Kinderschutz: Bundesministerin fordert Altersgrenze 13 für soziale Medien
24.06.2026 - 19:40:30 | boerse-global.de
Bundesfamilienministerin Karin Prien will Kinder besser vor den Gefahren von TikTok, Instagram und Snapchat schützen. Eine Expertenkommission legte dazu heute ein umfassendes Maßnahmenpaket vor.
Die Ministerin sprach sich am heutigen Mittwoch für eine gesetzliche Altersgrenze von 13 Jahren für die eigenständige Nutzung sozialer Plattformen aus. Die Forderung ist Teil eines 56 Punkte umfassenden Berichts einer Sachverständigenkommission, die den Kinderschutz in der digitalen Welt grundlegend reformieren will.
Zwei Wege zur Regulierung
Die Experten schlagen zwei zentrale Modelle vor: Entweder ein gesetzliches Mindestalter von 13 Jahren mit abgestuften Schutzstandards bis zur Volljährigkeit – oder risikobasierte Altersgrenzen, die je nach Plattform und deren Gefahrenpotenzial variieren.
Der Bedarf ist enorm: Rund 300.000 Jugendliche in Deutschland zeigen laut Kommission bereits suchtartiges Verhalten bei der Social-Media-Nutzung. Die Plattformen sollen künftig in die Pflicht genommen werden, sichere Voreinstellungen zu garantieren. Dazu gehören die Abschaltung algorithmischer Feeds, ein Verbot personalisierter Werbung für Minderjährige und die Entfernung bewusst süchtig machender Designelemente.
Altersnachweis und elterliche Verantwortung
Bundesfamilienministerin Prien fordert eine Altersgrenze von 13 Jahren für soziale Medien. Rund 300.000 Jugendliche zeigen bereits suchtartiges Verhalten. Unser kostenloser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihr Kind schützen – mit Checkliste und konkreten Regeln. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Ein Kernstück der Reform ist die zuverlässige Altersverifikation. Prien verwies auf die EUDI-Wallet, die ab Anfang 2027 verfügbar sein soll und als zentrales Instrument dienen könnte. Für Kinder unter 13 Jahren schwebt der Ministerin ein Modell vor, bei dem nur ausdrücklich als risikoarm eingestufte Angebote zugänglich sind – möglicherweise mit elterlicher Zustimmung.
Die Kommission will zudem die rechtliche Verantwortung der Eltern stärken. Vorgeschlagen wird eine zivilrechtliche Verankerung der Pflicht, „digitale Vernachlässigung“ zu verhindern. Auch ein Handyverbot an Schulen bis zur siebten oder achten Klasse steht im Raum. Zur Förderung der Medienkompetenz soll ein „KI-Seepferdchen“-Zertifikat Kindern den sicheren Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Chatbots vermitteln.
Europäische Abstimmung und globale Trends
Prien betonte zwar den Wunsch nach einer einheitlichen europäischen Lösung, um einen Flickenteppich an Regeln zu vermeiden. Sollte die EU nicht vorankommen, seien nationale Regelungen vorbereitet. Die EU-Kommission steht unter Druck, den Kinderschutz im Rahmen des Digital Services Act (DSA) zu verschärfen. Eine EU-weite Expertengruppe soll bis zum 13. Juli ihren eigenen Bericht zu Altersgrenzen vorlegen.
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Die Debatte in Deutschland folgt einem globalen Trend: Australien verhängte im Dezember 2025 ein Verbot für unter 16-Jährige, Frankreich, Kanada, Spanien und Großbritannien arbeiten an ähnlichen Gesetzen. In Deutschland unterstützen 56 Prozent der Eltern eine gesetzliche Altersgrenze für soziale Medien.
Bis Ende 2026 will die EU-Kommission weitere Vorschläge vorlegen, die gezielt bestimmte Funktionen wie endloses Scrollen oder nicht-personalisierte Werbung für Minderjährige regulieren sollen – mit dem Ziel einheitlicher Sicherheitsstandards in allen Mitgliedstaaten.
