Kniearthrose, BMI-Punkte

Kniearthrose: Fünf BMI-Punkte mehr erhöhen das Risiko um 35 Prozent

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 16:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Forschung zu Gelenkpräparaten liefert gemischte Ergebnisse; Ernährung, Gewichtsmanagement und Bewegung bleiben wichtige Bestandteile der Empfehlungen.
Mikroskopische Nahaufnahme von gesundem Knorpelgewebe zur Veranschaulichung der Gelenkstruktur. Illustration mit AI erstellt.

Fachartikel und Gesundheitsratgeber befassen sich verstärkt mit der Frage, welchen Nutzen Nahrungsergänzungsmittel für die Gelenkgesundheit bieten. Im Mittelpunkt stehen dabei häufig Substanzen wie Glucosamin, Chondroitinsulfat und Methylsulfonylmethan (MSM), die einzeln oder in Kombinationspräparaten zur Linderung von Beschwerden bei degenerativen Gelenkerkrankungen wie Arthrose eingesetzt werden.

Wirkungsweisen von Glucosamin, Chondroitinsulfat und MSM

Glucosamin liefert grundlegende Bausteine für Knorpelgewebe sowie Gelenkflüssigkeit. In Fachpublikationen wird zwischen verschiedenen Formen differenziert: Während D-Glucosamin-Sulfat als Salzform mit Sulfatgruppe in klinischen Studien zu Arthrose hinsichtlich Schmerzlinderung und Progressionshemmung untersucht wurde, wird N-Acetyl-D-Glucosamin (NAG) eher mit der körpereigenen Hyaluronsäure-Synthese sowie Vorgängen in Darmflora und Hautbarriere assoziiert. Für knorpelbezogene Ziele wird daher vorrangig Glucosamin-Sulfat gemeinsam thematisiert.

Chondroitinsulfat ist ein sulfatiertes Glykosaminoglykan und wesentlicher Bestandteil der extrazellulären Knorpelmatrix. Es bindet Wasser im Gewebe und unterstützt so die Stoßdämpfung sowie Schmierung des Knorpels. Da die körpereigene Produktion im Alter oder infolge von Gesundheitsproblemen sinken kann, zielt eine Zufuhr darauf ab, Knorpelabbau zu verlangsamen.

Die beschriebenen Dosierungen variieren je nach Anwendungsbereich: Üblich sind Einnahmen von 200 bis 400 Milligramm bis zu dreimal täglich, in der Praxis und im Sportbereich werden oft Gesamtmengen von 800 bis 1.200 Milligramm pro Tag genannt, verteilt auf mehrere Dosen.

MSM wird häufig ergänzend beigefügt, da dem Stoff entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben werden und er die Bildung von Bindegewebe unterstützen soll. Auch Kombinationen mit Hyaluronsäure, Boswellia serrata oder Omega-3-Fettsäuren finden Verwendung.

Die Studienlage zur kombinierten Einnahme gilt jedoch als uneinheitlich: Neben Berichten über eine Verbesserung der Gelenkfunktion und Schmerzlinderung zeigen andere Untersuchungen keine signifikanten Unterschiede gegenüber Kontrollgruppen.

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Kollagen und spezielle Nährstoffkombinationen

Neben den klassischen Knorpelbausteinen wird Kollagen intensiv diskutiert. Hierbei ist zwischen hydrolysiertem Kollagen und undenaturiertem Typ-II-Kollagen zu unterscheiden, deren Studienergebnisse nicht direkt aufeinander übertragbar sind.

Zwar ergab eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 positive Resultate für Hautparameter, eine spätere Untersuchung aus dem Jahr 2024 mit rund 1.500 Teilnehmenden kam jedoch zu gegenteiligen Schlüssen. Bei Kniearthrose existieren erste Hinweise auf Schmerzlinderung, eine präventive Wirkung ist hingegen nicht belegt.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) lehnte gesundheitsbezogene Werbeaussagen zu Kollagen wegen unzureichender Datenlage ab. Verbraucherschützer weisen zudem darauf hin, eine tägliche Dosis von 5 Gramm nicht zu überschreiten.

Auch weitere Stoffe wie spezialisierte Pro-resolving Mediatoren (PRMs) – aus Omega-3-Fettsäuren abgeleitete Metaboliten wie 17-HDHA, 14-HDHA und 18-HEPE – werden für anhaltende Beschwerden nach Reizzuständen beschrieben. Sie ersetzen jedoch keine Akuttherapien bei entzündlichen Schwellungen oder Autoimmunerkrankungen.

Eine im Fachjournal BMJ publizierte kanadische Analyse von 69 randomisierten Studien mit über 154.000 Erwachsenen zeigte zudem, dass die pauschale Gabe von Calcium und Vitamin D bei gesunden Erwachsenen Frakturen und Stürze klinisch kaum relevant verringert.

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Stellenwert von Ernährung, Gewicht und Bewegung

Fachgesellschaften wie SFR, EULAR und ACR sowie Mediziner betonen, dass Nahrungsergänzungsmittel keinesfalls eine ausgewogene Lebensweise oder notwendige medizinische Behandlungen ersetzen.

Eine an die mediterrane Küche angelehnte Ernährung – reich an Ballaststoffen, Gemüse, Nüssen und Omega-3-Fettsäuren sowie arm an zuckerhaltigen Getränken und rotem Fleisch – bildet zusammen mit Gewichtsreduktion die Basis therapeutischer Empfehlungen. Eine Erhöhung des Body-Mass-Index um 5 Punkte steigert Berechnungen zufolge das Risiko für Kniearthrose um 35 Prozent.

Zudem belegen mechanobiologische Übersichtsarbeiten, dass gezielte Bewegung als physiologische Mechanotherapie wirkt. Körperliche Aktivität beeinflusst mechanosensitive Signalwege in den Knorpelzellen positiv und verschiebt zelluläre Reaktionen von abbauenden hin zu regenerativen Prozessen.

Bei bestehenden Gelenkschmerzen sowie vor der Einnahme von Präparaten wird eine individuelle ärztliche Abklärung empfohlen, insbesondere bei Vorerkrankungen, Blutgerinnungsstörungen oder Allergien gegen Schalentiere.

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