Kniearthrose, Inulin

Kniearthrose: 20 g Inulin täglich senken Schmerzen in klinischer Studie

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine sechswöchige Untersuchung verzeichnete mit Inulin und digitalem Training klinisch relevante Schmerzlinderung, aber keinen Zusatznutzen der Kombination.
Frische Chicorée-Wurzeln und Topinambur auf einem rustikalen Holztisch als Symbol für ballaststoffreiche Ernährung. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Gelenkschmerzen schränken den Alltag vieler Menschen drastisch ein. Nach Angaben von Lucy Donaldson von der Organisation Arthritis UK leben sechs von zehn Betroffenen meist oder fast immer mit Schmerz. Vor diesem Hintergrund gewinnen nichtmedikamentöse Ansätze zur Schmerzlinderung an Bedeutung.

Eine Untersuchung britischer Forscher der Universität Nottingham zeigt nun, dass die gezielte Beeinflussung der Darmgesundheit neue Möglichkeiten eröffnen könnte: In der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichte Ergebnisse der sogenannten INSPIRE-Studie belegen, dass die tägliche Einnahme von 20 g des präbiotischen Ballaststoffs Inulin die Schmerzsymptomatik bei Kniearthrose spürbar reduzieren kann.

Ergebnisse der randomisierten Vergleichsstudie

An der sechs Wochen dauernden, randomisierten und kontrollierten Studie nahmen 136 Erwachsene mit Kniearthrose teil, von denen 117 die Untersuchung abschlossen. Das Durchschnittsalter lag bei 67,5 Jahren, der Frauenanteil betrug 58,1 Prozent.

Das Forschungsteam teilte die Probanden auf vier Studienarme auf: eine Gruppe mit täglich 20 g Inulin, eine Gruppe mit einem digitalen Physiotherapie-Programm des Anbieters Joint Academy, eine Kombinationsgruppe beider Maßnahmen sowie eine Kontrollgruppe, die täglich 10 g eines Maltodextrin-Placebos erhielt.

Sowohl die Einnahme von Inulin als auch das Bewegungstraining führten zu statistisch signifikanten Verbesserungen im Vergleich zum Placebo. Auf der numerischen Schmerzskala sank der Schmerzwert in der Inulin-Gruppe um 1,11 Punkte und in der Physiotherapie-Gruppe um 1,55 Punkte.

Studienleiterin Afroditi Kouraki ordnete beide Resultate über der Schwelle von einem Punkt ein, ab der Fachleute von einer klinisch relevanten Besserung ausgehen. Auffällig war zugleich, dass die Kombination beider Ansätze keinen zusätzlichen Nutzen gegenüber den jeweiligen Einzelinterventionen erbrachte.

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Spezifische Wirkmechanismen und Mobilitätseffekte

Die beiden Therapieansätze wirkten sich unterschiedlich auf die funktionellen Parameter aus. Die Einnahme von Inulin verbesserte die Griffkraft um durchschnittlich 4,62 kg im Vergleich zur Placebogruppe und erhöhte zudem die Druckschmerzschwellen. Dagegen führte die Physiotherapie zu Fortschritten bei spezifischen Mobilitätstests wie Timed-up-and-go und Sit-to-stand.

Auf biochemischer Ebene führte ausschließlich das Inulin zu messbaren Anstiegen der Butyrat- und GLP-1-Spiegel. Ein höherer GLP-1-Wert korrelierte dabei mit einer stärkeren Griffkraft, wenngleich ein kausaler Zusammenhang bislang nicht belegt ist.

Unterschiede traten auch bei der Therapietreue zutage: Während die Abbruchquote in der reinen Inulin-Gruppe bei 3,6 Prozent lag, erreichte sie in der reinen Physiotherapie-Gruppe 21 Prozent. Zwar berichteten 23 von 50 Teilnehmenden unter Inulin über leichte Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, dies führte jedoch zu keinen Studienabbrüchen.

Grenzen der Erkenntnisse und Ernährungsempfehlungen

Das Studienteam der Universität Nottingham stuft Inulin als sicher, gut verträglich und wirksam ein, verweist jedoch auf Limitationen: Die Studie war mit sechs Wochen kurz angelegt und wies eine vergleichsweise kleine Stichprobengröße auf. Sie war zudem nicht auf die Erfassung von Synergieeffekten ausgelegt.

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Bislang fehlen validierte kommerzielle Dosierungen oder Protokolle, und auch die langfristigen Effekte sowie die Übertragbarkeit auf eine herkömmliche Ballaststoffzufuhr bleiben offen. Aussagen zu einer Regeneration des Knorpels lassen sich aus den Daten nicht ableiten.

Inulin kommt natürlicherweise in Lebensmitteln wie Zichorie, Topinambur, Zwiebeln und Knoblauch vor. Die Forschenden betonen ausdrücklich, dass der Ballaststoff lediglich eine Ergänzung darstellt und Bewegung nicht ersetzen kann.

Fachleute für Arthrose raten im Rahmen der Ernährungsumstellung generell dazu, ungesättigte Fette wie Oliven-, Walnuss-, Lein- oder Fischöl, fettarmen Fisch wie Hering und Makrele, Lauch- und dunkles Blattgemüse sowie Vollkorn, Linsen, Erbsen, Kurkuma und Ingwer zu bevorzugen.

Gleichzeitig wird Betroffenen empfohlen, gesättigte Fettsäuren, gehärtete Fette, Fleisch und stark verarbeitete Produkte sowie Alkohol, Nikotin und Koffein weitgehend zu meiden.

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de | wissenschaft | 70437812 |