Kinetose-Forschung, Akupunktur

Kinetose-Forschung: Akupunktur verändert EEG, klinischer Nutzen bleibt offen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 17:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie dokumentiert veränderte Hirnstrommuster durch Wärme- und Elektroreize, erfasst jedoch keine Wirkung auf Kinetose-Symptome.
Ein minimalistisches, klinisches Forschungslabor mit einem leeren Untersuchungsstuhl in gedimmtem, blauem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Reizung von Akupunkturpunkten der Traditionellen Chinesischen Medizin steht vermehrt im Fokus neurophysiologischer Untersuchungen. Eine im Jahr 2026 im Fachjournal Frontiers in Computational Neuroscience erschienene Studie analysiert, wie sich die Stimulation des Punktes PC6 (Neiguan) während des Aufenthalts in einer virtuellen Realität auf die Gehirnaktivität auswirkt.

Laut einem Bericht des Fachportals bioengineer.org vom 27. Oktober 2026 belegen die Messergebnisse, dass thermische Reize sowie niederfrequente elektrische Impulse spezifische Veränderungen in elektroenzephalografischen Mustern hervorrufen.

Experimenteller Aufbau mit vier Versuchsgruppen

An der Untersuchung nahmen 200 gesunde Personen teil, die im Vorfeld eine erhöhte Anfälligkeit für Kinetosen aufwiesen, dokumentiert durch einen Wert von mindestens 34 auf der Skala zur Bewegungskrankheit (Motion-Sickness-Susceptibility-Score ?34). Die Gesamtkohorte wurde in vier Gruppen zu jeweils 50 Teilnehmenden unterteilt, um verschiedene Reizmodalitäten am Neiguan-Punkt miteinander zu vergleichen.

Neben einer Kontrollgruppe bei einer Temperatur von 32 Grad Celsius untersuchte das Forschungsteam zwei thermische Intensitäten mit 40 Grad Celsius und 44 Grad Celsius sowie ein Verfahren der transkutanen elektrischen Akupunkturpunktstimulation mit einer Frequenz von zwei Hertz (2-Hz-TEAS).

Jede experimentelle Sitzung dauerte 40 Minuten und war in drei aufeinanderfolgende Phasen untergliedert: eine Ausgangsmessung (Baseline), die Phase der aktiven Stimulation sowie eine nachgelagerte Erholungsphase während der VR-Immersion.

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Differenzierte EEG-Mikrozustände in den Messphasen

Die Auswertung der EEG-Signale zeigte, dass thermische und elektrische Reizungen jeweils eigene neurophysiologische Spuren hinterlassen. Während der aktiven Stimulationsphase bewirkte die 2-Hz-TEAS im Vergleich zur Kontrollgruppe einen Anstieg von Dauer, Auftreten und Abdeckung des sogenannten EEG-Mikrozustands D. Die Reizung in der 40-Grad-Gruppe zeigte ebenfalls einen messbaren Effekt, veränderte in diesem Zeitfenster jedoch ausschließlich die Dauer des Mikrozustands D.

In der anschließenden Phase nach der Stimulation traten weitere modale Unterschiede zutage. Die thermische Reizung mit 44 Grad Celsius führte zu einer Verringerung der Dauer des Mikrozustands A, steigerte jedoch zugleich die Dauer sowie die zeitliche Abdeckung des Mikrozustands B. Parallel dazu erwies sich der Einfluss der elektrischen Stimulation als nachhaltig: Der durch 2-Hz-TEAS hervorgerufene Effekt auf die Dauer des Mikrozustands D blieb auch in der Nachbeobachtungsphase messbar bestehen.

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Fehlende Daten zu klinischen Endpunkten

Trotz der nachgewiesenen Veränderungen in den Hirnstrommustern lässt die Studie bisher keine Aussagen über einen praktischen Nutzen bei der Vermeidung von Kinetose zu. Dem Bericht zufolge wurden im Versuchsverlauf keine klinischen Endpunkte zur tatsächlichen Ausprägung oder Linderung der Virtual-Reality-Krankheit erfasst.

Die dokumentierten Effekte beschränken sich somit auf den Nachweis, dass die Reizung des Neiguan-Punkts während einer VR-Immersion die Aktivität bestimmter neuronaler Netzwerke objektivierbar moduliert. Ob diese veränderten EEG-Mikrozustände mit einer Reduktion typischer Symptome wie Übelkeit oder Desorientierung einhergehen, bleibt in weiteren Untersuchungen zu klären.

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