KI-Zahlungen: EMVCo veröffentlicht Agentic-Payments-Standard
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 03:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die globale Standardisierungsorganisation EMVCo hat am 1. September 2026 mit der Veröffentlichung des Entwurfs „EMV Agentic Payments – Framework for Specifications“ einen maßgeblichen Schritt zur Regulierung von KI-gestützten Transaktionen unternommen. Der Rahmen führt sogenannte „Intent Services“ ein, die es ermöglichen sollen, verbraucherautorisierte Absichten sicher zu verwalten und zu koordinieren.
Der neue Entwurf zielt darauf ab, die Interaktion zwischen menschlichen Nutzern und autonomen KI-Agenten im Zahlungsverkehr zu strukturieren. Ein zentrales Element bilden dabei die „Intent Services“, die als gemeinsamer Koordinationspunkt fungieren.
Diese Dienste sollen die Verwaltung von Zahlungsabsichten über längere Zeiträume hinweg ermöglichen, was insbesondere für wiederkehrende Käufe von Bedeutung ist. Die öffentliche Überprüfungsphase für diesen Spezifikationsrahmen läuft bis zum 30. September 2026.
Standardisierung und globale Kooperationen
Für die Entwicklung dieses Rahmens arbeitet EMVCo mit mehreren internationalen Technologieorganisationen zusammen, darunter die FIDO Alliance, die OpenID Foundation, die OpenWallet Foundation und das W3C. Zukünftig plant EMVCo die Einführung weiterer Sicherheits- und Identifikationskomponenten wie „Know Your Agent“-Protokolle und spezifische Indikatoren für agentische Transaktionen („Agentic Transaction Indicators“).
Parallel dazu hat die Organisation GLEIF ein Diskussionspapier zur Etablierung von interoperablem Vertrauen im Bereich der KI-Zahlungen veröffentlicht.
Der CEO von GLEIF, Alexandre Kech, verwies in diesem Zusammenhang auf das Modell des „verifiable Legal Entity Identifier“ (vLEI). Dieses bietet eine kryptographisch abgesicherte Vertrauenskette, um sowohl die Identität von Organisationen als auch delegierte Autoritäten in automatisierten Prozessen zu verifizieren.
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Marktwachstum und industrielle Allianzen
Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Sektors wird durch aktuelle Marktanalysen untermauert. Schätzungen von McKinsey zufolge könnte der agentische Handel bis zum Jahr 2030 ein Volumen von 3 bis 5 Billionen US-Dollar erreichen. Marktforscher von Grand View Research prognostizieren für den Zeitraum von 2026 bis 2033 eine jährliche Wachstumsrate (CAGR) von 35,7 Prozent.
Vor diesem Hintergrund hat das Unternehmen Rain am 1. September 2026 die Gründung der „Agentic Payments Alliance“ bekannt gegeben. Zu den 26 Gründungsmitgliedern gehören Branchengrößen wie Visa, Mastercard, Fiserv, Circle und die Solana Foundation. Ziel der Allianz ist die Festlegung globaler Standards für die Identität von KI-Agenten, Autorisierungsprozesse und Betrugskontrollen.
Integrationen in soziale Netzwerke und Messenger
Praktische Anwendungen finden bereits Einzug in bestehende Plattformen. MoonPay weitete am 31. August 2026 seinen Dienst „PayBox“ auf die KI-Plattform Grok aus. Nutzer können dort Kryptotransaktionen wie Käufe, Swaps oder Reisebuchungen mittels natürlicher Sprache durchführen. Die Sicherheit wird dabei durch Schwellenwert-Kryptographie (MPC) und sogenannte Secure Enclaves (TEEs) gewährleistet, während die Autorisierung über Passkeys erfolgt.
In China hat WeChat Pay am 1. September 2026 die Unterstützung für weitere KI-Modelle wie DeepSeek Harness und OpenClaw in seine „AI AgentPay Card“ integriert. Das System ermöglicht es KI-Agenten, Empfehlungen auszusprechen und Zahlungen zu initiieren, wobei die Gelder strikt vom Hauptkonto getrennt bleiben.
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Jede Transaktion erfordert zudem eine Bestätigung per Mobiltelefon. Auf dem zugehörigen Tencent SkillHub stehen mittlerweile über 700 Zahlungsfunktionen zur Verfügung.
Technologische Fortschritte und regulatorische Hürden
Auch die Infrastruktur für den E-Commerce wird angepasst. Am 31. August 2026 wurde die vierte Version des Universal Commerce Protocol (UCP) veröffentlicht. Das Protokoll, das ursprünglich Anfang des Jahres von Shopify und Google angekündigt wurde, umfasst nun spezialisierte Gremien für die Gastronomie und das Beherbergungswesen, denen Unternehmen wie Uber Eats, Booking.com und Marriott angehören.
Trotz des technologischen Fortschritts bestehen weiterhin Herausforderungen. OpenAI zog bereits im März 2026 sein „Instant Checkout“-Projekt zurück, nachdem lediglich etwa 30 Händler das System aktiv nutzten.
Datenexperten weisen zudem darauf hin, dass KI-Agenten im Gegensatz zu Menschen keine herkömmlichen Verhaltensdaten hinterlassen. Dies könne dazu führen, dass bestehende Kreditmodelle ihre Unterscheidungskraft verlieren, weshalb Fachleute eine klare Kennzeichnung von Agenten-Transaktionen fordern.
