Hitzetote, Klimakrise

Klimakrise: Forscher melden 710.000 Hitzetote im Jahr 2023

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 03:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Ein Bericht unter Federführung des University College London warnt vor steigenden Gesundheitsrisiken durch Hitze, Dürren und Waldbrände. Mehr als 140 Forscher fordern die WHO auf, die Klimakrise als gesundheitliche Notlage einzustufen.

Klimafolgen treffen Gesundheit und Wirtschaft

  • Zwischen 2016 und 2023 starben im Schnitt mehr als 540.000 Menschen pro Jahr an Hitze.
  • 2023 wurden schätzungsweise 710.000 hitzebedingte Todesfälle registriert.
  • 2025 war weltweit 51,8 Prozent der Landfläche mindestens einen Monat von extremer Dürre betroffen.
  • Ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen sind bei extremer Hitze besonders gefährdet. - Bild: Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn
  • Waldbrände – nur eine von vielen Gesundheitsgefahren, die durch den Klimawandel zunehmen. - Bild: Andreas Arnold/dpa
Ältere Menschen und solche mit Vorerkrankungen sind bei extremer Hitze besonders gefährdet. - Bild: Monika Skolimowska/dpa/dpa-tmn Waldbrände – nur eine von vielen Gesundheitsgefahren, die durch den Klimawandel zunehmen.  - Bild: Andreas Arnold/dpa

Forscher fordern WHO-Notlage wegen Klimakrise

Mehr als 140 Forscherinnen und Forscher fordern die Weltgesundheitsorganisation auf, die Klimakrise zur gesundheitlichen Notlage auszurufen. Ein unter Federführung des University College London erstellter Bericht warnt zugleich vor steigenden Todeszahlen, wirtschaftlichen Schäden und zunehmenden Wetterextremen.

Hitzetote erreichen hohen Stand

Dem Bericht zufolge gab es zwischen 2016 und 2023 im Schnitt mehr als 540.000 hitzebedingte Todesfälle pro Jahr. 68 Prozent davon seien auf den Klimawandel zurückzuführen, nach 55 Prozent im Jahrzehnt zuvor.

Allein 2023 starben demnach schätzungsweise 710.000 Menschen infolge von Hitze. Die Autoren ordnen die Zahl über den Todesfällen durch Malaria ein.

Hitze belastet die Weltwirtschaft

Die häufigeren Hitzewellen beeinträchtigten auch die Arbeitsproduktivität. Für das vergangene Jahr schätzt der Bericht den Verlust bei der weltweiten Wirtschaftsleistung auf 0,91 Prozent oder 1,07 Billionen US-Dollar.

Besonders betroffen seien Landwirtschaft und Baugewerbe, in denen viele Menschen körperlich im Freien arbeiten. Afrika und Südostasien hätten regional besonders stark unter den Folgen gelitten.

Dürren nehmen deutlich zu

Auch die Dürreentwicklung verschärft sich dem Bericht zufolge. 2025 litt mehr als die Hälfte der weltweiten Landfläche, genau 51,8 Prozent, mindestens einen Monat lang unter extremer Dürre.

Das war demnach der zweithöchste jemals erfasste Stand. Im Vergleich zum vorherigen Jahrzehnt habe sich die Entwicklung um mehr als 700 Prozent beschleunigt. Häufigere Dürren erhöhen zudem die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden und gesundheitsschädlicher Rauchbelastung.

Forscher sehen Finanzierungslücke

Die beteiligten Wissenschaftler warnen vor einem Mangel an Geld und politischem Willen. Der Schutz der Gesundheit müsse Priorität erhalten, während die Finanzierung von Klimaanpassung und Gesundheitssystemen hinter dem Bedarf zurückbleibe.

Als Beispiel nennt der Bericht sinkende Mittel für öffentliche Entwicklungsleistungen. Die USA hätten diese von 2024 bis 2026 von 65,5 Milliarden auf voraussichtlich 44,8 Milliarden US-Dollar gekürzt, Deutschland im selben Zeitraum um 7,4 Milliarden US-Dollar.

Eine paneuropäische Kommission hatte die WHO bereits zuvor aufgefordert, wegen der Klimakrise eine gesundheitliche Notlage auszurufen. Der neue Bericht entstand in Kooperation mit der WHO.

Der Bericht ordnet die Klimakrise ausdrücklich als Gesundheitsproblem ein. Seine Kennzahlen verbinden unmittelbare Gefahren wie Hitzetage, Dürren und Rauchbelastung mit langfristigen Folgen für Arbeitsfähigkeit, Einkommen und die Stabilität besonders gefährdeter Regionen.

Die genannte Zahl von mehr als 540.000 hitzebedingten Todesfällen pro Jahr im Zeitraum 2016 bis 2023 beschreibt die globale Größenordnung. Dass der klimabedingte Anteil laut Bericht von 55 auf 68 Prozent gestiegen ist, verweist zugleich auf die wachsende Bedeutung der menschengemachten Erwärmung für die gesundheitliche Belastung durch Hitze.

Gesundheitsschutz braucht Anpassung

Für die Bevölkerung bedeutet die Entwicklung vor allem höhere Risiken bei Hitzewellen, im Freien ausgeübter Arbeit und schlechter Luftqualität. Schutzmaßnahmen reichen von Hitzewarnsystemen und medizinischer Vorsorge bis zu angepassten Arbeitszeiten, besserem Städtebau und Investitionen in belastbare Gesundheitssysteme.

Die Forderung an die WHO hätte vor allem politische Signalwirkung. Eine Einstufung als gesundheitliche Notlage könnte den Druck erhöhen, Klimaschutz und Anpassung stärker über Gesundheitsbudgets zu finanzieren. Zugleich zeigt die Debatte einen Verteilungskonflikt: Die am stärksten betroffenen Regionen verfügen häufig über weniger Mittel, während internationale Entwicklungs- und Anpassungsfinanzierung zurückgeht.

Internationale Finanzierung im Fokus

Die bevorstehende Weltklimakonferenz in der Türkei bietet damit einen politischen Schauplatz für die Frage, wer Vorsorge und Schäden finanziert. Der Bericht macht deutlich, dass Klimapolitik nicht nur Emissionen betrifft, sondern auch Todesfälle verhindert, Arbeitsfähigkeit schützt und die Belastbarkeit öffentlicher Systeme sichern soll.

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