Kniearthrose: BMJ-Metaanalyse sieht Ausdauertraining vorn
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 23:12 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Behandlung von Kniearthrose gewinnt die gezielte Bewegungstherapie in der medizinischen Praxis zunehmend an Bedeutung. Eine im Fachjournal The BMJ ausgewertete Metaanalyse, die mehr als 200 Studien mit rund 15.000 Teilnehmern umfasst, belegt den hohen Stellenwert von Ausdaueraktivitäten.
Demnach lindert aerobes Training wie zügiges Gehen, Schwimmen oder Radfahren die typischen Symptome der Kniearthrose wirksamer als andere Trainingsformen. Neben einer spürbaren Schmerzreduktion verzeichneten die Probanden deutliche Verbesserungen beim Gangbild, der Gelenkfunktion sowie der allgemeinen Lebensqualität.
Metaanalyse unterstreicht Nutzen von Ausdauersport und Kraftaufbau
Obwohl aerobes Training laut der Metaanalyse in The BMJ besonders deutliche Resultate erzielt, behalten auch Krafttraining, Mind-Body-Verfahren und Übungen zur Flexibilität ihren festen Platz im Behandlungsplan. Für den Erfolg sei jedoch eine langsame, schrittweise Steigerung der Belastung maßgeblich.
Ergänzende wissenschaftliche Untersuchungen stützen den präventiven und therapeutischen Wert von gelenkschonendem Ausdauersport. Eine US-Studie aus dem Jahr 2024 mit 2.607 Personen im Alter zwischen 45 und 79 Jahren zeigte, dass Radfahrer ein um 21 Prozent geringeres Risiko für röntgenologische und symptomatische Arthrose aufwiesen.
Zugleich gaben allerdings 95,5 Prozent der Radfahrer an, mindestens einmal Knieschmerzen erlebt zu haben. Als Richtwert für gesunde Erwachsene sowie bei beginnender Kniearthrose gelten mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche, beispielsweise aufgeteilt in drei Einheiten zu je 50 Minuten Radfahren oder 20 bis 30 Minuten an mehreren Tagen.
Wer unter Gelenkbeschwerden leidet und nach einer natürlichen Methode sucht, um Schmerzen in wenigen Minuten selbst zu lindern, kann von speziellen Druckpunkt-Techniken profitieren. Dieser bebilderte PDF-Guide zeigt Schritt für Schritt, wie Sie 101 bewährte Akupressur-Punkte ganz ohne Hilfsmittel aktivieren können. 101 Druckpunkte gegen Arthrose kostenlos entdecken
Für Einsteiger wird empfohlen, mit zwei- bis dreimal wöchentlich 30 bis 60 Minuten zu beginnen und dies durch Krafttraining an zwei bis drei Tagen pro Woche zu ergänzen.
Aufmerksamkeit erfordern zudem Begleitsymptome: Eine Untersuchung zu Reibegeräuschen im Kniegelenk an fast 3.500 Personen ergab, dass das Risiko einer symptomatischen Kniearthrose bei gelegentlichem Knirschen um das 1,9-Fache und bei regelmäßigem Knirschen um das 3,7-Fache erhöht war.
Entlastung durch gezielte Gewichtsreduktion
Neben der aktiven Bewegung spielt das Körpergewicht eine entscheidende Rolle für die Gelenkgesundheit. Wie Professor Berenbaum darlegte, lastet beim normalen Gehen das Drei- bis Vierfache und beim Laufen das Neun- bis Elffache des Körpergewichts auf dem Kniegelenk.
Eine Reduktion des Körpergewichts um 3 Kilogramm führt demnach zu einer Entlastung von rund 10 Kilogramm Druck pro Schritt beim Gehen. Eine Untersuchung mit 142 übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen mit Kniearthrose kam zu einem vergleichbaren Ergebnis: Jedes verlorene Kilogramm Körpergewicht war mit einer Reduktion der Kniebelastung um rund 4 Kilogramm pro Schritt verbunden.
Organisationen wie das britische National Institute for Health and Care Excellence (NICE) betonen, dass eine Gewichtsabnahme von rund 10 Prozent deutlich größere Verbesserungen bei Schmerz und Gelenkfunktion bringt als eine Reduktion um 5 Prozent.
Ein gezielter Muskelaufbau ist neben der Gewichtsreduktion essenziell, um die Gelenke zu stabilisieren und Schmerzen dauerhaft vorzubeugen. In diesem kostenlosen Ratgeber erfahren Sie, wie Sie mit nur 6 einfachen Übungen bequem von zuhause aus Ihre Kraft steigern und Muskelschwund effektiv entgegenwirken. Kostenlosen Krafttrainings-Ratgeber jetzt herunterladen
Auch das American College of Rheumatology (ACR) und die Arthritis Foundation empfehlen die Gewichtsreduktion bei Knie- und Hüftarthrose ausdrücklich in Kombination mit Bewegung und gezieltem Muskelaufbau.
Gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Nordic Walking, Aquagymnastik oder Tai Chi fördern durch rhythmische Kompression und Entlastung die Bildung der Synovialflüssigkeit. Empfohlen werden hierfür Einheiten von 30 bis 45 Minuten Ausdauertraining drei- bis viermal wöchentlich sowie statische und dynamische Kräftigungsübungen wie Kniebeugen oder Brückenübungen an zwei bis drei Tagen pro Woche.
Konservative Ansätze stehen vor einer Operation
Dass Arthrose eine weit verbreitete Volkskrankheit ist, belegen regionale Gesundheitsdaten. Nach Angaben der AOK NordWest litten im Raum Flensburg zuletzt rund 5.600 Menschen an Gelenkverschleiß an Knie oder Hüfte.
Für das Jahr 2025 verzeichnete die Kasse 1.800 Betroffene mit Hüftarthrose (2,3 Prozent der Bevölkerung) und 3.800 Menschen mit Kniearthrose (4,7 Prozent). Die Erkrankung tritt überwiegend ab dem 50. Lebensjahr auf.
Dr. Giovanni Bonaspetti vom Istituto Clinico Sant'Anna hob hervor, dass eine Kniearthrose keineswegs zwangsläufig zu einem operativen Gelenkersatz führen müsse. Die Indikation für eine Prothese hänge nicht allein vom Röntgenbild ab, sondern primär von Schmerzen, funktionellen Einschränkungen im Alltag und dem Ansprechen auf nicht-operative Therapien.
Als vorrangige konservative Maßnahmen gelten Physiotherapie, angepasste Bewegung, Gewichtsregulierung sowie der gezielte Einsatz von Medikamenten oder Infiltrationen. Auch Institutionen wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) stellen hierfür strukturierte Entscheidungshilfen für Betroffene bereit.
