qin Jiao): Die Wurzel gilt als geschmacklich bitter sowie scharf und adressiert die Funktionskreise Leber, Gallenblase und Magen. Inhaltsstoffe wie das Bitterstoffglykosid Gentiopikrosid und Alkaloide tragen dazu bei, Wind-Feuchtigkeit zu vertreiben sowie Muskel- und Gelenksteifheit zu mindern. Die Arznei ist Bestandteil bekannter Mischungen wie Du Huo Ji Sheng Tang. Die übliche Dosierung beträgt 3 bis 12 Gramm täglich als Abkochung oder Granulat. Sie sollte nicht bei schwacher Verdauung mit Neigung zu weichem Stuhl eingenommen werden.
- Japanische Karde (Xu Duan): Mit ihrem leicht wärmenden Charakter stärkt die Wurzel die Funktionskreise Leber und Niere. Sie wird insbesondere bei tief sitzenden Rücken- und Knieschmerzen angewandt. Die empfohlene Tagesdosis liegt zwischen 6 und 15 Gramm.
- Cyathula (Chuan Niu Xi): Diese Wurzel wird traditionell genutzt, um Blutstauungen aufzulösen und die Leitbahnen in den unteren Extremitäten zu öffnen. Bei Gelenkbeschwerden der Knie und Beine kommen Dosierungen von 5 bis 10 Gramm täglich zum Einsatz. Bei bestehender Einnahme von Gerinnungshemmern sowie während einer Schwangerschaft ist dieses Mittel kontraindiziert.
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Manuelle Therapie und Lebensstilmaßnahmen
Als Ergänzung zur Akupunktur fungiert die Tuina-Massage, eine therapeutische Technik, die mittels gezieltem Druck, Dehnungen und Gelenkmobilisation entlang der Meridiane arbeitet. Eine klinische Tuina-Einheit dauert in der Regel 30 bis 60 Minuten und wird am bekleideten Körper durchgeführt, um Verspannungen zu lösen und die Durchblutung des Weichteilgewebes zu fördern.
Im Alltag wird Betroffenen geraten, die betroffenen Gelenke konsequent warm zu halten und feuchtkalte Exposition zu vermeiden. Ernährungstherapeutisch wird die Reduktion extrem fetter oder süßer Nahrungsmittel empfohlen, während wärmende oder Feuchtigkeit ausleitende Zutaten wie Ingwer, Coixsamen, Yamswurzel und Poria den Genesungsprozess unterstützen können.
Treten akute Entzündungszeichen wie Rötung, starke Überwärmung, Schwellung oder Fieber auf, raten Fachleute von reinen Hausmitteln ab und verweisen auf eine unmittelbare klinische Abklärung.
