Kimchi-Bakterien, Stamm

Kimchi-Bakterien: Stamm CBA3656 bindet Nanoplastik im Verdauungstrakt

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Versuche an Mäusen und im Labor deuten auf eine erleichterte Darmausscheidung hin; Wirkung und Sicherheit beim Menschen sind ungeklärt.

Kimchi-Bakterium bindet Nanoplastik: Was Studien bislang zeigen
Traditionelle Keramikgefäße zur Fermentation auf einem hölzernen Tisch in einer hellen Küche. Illustration mit AI erstellt.

Die zunehmende Belastung durch mikroskopisch kleine Kunststoffpartikel beschäftigt die Wissenschaft seit Jahren. Neue Forschungsansätze untersuchen nun, ob alltägliche Nahrungsmittel dabei helfen können, Nanoplastik aus dem Verdauungstrakt zu entfernen.

Besondere Aufmerksamkeit richten Ernährungswissenschaftler dabei auf traditionell fermentierte Produkte. Ein bestimmter Bakterienstamm, der bei der Herstellung von Kimchi eine zentrale Rolle spielt, steht dabei im Mittelpunkt wissenschaftlicher Beobachtungen.

Bindungseigenschaften des Stamms Leuconostoc mesenteroides CBA3656

Wissenschaftler der WIK's Kimchi Functionality Research Group konnten aufzeigen, dass der Milchsäurebakterienstamm Leuconostoc mesenteroides CBA3656 in der Lage ist, Nanoplastik zu absorbieren. Diese Eigenschaft eröffnet neue Perspektiven für die funktionelle Ernährungswissenschaft.

Bemerkenswert ist dabei die Robustheit des Prozesses: Der Stamm absorbiert die Partikel über ein breites Spektrum unterschiedlicher Temperaturen, pH-Werte sowie verschiedener Nanoplastik-Konzentrationen hinweg stabil.

Als biologischer Wirkmechanismus wird die spezifische Oberflächenbeschaffenheit der Mikroorganismen identifiziert. Den Untersuchungen zufolge ermöglichen eine amphiphile Oberfläche sowie die ausgeprägte funktionelle Gruppenvielfalt des Stamms die effektive Anlagerung der synthetischen Partikel.

Beobachtungen im Tiermodell und im Verdauungstrakt

Die Bindungsfähigkeit des Bakteriums zeigte sich nicht nur in isolierten Versuchsreihen, sondern auch im lebenden Organismus. Bei Untersuchungen an keimfreien Mäusen führte die Verabreichung des Stamms Leuconostoc mesenteroides CBA3656 zu einer deutlich erhöhten Ausscheidung von Nanoplastik über den Darm.

Anzeige

Nanoplastik steckt in Wasser, Luft und Lebensmitteln – und die Forschung prüft gerade, ob alltägliche fermentierte Lebensmittel den Körper dabei unterstützen können. Ein Bakterienstamm aus Kimchi bindet diese Partikel im Verdauungstrakt und könnte ihre Ausscheidung erleichtern. Was davon heute belegt ist und was noch offen bleibt, lesen Sie in unserem kostenlosen Leitfaden. Leitfaden zu fermentierten Lebensmitteln jetzt anfordern

Ergänzende Ergebnisse liefert eine in der Fachzeitschrift Bioresource Technology veröffentlichte Untersuchung. Diese zeigt auf, dass Milchsäurebakterien aus Kimchi Nanoplastik direkt im Verdauungstrakt binden.

Durch diesen Kontakt verklumpen die winzigen Kunststoffpartikel, was deren natürlichen Weitertransport und die anschließende Ausscheidung aus dem Körper erleichtern könnte. Die Verklumpung verhindert möglicherweise, dass die kleinsten Partikel die Darmbarriere passieren und in tiefer liegende Gewebeschichten vordringen.

Offene Forschungsfragen und methodische Grenzen

Trotz der vielversprechenden Ansätze verweisen Fachleute auf wesentliche Einschränkungen der aktuellen Datenlage. Die bisherigen Resultate basieren ausschließlich auf Laboranalysen sowie Versuchen an Mäusen. Wie sich die Mechanismen im komplexen menschlichen Verdauungssystem verhalten, ist derzeit noch nicht abschließend belegt. Sowohl die Skalierung auf den Menschen als auch mögliche unerwünschte Nebenwirkungen gelten als ungeklärt.

Anzeige

Fermentierte Lebensmittel sind in aller Munde – doch viele Produkte im Supermarktregal sind pasteurisiert und enthalten keine lebenden Kulturen mehr. Wer täglich von den Kulturen profitieren will, braucht einen klaren Blick auf Kennzeichnung, Ballaststoffe und Darmgesundheit. Unser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie fermentierte Lebensmittel richtig auswählen und in den Familienalltag einbauen. Checkliste für fermentierte Lebensmittel sichern

Zudem mahnen Experten zur Vorsicht, da es sich bislang um isolierte Studien handelt. Unbeantwortet bleibt vorerst, welche konkrete Menge an Kimchi verzehrt werden müsste, um einen messbaren physiologischen Schutzeffekt zu erzielen.

Ebenso ist noch unklar, inwieweit andere fermentierte Lebensmittel vergleichbare Effekte hervorrufen können und welche Langzeitfolgen mit einer regelmäßigen gezielten Aufnahme der Bakterienstämme verbunden sein könnten. Weitere klinische Studien sind erforderlich, um das therapeutische und präventive Potenzial der Kimchi-Kulturen verlässlich einzuordnen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70293654 |