Knie-App, Orthopy

Knie-App Orthopy: Patienten sehen sie als Ergänzung, nicht als Ersatz

Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 09:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Befragte schätzen flexible Übungen und Unterstützung vor Operationen, nennen aber Hürden bei Personalisierung und Bedienung.
Ein minimalistischer Physiotherapieraum mit einer Yogamatte, Widerstandsbändern und einer Faszienrolle auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) gewinnen in der medizinischen Versorgung zunehmend an Bedeutung. Eine qualitative Untersuchung der verschreibungspflichtigen Knie-App „Orthopy“ liefert nun Einblicke darin, wie Betroffene solche Programme in der Praxis bewerten.

Die Teilnehmenden stufen die Anwendung dabei vor allem als sinnvolle Ergänzung ein, betrachten sie jedoch nicht als Ersatz für eine klassische Physiotherapie. Dies geht aus einem Fachbericht vom 29. Oktober 2026 bei scienmag.com hervor.

Einblicke in die Erfahrungen ambulanter Kniepatienten

Die zugrunde liegende qualitative Studie, die im Fachjournal BMC Musculoskeletal Disorders erschien, wurde an einer deutschen orthopädischen Hochschulambulanz durchgeführt. An der Erhebung nahmen zehn Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren teil, bei denen eine Ruptur des vorderen Kreuzbands (VKB-Ruptur) oder eine Meniskusverletzung vorlag und denen die DiGA „Orthopy“ verordnet worden war.

Der methodische Aufbau umfasste Interviews zu Verschreibungsbeginn mit allen zehn Probanden. Im Rahmen einer Nachbeobachtung nach zwei bis drei Wochen konnten sechs Teilnehmende erneut befragt werden; eines dieser Follow-up-Interviews fand nach zwölf Wochen statt.

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Stärken bei Flexibilität und Überbrückung von Versorgungslücken

Im Rahmen der Befragungen benannten die Studienteilnehmenden mehrere Vorzüge der Knie-App. Besonders geschätzt wurde die strukturierte Übungsanleitung, die eine klare Orientierung im Trainingsablauf bot. Als weiterer positiver Aspekt erwies sich die zeitliche und örtliche Flexibilität bei der Durchführung der Einheiten.

Darüber hinaus fungierte die digitale Anwendung als Werkzeug zur Überbrückung von Engpässen und Wartezeiten in der Physiotherapie. Einen besonders hohen Nutzwert sahen die Teilnehmenden hierbei in der sogenannten Prärehabilitation, also dem vorbereitenden Training vor einer operativen Versorgung.

Herausforderungen von Administration bis Nutzerfreundlichkeit

Trotz der positiven Erfahrungen identifizierten die Befragten konkrete Barrieren bei der praktischen Nutzung. So wurde eine begrenzte Personalisierung der Übungen bemängelt. Zudem traten bei Personen mit geringer Digitalkompetenz Probleme bei der Handhabung und Nutzerfreundlichkeit (Usability) auf.

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Auf struktureller Ebene fielen Verzögerungen bei der administrativen Aktivierung des Rezepts ins Gewicht. Auch eine unzureichende ärztliche Anleitung im Vorfeld des App-Einsatzes wurde von den Teilnehmenden kritisiert. Das Thema Datenschutz stellte für die befragten Patienten hingegen nur ein geringes Problemfeld dar.

Insgesamt verdeutlichen die Ergebnisse der Auswertung, dass die digitale Knie-Anwendung von Betroffenen als unterstützendes Instrument wahrgenommen wird, das bestehende Behandlungsstrukturen begleiten, den direkten therapeutischen Kontakt aber nicht ersetzen kann.

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