KI-Zertifizierung: TÜV startet dreistufiges Prüfprogramm ab Ende 2026
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 17:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die deutschen TÜV-Organisationen haben ein gemeinsames Rahmenprogramm für die freiwillige Prüfung und Zertifizierung von Systemen der Künstlichen Intelligenz entwickelt.
Das Programm, das organisatorisch an die Vorgaben des europäischen Rechtsrahmens (EU AI Act) anknüpft, soll nach Angaben des TÜV-Verbands ab Ende 2026 schrittweise regulär zur Verfügung stehen. Vor dem offiziellen Start durchläuft das Zertifizierungsverfahren zunächst eine Pilotphase.
Das vorgestellte Modell gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Stufen, die den unterschiedlichen Risikoprofilen und Einsatzbereichen von KI-Anwendungen Rechnung tragen sollen. Stufe 1 richtet sich an Anwendungen außerhalb der Hochrisiko-Kategorie und deckt grundlegende Anforderungen ab. Diese Stufe ist für Entwickler und Anwender gedacht, deren Systeme keinem überdurchschnittlichen Gefährdungspotenzial unterliegen.
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Detaillierte Prüfung und technische Tests in höheren Stufen
Umfassendere Kriterien sieht die Stufe 2 vor, die grundsätzlich für alle Systeme offensteht. Dieser Prüfpfad beinhaltet eine strukturierte Risikobewertung, eine genaue Prüfung der bereitgestellten Dokumentation sowie eine Begutachtung vor Ort. Damit sollen die organisatorischen und prozessualen Rahmenbedingungen der KI-Entwicklung und ihres Betriebs kontrolliert werden.
Die höchste Zertifizierungsstufe bildet Stufe 3. Sie umfasst alle Anforderungen der vorhergehenden Stufe und sieht zusätzlich eigenständige technische Tests der KI-Systeme vor. Auf dieser Ebene werden die Systeme praktischen Prüfverfahren unterzogen, um deren technische Stabilität, Funktionsweise und Sicherheit zu überprüfen.
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Der Zeitplan für die Einführung der Zertifizierungen ist auf die regulatorischen Entwicklungen abgestimmt. Während der reguläre Beginn der freiwilligen Überprüfungen ab Ende 2026 schrittweise erfolgen soll, greifen ab Ende 2027 strengere gesetzliche Vorgaben für Hochrisiko-KI. Das freiwillige Rahmenprogramm bietet Organisationen somit die Möglichkeit, ihre Systeme bereits vorab an standardisierten Kriterien messen zu lassen.
Hohe Skepsis in der Bevölkerung gegenüber KI-Risiken
Der Vorstoß zur Zertifizierung trifft auf eine weiterhin ausgeprägte Vorsicht in der Öffentlichkeit. Laut der TÜV-KI-Studie 2025 fürchten 79 Prozent der Bundesbürger unkalkulierbare Risiken durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz.
Auch bei denjenigen, die entsprechende Technologien bereits selbst anwenden, besteht eine spürbare Zurückhaltung: Nur 53 Prozent der KI-Nutzer gaben in der Untersuchung an, den Antworten der Systeme zu vertrauen.
Mit den nun pilotierten Standards und den gestaffelten Prüfverfahren wollen die Organisationen nachvollziehbare Kriterien etablieren, um die Verlässlichkeit entsprechender Anwendungen messbar zu machen.
Mehr zum Thema bei Caschys Blog: „Künstliche Intelligenz: TÜV startet eigenes Prüfprogramm und Zertifizierungen“
