Kirche und KI: 62% der Pfarrer nutzen digitale Assistenten
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Integration künstlicher Intelligenz (KI) schreitet im kirchlichen Sektor in Deutschland deutlich voran. Laut der DiRK-2026-Studie unter der Leitung von Holger Sievert von der Hochschule Macromedia Köln nutzen bereits 62% der deutschen Pfarrer die Technologie im beruflichen Kontext.
Wie Berichte von Mitte September 2026 zeigen, basiert die Untersuchung auf einer Befragung von 7.178 Protestanten und Katholiken, unter denen sich 505 Pfarrer befanden, die explizit zu generativer KI befragt wurden.
Differenziertes Nutzungsverhalten und Aufgabenbereiche
Innerhalb der Gruppe der pfarrlichen Anwender variiert die Intensität der Nutzung erheblich. Den Studienergebnissen zufolge setzen 20% der Pfarrer KI häufig ein, während 42,6% die Technologie nur selten nutzen. Weitere 15,3% gaben an, bisher lediglich mit den Werkzeugen experimentiert zu haben. Demgegenüber stehen 20%, die den Einsatz von KI bisher vollständig vermeiden, sowie eine Minderheit von 8%, welche die Technologie grundsätzlich ablehnt.
Die Einsatzgebiete der digitalen Assistenten konzentrieren sich vor allem auf administrative und vorbereitende Tätigkeiten. Die Texterstellung steht mit 62,3% an erster Stelle der Nutzungsbereiche, gefolgt von der Recherche mit 60,9%. Rund 35,2% der Befragten verwenden KI-Anwendungen zudem für Übersetzungen.
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In der Praxis finden bereits spezialisierte Werkzeuge wie sermonAI.com, predigtassistent.de oder ki-andacht.de Anwendung. Ein konkretes Beispiel für den Einsatz im Gemeindealltag liefert der Digitalpfarrer Christoph Martsch-Grunau aus Delmenhorst, der KI sowohl für die Vorbereitung von Predigten als auch für den Konfirmandenunterricht nutzt.
Herausforderungen bei Schulung und Richtlinien
Trotz der zunehmenden Verbreitung offenbart die DiRK-2026-Studie erhebliche Defizite in der organisatorischen Begleitung. So verfügen 78% der Kirchenmitarbeiter über keinerlei spezifische KI-Schulung.
Zwar nutzen 58% der Mitarbeiter die Technologie bereits oder planen deren Einsatz, doch geschieht dies häufig in einem unregulierten Rahmen. Demnach verwenden 38% Gratis-Tools ohne offizielle Richtlinien, während bei 20% von einer sogenannten Schatten-KI gesprochen wird, die ohne Wissen der Organisation betrieben wird.
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Die institutionelle Reaktion auf diese Entwicklung ist derzeit im Gang. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sowie verschiedene Landeskirchen arbeiten an der Erstellung von KI-Leitlinien, um einen sicheren und ethisch fundierten Umgang mit der Technologie zu gewährleisten. Eine vertiefte Auswertung der Studiendaten wurde für das Jahr 2027 angekündigt.
Parallele Entwicklungen im akademischen Sektor
Auch im Bildungsbereich werden die Kapazitäten von KI systematisch ausgebaut. Die Universität Neu-Löwen (UCLouvain) setzt ab dem neuen akademischen Jahr in 36 Kursen aus rund zehn Fakultäten virtuelle KI-Coaches ein. Wie Rektorin Françoise Smets mitteilte, basiert dies auf dem universitätseigenen KI-Werkzeug „Piccolo“, das bereits seit einem Jahr in Betrieb ist.
Die Einsatzmöglichkeiten an der Universität umfassen personalisierte Quizfragen sowie Unterstützung beim Sprachenlernen. In einem Pilotprojekt für Physiotherapie-Studenten werden zudem Patientengespräche simuliert. Neben diesen technologischen Investitionen leistet die Universität erhebliche soziale Unterstützung; das Volumen der jährlichen Sozialhilfen liegt bei über 4 Mio. Euro.
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