Kinderkrankentage, Frauen

Kinderkrankentage: 73% von Frauen genommen, nur 27% von Männern

02.06.2026 - 05:23:12 | boerse-global.de

Trotz gesetzlicher Regelungen kämpfen Mütter mit ungleicher Sorgearbeit und fehlenden Betreuungsplätzen. Neue Arbeitsmodelle sollen helfen.

Kinderkrankentage: 73% von Frauen genommen, nur 27% von Männern - Bild: über boerse-global.de
Kinderkrankentage: 73% von Frauen genommen, nur 27% von Männern - Bild: über boerse-global.de

Frauen stehen nach der Geburt vor einer doppelten Herausforderung: Sie sollen beruflich durchstarten und gleichzeitig ihr Kind stillen. Die Realität sieht oft anders aus.

Was das Gesetz vorschreibt

Arbeitgeber müssen stillenden Müttern angemessene Pausen und private Räume zum Abpumpen von Muttermilch bereitstellen. Sanitäre Anlagen sind dafür tabu. Bei einer Acht-Stunden-Schicht empfehlen Experten zwei bis drei Sitzungen von jeweils 15 bis 20 Minuten.

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Die Vorteile liegen auf der Hand: Stillen senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und bestimmte Krebsarten. Zudem fördert es die körperliche Regeneration nach der Geburt.

Die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit

Aktuelle AOK-Daten zeigen ein klares Bild: 73 Prozent der Kinderkrankentage wurden 2025 von Frauen genommen, nur 27 Prozent von Männern. Die Gesamtinanspruchnahme sank leicht auf 4,6 Prozent – die Rollenverteilung bleibt jedoch stabil.

Regional gibt es Unterschiede: Sachsen führt mit 31 Prozent Männeranteil, Bayern bildet mit 23 Prozent das Schlusslicht. Gesetzlich versicherte Eltern haben Anspruch auf 15 Kinderkrankentage pro Kind und Jahr, Alleinerziehende auf 30 Tage. Die Krankenkasse übernimmt 90 Prozent des Nettoverdienstes.

Das Betreuungsproblem

Die Teilzeitquote in Deutschland hat einen Rekordwert erreicht: 32 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in Teilzeit. Mehr als jede zweite Frau ist betroffen.

Der Grund liegt auf der Hand: Bundesweit fehlen schätzungsweise 300.000 Kindergartenplätze und 150.000 Hortplätze. Diese Lücken erschweren die Karriereplanung von Müttern enorm und verstärken den Gender Pay Gap, der bei gleicher Arbeit bei etwa sechs Prozent liegt. Besonders in der Wissenschaft sind die Hürden hoch – lange Pendelzeiten und erschwerte Vereinbarkeit von Forschung und Familie sind die Folge.

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Neue Wege in der Arbeitswelt

Einige Arbeitgeber reagieren. Eine deutsche Klinik startete eine Pflegeausbildung in Teilzeit – die Ausbildungsdauer wird von drei auf vier Jahre gestreckt. Flexible Schichtdienste, Remote-Arbeit und spezielles Coaching sollen die Vereinbarkeit verbessern.

Für September 2026 ist die Weltstillwoche unter dem Motto „Gemeinsam – Stillen stärken“ geplant. In der Schweiz finden Fachtagungen in Zürich, Lugano und Lausanne statt. Themen sind unter anderem rechtliche Fragen zum Stillen am Arbeitsplatz und der Schutz vor Werbung für Muttermilchersatzprodukte.

Experten betonen: Eine erfolgreiche Stillzeit im Beruf erfordert auch die aktive Unterstützung durch Partner und Familie. Nur so lassen sich häusliche Aufgaben bewältigen und Ruhezeiten sichern.

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