Kinderpräparate im Test: 17 von 18 Produkten weisen Mängel auf
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 22:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die ernährungsphysiologische Versorgung im Schulalter gewinnt in der fachlichen Diskussion zunehmend an Bedeutung. Fachberichte und Studien untersuchen verstärkt, wie eine optimierte Nährstoffzufuhr und standardisierte Mahlzeiten die geistige Leistungsfähigkeit sowie das körperliche Wohlbefinden von Schülern beeinflussen. Dabei zeigt sich ein vielschichtiges Bild aus wissenschaftlichen Zusammenhängen, qualitativen Standards und der Frage nach dem Nutzen von Nahrungsergänzungsmitteln.
Zusammenhang zwischen Verpflegung und Schulleistung
Eine Querschnittsbefragung auf Basis standardisierter Fragebögen und Strukturgleichungsmodellierung in Grund- und Sekundarschulen zeigte positive Zusammenhänge zwischen Schulverpflegung und selbstberichteter schulischer Leistung. Die Daten verdeutlichen, dass Gesundheitskompetenz sowie psychische Gesundheit diese Effekte teilweise vermitteln. Zudem fungiert die Gesundheitskompetenz als Vermittler für die wahrgenommene körperliche Gesundheit.
In benachteiligten Gemeinden fielen diese Verbindungen besonders stark aus. Die Autoren der Erhebung empfehlen daher, das Verpflegungsangebot eng mit gezielter Gesundheitserziehung zu verknüpfen. Praktische Ansätze wie der an der Otzbergschule umgesetzte Ernährungsführerschein für Drittklässler verdeutlichen, wie Ernährungsbildung frühzeitig in den Schulalltag integriert werden kann.
Standardisierung und Herausforderungen in der Schulgastronomie
In Deutschland nutzen täglich rund 6 Millionen Kinder und Jugendliche die Verpflegung in Kitas und Schulen. Auf dem Bundeskongress für Kita- und Schulverpflegung in Berlin diskutierten rund 400 Fachbesucher unter dem Motto „Gemeinsam gut essen“ über eine sozial gerechtere und widerstandsfähige Gemeinschaftsgastronomie.
Die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Alena Buyx appellierte daran, dass Politik, Kommunen, Schulen, Eltern, Wissenschaft und Industrie gemeinsam Verantwortung für eine gesunde Kinderernährung tragen müssten.
Zugleich bestehen betriebliche Hürden: In deutschen Schulkantinen landen täglich Tausende Essensportionen unberührt im Müll, weshalb Maßnahmen zur Vermeidung von Verschwendung und zur Kostensenkung für Caterer und Kommunen im Fokus stehen.
Auch auf internationaler Ebene variieren die Ansätze zur Standardisierung erheblich. In Vietnam zeigte eine Nationale Ernährungserhebung, dass 18-Jährige im Durchschnitt 168,1 Zentimeter (Männer) beziehungsweise 156,2 Zentimeter (Frauen) groß sind, was rund 9 bis 10 Zentimeter unter dem weltweiten Mittel liegt.
Zugleich erreicht der Anteil an Übergewicht und Adipositas bei Schulkindern in einzelnen städtischen Regionen 26,8 Prozent, während Defizite bei Vitamin A, Eisen und Zink weiter verbreitet sind.
Wenn Ihr Kind täglich ein Präparat bekommt, lohnt der zweite Blick: In einer aktuellen Prüfung von 18 Kinderpräparaten wiesen 17 Mängel auf, bei fünf rieten die Tester ausdrücklich ab. Unser kostenloser Eltern-Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie Überdosierungen erkennen und welche Nährstoffe Ihr Schulkind wirklich braucht. Jetzt kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern
Die Ernährungsexpertin Bùi Th? Mai H??ng wies darauf hin, dass ein Schulmittagessen 30 bis 35 Prozent des täglichen Energiebedarfs abdecken sollte. Da verbindliche nationale Vorgaben bisher fehlen, wurde in Kooperation von TH mit zehn Provinzen und Städten ein Pilotmodell mit 400 regionalen Speiseplänen erarbeitet.
In der Türkei wurde der Übergangszeitraum für Vorgaben zu verpackten Lebensmitteln an Schulen angepasst. Das Inkrafttreten der Regelung im Amtsblatt verschob sich vom 14. September 2026 auf den 13. September 2027. Das System sieht Nährwert-Scores der Kategorien A, B oder C neben dem Schullogo vor; trotz Bewertung dürfen ungeeignete Produkte nicht vertrieben werden.
Risiken von Nährstoffmängeln und Grenzen von Präparaten
Hinsichtlich der Nährstoffversorgung zeigen sich teils unausgewogene Profile. Eine Untersuchung von 1.100 Schülern und Studierenden in der Region Kemerowo dokumentierte eine Ernährung mit vielen Kohlenhydraten und tierischen Fetten bei gleichzeitig unzureichendem Verzehr von Obst, Gemüse und Beeren.
Ein exemplarisches Profil einer 17-jährigen Schülerin wies ein hohes rechnerisches Risiko für Adipositas, Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf, was jedoch nicht auf die Gesamtheit übertragbar ist.
Trotz solcher Fehlversorgungen raten Behörden von unkritischen Ergänzungen ab. Das Bundesinstitut für Risikobewertung hält Supplemente für gesunde Kinder meist für unnötig; Ausnahmen betreffen Vitamin D und Fluorid bei Säuglingen nach ärztlicher Rücksprache.
Dennoch erhält laut DONALD-Studie jedes zehnte Kind täglich mindestens ein Ergänzungspräparat. Gemäß der EsKiMo-Studie gilt dies für jedes zwölfte Kind zwischen 6 und 11 Jahren sowie für rund 20 Prozent der 12- bis 17-Jährigen.
Nicht jede Nährstofflücke lässt sich mit einer Kapsel schließen: Behörden halten Supplemente für gesunde Kinder meist für unnötig — Ausnahmen sind Vitamin D und Fluorid für Säuglinge nach ärztlicher Rücksprache. Unser kostenloser Ratgeber zeigt Ihnen fünf nährstoffreiche Alternativen aus echten Lebensmitteln für den Schulalltag. 5 Lebensmittel-Alternativen jetzt ansehen
Untersuchungen der Stiftung Warentest an 18 Kinderpräparaten im Jahr 2025 ergaben bei 17 Produkten Mängel; von fünf Präparaten wurde stark abgeraten, und 15 Produkte überschritten empfohlene Tagesmengen.
Für Eisen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine Tageszufuhr von 7 Milligramm für Ein- bis unter Siebenjährige und 10 Milligramm für Sieben- bis unter Zehnjährige. Datenbasis für Verzehrmengen bieten unter anderem die EsKiMo-II-Studie mit 2.644 Kindern und Jugendlichen im Zeitraum von 2015 bis 2017 sowie die KiESEL-Studie mit 890 Probanden von 2014 bis 2017.

