Kinderschutz im Wiener Sport: 100.000 Menschen sollen Nachweise vorlegen
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Stadt Wien beabsichtigt, den Schutz von Kindern und Jugendlichen im organisierten Sport deutlich zu verschärfen. Nach Berichten vom 9. Oktober 2026 sehen entsprechende Pläne vor, die Vorlage behördlicher Nachweise für alle Personen, die im Vereinskontext mit Minderjährigen in Kontakt kommen, rechtlich verbindlich vorzuschreiben.
Betroffen wären neben Trainerinnen und Trainern auch Funktionäre sowie sämtliche weitere haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitende. Um der Maßnahme Nachdruck zu verleihen, soll die Einhaltung der Vorgaben an die Vergabe der städtischen Sportförderung gekoppelt werden.
Koppelung an die Sportförderung als zentraler Hebel
Grundlage des Vorhabens bildet laut Medienberichten ein Positionspapier, dessen Inhalt von Yvonne Rychly, der Sportsprecherin der Wiener SPÖ, gegenüber dem ORF bestätigt wurde. Kern der Initiative ist die Verpflichtung, künftig regelmäßig einen aktuellen Strafregisterauszug sowie den erweiterten Auszug für Kinder- und Jugendfürsorge vorzulegen. Dieser Nachweis soll in einem Dreijahresrhythmus erneuert werden müssen.
Sollten Sportvereine diese Kriterien nicht erfüllen, droht ihnen der Entzug der Wiener Sportförderung. Das Büro des Wiener Sportstadtrats Peter Hacker bewertete das Vorhaben als sinnvollen Baustein, um Personen mit Vorstrafen oder behördlichen Tätigkeitsverboten frühzeitig zu erkennen.
Als Zieldatum für das Inkrafttreten der neuen Regelungen wird der 1. Jänner 2027 angestrebt. Parallel dazu laufen Abstimmungen mit der Justizministerin, da auch auf Bundesebene vergleichbare Vorhaben geprüft werden.
Debatte über bürokratischen Aufwand und Zuständigkeiten
Aus den Sportverbänden kommen prinzipiell befürwortende Signale, gepaart mit Hinweisen auf offene Detailfragen. Johannes Dobretsberger, Sprecher des Wiener Fußball-Verbands (WFV), sprach sich dafür aus, die Barrieren zum Schutz von Kindern so hoch wie möglich anzusetzen.
Die Stadt Wien plant, die Vorlage von Strafregisterauszug und erweitertem Auszug für alle zu verlangen, die im Verein mit Minderjährigen zu tun haben — gekoppelt an die Sportförderung, Ziel ist der 1. Jänner 2027. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen in drei Schritten, welche Rollen betroffen sind, wie Sie die Kosten planen und wie die Auszüge beschafft werden. Vereins-Leitfaden jetzt anfordern
Gleichzeitig verweist die Arbeitsgemeinschaft für Sport und Körperkultur in Österreich (ASKÖ) auf den beträchtlichen Umfang der geplanten Maßnahme. ASKÖ-Generalsekretär Michael Maurer begrüßte den Plan zwar, forderte jedoch Klarheit darüber, welche Personengruppen exakt erfasst werden und wie die finanzielle Last verteilt wird.
Nach Angaben der ASKÖ wären allein in Wien rund 100.000 Personen von der Regelung betroffen; bundesweit engagieren sich rund 600.000 Ehrenamtliche im Sportbereich. Innerhalb der ASKÖ gilt bereits eine vereinsinterne Pflicht zur Vorlage entsprechender Auszüge, allerdings im Abstand von vier Jahren.
Finanzielle Belastung und offene Abgrenzungen
Zu den ungeklärten Punkten zählt unter anderem die Definition der betroffenen Rollen im Vereinsalltag. So stellt sich für die ASKÖ die Frage, ob künftig auch Eltern Auszüge vorlegen müssen, wenn sie gelegentlich bei Verpflegungsständen mithelfen oder Fahrgemeinschaften für Nachwuchsmannschaften bilden.
Zudem ist die Frage der Finanzierung noch in Verhandlung. Ein regulärer Strafregisterauszug schlägt mit 29 Euro zu Buche, beide Nachweise gemeinsam kosten ab 47 Euro aufwärts.
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Zwar bestehen Gebührenbefreiungen bei nachgewiesenem echtem Ehrenamt, dennoch ist bislang ungelöst, wer die anfallenden Gebühren letztlich trägt und welcher bürokratische Weg für die Beschaffung gewählt wird – ob die Dokumente von den Trainern selbst, den Vereinen oder den übergeordneten Verbänden eingeholt werden müssen.
Während die konkrete Ausgestaltung weiter verhandelt wird, zeichnet sich ab, dass die Wiener Sportvereine vor einer umfassenden Anpassung ihrer administrativen Abläufe stehen.

