Kniearthrose: 80 Prozent berichten nach GAE von weniger Schmerzen
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deKlinische Untersuchungen berichten über Erfolge bei der genikulären Arterienembolisation (GAE), einem minimalinvasiven kathetergestützten Verfahren, das bei Kniearthrose zu einer deutlichen Schmerzlinderung ohne offene Operation führen kann. Die Gelenkerkrankung stellt ein globales Gesundheitsproblem dar: Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit über 365 Millionen Erwachsene von Kniearthrose betroffen.
Ergebnisse der Charité-Untersuchung
Neue Erkenntnisse liefert eine in der Fachzeitschrift Radiology publizierte Untersuchung der Charité – Universitätsmedizin Berlin unter Leitung von Florian Nima Fleckenstein (DOI: 10.1148/radiol.253312).
Das Forschungsteam analysierte Daten von 194 Betroffenen mit Kniearthrose (114 Frauen und 80 Männer) mit einem Durchschnittsalter von 69 Jahren und einem durchschnittlichen Body-Mass-Index von 28,4. Alle Teilnehmenden litten trotz mindestens dreimonatiger konservativer Behandlungen – darunter Physiotherapie, Antirheumatika und Injektionen ins Kniegelenk – weiterhin unter anhaltenden Symptomen.
Im Zeitraum von Juli bis November 2024 wurden insgesamt 239 Eingriffe ambulant durchgeführt. Dabei sank der durchschnittliche Schmerzwert auf einer Skala von 0 bis 10 von ursprünglich 7 auf 4 nach sechs Wochen und ging nach sechs sowie nach zwölf Monaten weiter auf 3 zurück. Nach zwölf Monaten verzeichneten 80 Prozent der bewerteten Patientinnen und Patienten eine klinisch bedeutsame Schmerzlinderung.
Auch die funktionellen Werte verbesserten sich auf einer Skala von 0 (extremer Schmerz) bis 100 (schmerzfrei): Die Werte für alltägliche Aktivitäten stiegen von 53 auf 71,5, während der Bereich Sport und Freizeit von 15 auf 36 zulegte.
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Die Schmerzkategorie verbesserte sich von 44 auf 65. Sämtliche Eingriffe verliefen technisch erfolgreich. Bei 6,7 Prozent der Behandelten traten leichte, vorübergehende Komplikationen auf; schwere Komplikationen blieben aus.
Ablauf des minimalinvasiven Verfahrens
Die GAE wird ambulant in einer Praxis oder Tagesklinik unter lokaler Betäubung und einer leichten Sedierung vorgenommen, eine Vollnarkose ist nicht erforderlich. Der Eingriff dauert meist zwischen 60 und 90 Minuten. Über einen kleinen Gefäßzugang in der Leiste führen Ärztinnen und Ärzte einen Katheter ein, um gezielt kleine Arterien der entzündeten Gelenkhaut zu erreichen.
Dort werden resorbierbare Gelatine-Mikrosphären eingebracht, die kleiner als ein Sandkorn sind und sich innerhalb weniger Stunden wieder auflösen. Diese Partikel blockieren vorübergehend den abnorm gesteigerten Blutfluss in den Genikulararterien, wodurch Entzündungsprozesse gedämpft werden.
Nach dem schnittfreien Eingriff benötigen Betroffene weder Gipsverbände noch Krücken oder ein langwieriges Rehabilitationsprogramm. Die gewohnte Alltagsroutine kann in der Regel nach wenigen Tagen wieder aufgenommen werden. Leichte Übungen sind meist nach einer Woche möglich, stärkere Belastungen nach einigen Wochen.
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Erste Schmerzlinderungen stellen sich typischerweise innerhalb von ein bis zwei Wochen ein und können sich über Monate hinweg weiter ausprägen. Leichte Blutergüsse oder eine erhöhte Druckempfindlichkeit an der Einstichstelle klingen meist nach etwa zwei Wochen ab.
Einschränkungen und offene Forschungsfragen
Trotz der dokumentierten Schmerzreduktion gilt das Verfahren nicht als Heilung. Die GAE baut zerstörten Knorpel nicht wieder auf und verhindert nach bisherigem Kenntnisstand nicht das Fortschreiten der Grunderkrankung. Ebenso stellt die Methode keinen Ersatz für eine Knieprothese dar.
Zudem wies die Berliner Untersuchung keinen Kontrollarm auf. In einer früheren Schein-kontrollierten Studie zeigte sich kein signifikanter Unterschied zur Kontrollgruppe. Ein belastbarer Nachweis über die langfristige Beeinflussung der Krankheitsprogression steht daher noch aus, weshalb derzeit größere randomisierte Studien zur abschließenden Beurteilung durchgeführt werden.
