Kinderschutz im Netz: Expertenkommission fordert Social-Media-Verbot ab 13
25.06.2026 - 21:32:41 | boerse-global.de
Kernforderung: Kein Social Media für Kinder unter 13 Jahren.
Altersgrenze und risikobasierte Regulierung
Der am Mittwoch veröffentlichte Bericht empfiehlt eine Altersgrenze von 13 Jahren für soziale Medien. Alternativ schlagen die Experten risikobasierte Beschränkungen vor: Plattformen müssten dann potenziell schädliche Funktionen für Minderjährige automatisch deaktivieren.
Dazu zählen algorithmische Feeds, Endlos-Scrolling und personalisierte Werbung. Die Begründung: Rund 300.000 Jugendliche zeigen laut Schätzungen bereits ein Suchtverhalten im Zusammenhang mit digitalen Angeboten.
Handyverbot und KI-Regeln für Schulen
Der Maßnahmenkatalog sieht ein bundesweites Handyverbot an Schulen bis zur siebten Klasse vor. Ab der achten Klasse sollen verbindliche Nutzungskonzepte greifen – entwickelt gemeinsam mit den Schülern.
Auch für Künstliche Intelligenz gibt es Vorschläge: KI-Chatbots sollen erst ab 13 Jahren zugänglich sein. Für Grundschüler empfehlen die Experten ein „KI-Seepferdchen“ zur Vermittlung von Basiskompetenzen.
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Politik sucht Mehrheiten
Familienministerin Karin Prien unterstützt die Altersgrenze von 13 Jahren. Sie strebt eine europäische Lösung an, bereitet aber nationale Regelungen vor, falls die EU zu langsam ist. Die Ministerin plädiert für abgestufte Schutzvorkehrungen bis zum 18. Lebensjahr.
Die Parteien zeigen unterschiedliche Prioritäten: Die SPD favorisiert ein Verbot für Kinder unter 14 Jahren. Die Union spricht sich für variable Altersgrenzen aus – abhängig von der jeweiligen App.
Ein Teil der Reformen betrifft das Bürgerliche Gesetzbuch. Dort soll die elterliche Verantwortung für die Medienerziehung explizit verankert werden.
Pädagogen warnen vor zu starren Verboten
Bildungsverbände begrüßen die Schutzmaßnahmen grundsätzlich, mahnen aber zur Vorsicht. Der Verband Bildung und Erziehung betonte Ende Juni, dass pauschale Verbote allein nicht reichten. Nötig seien mehr Medienbildung, stärkere Plattformregulierung und bessere Elternunterstützung.
Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hob hervor: Teilhabe und kompetenter Umgang mit Medien seien wichtiger als reine Restriktionen.
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Technische Hürden und internationale Erfahrungen
Die Durchsetzung von Altersgrenzen bleibt ein Problem. Eine Lösung könnte die EUDI-Wallet bieten – eine digitale Identität, die für 2027 geplant ist.
Erfahrungen aus Australien stimmen skeptisch: Dort umgehen schätzungsweise 70 bis 85 Prozent der unter 16-Jährigen bestehende Altersbeschränkungen. Soziale Netzwerke werden trotz offizieller Verbote weiter genutzt.
Der Philologenverband NRW befürwortet das Handyverbot bis Klasse 7, lehnt aber ein generelles Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren ab. Der Konsens vieler Fachleute: Der Fokus sollte auf sicheren Plattformumgebungen und der Vermittlung medialer Integrität liegen.
