Kinderdemenz: Wenn Vitamin-B9-Mangel Kinder ihre Fähigkeiten raubt
10.06.2026 - 11:55:49 | boerse-global.de
Doch seltene Formen der Erkrankung treffen bereits Kinder – und stellen Familien sowie Ärzte vor enorme Herausforderungen.
Wenn das Gehirn das Vitamin B9 nicht bekommt
Die Cerebrale Folattransportdefizienz (CFTD) ist eine seltene Stoffwechselerkrankung. Dabei gelangt Vitamin B9 (Folat) nicht in ausreichender Menge ins Gehirn. Die Folge: ein fortschreitender Verlust bereits erworbener Fähigkeiten. Fachleute sprechen von einer Form der Kinderdemenz.
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Betroffene Kinder entwickeln sich in den ersten Lebensjahren meist unauffällig. Dann kommt es plötzlich zum Stillstand – oder zum Rückschritt. Sie verlieren die Sprache, können nicht mehr gehen oder selbstständig essen. Hinzu kommen epileptische Anfälle.
Ein Schicksal, das Familien trifft
Der Fall der Familie Bopp zeigt, wie dramatisch der Verlauf sein kann. Ihr Sohn zeigte im Frühjahr 2006 im Alter von dreieinhalb Jahren erste Symptome. Innerhalb weniger Wochen verlor das Kind wesentliche motorische und kognitive Fähigkeiten. Erst 2009 stellten Ärzte in Göttingen die Diagnose – der Junge war der erste Patient mit diesem spezifischen Krankheitsbild.
Besonders tragisch: Die jüngere Schwester entwickelte im selben Alter identische Symptome. Solche Fälle verdeutlichen, wie wichtig eine frühzeitige Diagnostik und spezialisierte Forschung für seltene Erkrankungen sind.
Neben der CFTD gibt es weitere seltene Defekte wie das Joubert-Syndrom. Diese genetische Störung wird oft schon im Säuglingsalter diagnostiziert und erfordert lebenslange Pflege.
Der „Mental Load“ pflegender Eltern
Die Pflege eines chronisch kranken Kindes belastet Eltern massiv – psychisch und physisch. Eine Studie der R+V-Versicherung zeigt: Vier von fünf Familien fühlen sich durch die organisatorische und emotionale Verantwortung überfordert.
Besonders Frauen sind betroffen: 89 Prozent der Befragten gaben an, sich ständig verantwortlich zu fühlen. 75 Prozent fordern mehr staatliche Unterstützung.
Verschärft wird die Lage durch politische Diskussionen über Einsparungen im Sozial- und Gesundheitsbereich. In Baden-Württemberg protestierten am heutigen Mittwoch Klinikträger und Ärzteverbände gegen geplante Kürzungen. Die Krankenhäuser befürchten jährliche Einbußen von rund 600 Millionen Euro.
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1,8 Millionen Betroffene – und die Zahl steigt
Während Kinderdemenz eine seltene Ausnahme bleibt, nehmen Demenzerkrankungen insgesamt zu. Rund 1,8 Millionen Menschen leben derzeit in Deutschland mit einer Form der Demenz. Prognosen für 2050 gehen von bis zu 2,8 Millionen Betroffenen aus.
Regionale Netzwerke setzen auf Begegnung und Information. Das Demenznetz Viernheim plant für den 24. Juni ein Sommerfest – zum Austausch zwischen Betroffenen und Angehörigen. Gleichzeitig entstehen private Initiativen wie Theaterprojekte für pflegende Eltern. Sie machen die oft isolierten Familien sichtbarer.
